Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprogramm COST-Aktion

22.08.2003


EU-Programm "Chemistry in High Energy Microenvironments" zu umweltschonenden Verfahren, der so genannten "Grünen Chemie", als COST-Aktion (European COoperation in the Field of Scientific and Technical Research). Die beteiligten deutschen Arbeitsgruppen haben Prof. Jürgen Janek vom Physikalisch-Chemischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen mit der Vertretung der nationalen Interessen im gemeinsamen europäischen Management-Komitee beauftragt. In der Gießener Arbeitsgruppe von Prof. Janek werden u. a. neue plasma-chemische Verfahren entwickelt, die langfristig im Bereich der Abgasreinigung oder Schadstoffvernichtung zum Einsatz kommen könnten.


Auch wenn dies angesichts vieler Diskussionen um Umweltfragen und ökologische Verfahren gerne verschwiegen wird: Die Chemie liefert uns nahezu alle modernen Stoffe, mit denen wir uns heute umgeben. Dies beginnt bei der Kleidung und der Kosmetik, funktionalen oder dekorativen Kunststoffen in fast allen technischen Geräten, schmutzabweisenden Oberflächen und vielem mehr und endet bei der chemischen Produktion medizinischer Wirkstoffe noch lange nicht. Ein Thema, das hierbei seit langem an Bedeutung gewinnt, ist die ressourcen- und umweltschonende Herstellung sowie die sichere Entsorgung oder Vernichtung von Gefahrstoffen.

Hartnäckige Probleme erfordern häufig unkonventionelle Lösungen. Frei nach diesem Motto haben zahlreiche europäische Arbeitsgruppen der Chemie ein gemeinsames Forschungsprogramm auf die Beine gestellt, das seit kurzem von der EU gefördert wird. Die deutsche Übersetzung des Titels "Chemie in hochenergetischen Mikro-Umgebungen" (Chemistry in High Energy Microenvironments) bietet dem Laien allerdings - wie so häufig - keine echte Hilfe für das Verständnis des Vorhabens. In kurzen Worten zusammengefasst wird sich das Programm mit chemischen Reaktionen unter ungewöhnlichen Reaktionsbedingungen beschäftigen, die eine besonders effiziente lokale Energiezufuhr bewirken. Auf diese Weise können sowohl besondere Synthesen gelingen als auch ungewöhnlich stabile, aber toxische Stoffe vernichtet werden. In der Praxis bedeutet dies den Einsatz von Ultraschall, Mikrowellen, Plasmen oder Lasern für chemische Umsetzungen.


Die beteiligten deutschen Arbeitsgruppen haben Prof. Jürgen Janek vom Physikalisch-Chemischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen mit der Vertretung der nationalen Interessen im gemeinsamen europäischen Management-Komitee beauftragt. In der Gießener Arbeitsgruppe von Prof. Janek werden u. a. neue plasma-chemische Verfahren entwickelt, die langfristig im Bereich der Abgasreinigung oder Schadstoffvernichtung zum Einsatz kommen könnten.

Chemische Reaktionen erfordern in den meisten Fällen die Zufuhr von Wärme. Diese stellt die notwendige Energie dar, um vorhandene Bindungen in den Ausgangsstoffen zu brechen und damit neue Bindungen knüpfen zu können. Es ist eine alte Laborweisheit, dass viele Reaktionen bereits bei einer relativ geringen Temperaturerhöhung um 10 bis 15 Grad Celsius doppelt so schnell ablaufen. Die Zeiten, in denen diese Temperaturerhöhung allein mit Hilfe eines Bunsenbrenners erreicht werden konnte, sind schon lange vorbei. Heute finden sich in vielen präparativen Laboratorien Mikrowellenöfen, Ultraschallgeräte, leistungsfähige Laser und Plasmageneratoren, mit denen Energie auf andere Art und Weise übertragen werden kann. Mit Mikrowellen kann man gleichmäßiger erhitzen, und Ultraschall erzeugt oft energiegeladene Mikrobläschen, in denen sehr hohe Temperaturen erreicht werden. Mit dem Laser kann man an Oberflächen in Sekundenbruchteilen mühelos mehrere 1000 Grad Celsius erreichen, und in Plasmen reagieren energiereiche Teilchen auch mit sehr reaktionsträgen Stoffen.

Im Rahmen eines auf fünf Jahre angelegten Programms soll die Nutzung derart unkonventioneller Methoden zur Energieübertragung für chemische Reaktionen europaweit vernetzt untersucht werden. Dabei steht die Entwicklung von umweltschonenden Verfahren ("green chemistry") im Mittelpunkt. Sowohl die Abwasserreinigung als auch die Verbesserung von chemischen Synthesen werden untersucht. Das Programm wird als sogenannte COST-Aktion (European COoperation in the Field of Scientific and Technical Research) finanziell von der EU gefördert. Innerhalb der Laufzeit des Programms sollen die beteiligten Arbeitsgruppen ihre Aktivitäten stärker vernetzen, die nationalen Koordinatoren sollen nationale Fördermaßnahmen anregen und bündeln.

Kontaktadresse:

Prof. Dr. Jürgen Janek
Physikalisch-Chemisches Institut
Heinrich-Buff-Ring 58, 35392 Gießen
Tel.: 0641/99-34500, Fax: -34509
e-mail: Juergen.Janek@phys.Chemie.

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de

Weitere Berichte zu: Abgasreinigung COST-Aktion Schadstoffvernichtung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics