Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster fossiler Nachweis von Transferzellen bei bedecktsamigen Pflanzen (Angiospermien)

21.08.2003


Seit ihrer Entdeckung in den späten sechziger Jahren sind sogenannte Transferzellen bei den verschiedensten Pflanzengruppen in den unterschiedlichsten Geweben gefunden worden. Im Elektronenmikrospkop sind sie leicht an den zahlreichen Einstülpungen ihrer inneren Zellenwand zu erkennen. Sie finden sich dort, wo Stoffe transportiert werden, wobei die Oberflächenvergrößerung der inneren Zellwand einer Funktionsoptimierung entspricht. Dieses Prinzip findet man auch in der menschlichen Lunge (Lungenbläßchen). Derartige Transferzellen sind in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hartmut H. Hilger vom Institut für Biologie, Sytematische Botanik und Pflanzengeographie, nun erstmals bei 50 Millionen Jahre alten Fossilien, genauer in Resten von Früchten gefunden worden, was sehr überraschend ist, weil sich Zellen und ihre Teile nur äußerst selten über so lange Zeit erhalten.


Transferzellen



Die Fossilien können einer kleinen Pflanzengruppe tropischer Bäume und Sträucher zugeordnet werden, nämlich den Ehretiaceae. Ehretiaceae sind nahe Verwandte der Vergißmeinnicht-Gewächse, sie waren im sehr viel wärmeren Eozän auch in Europa verbreitet. Das heutige Vorkommen dieser Pflanzengruppe in Nordamerika und Ostasien (man nennt dies eine ’Disjunktion’) erklärt sich aus der Klimaabkühlung während des Tertiärs und dem Auseinanderdriften der Kontinente Nordamerika und Eurasien.

... mehr zu:
»Ehretiaceae »Fossil »Transferzellen


Die Transferzellen selbst konnten sich nur aus zwei Gründen über so lange Zeit erhalten: Wichtig dafür war zum einen der Fundort, die Fossillagerstätte London Clay Flora in England, die bekannt für die besonders gute Erhaltung organischen Materials ist. Des weiteren ist die Fruchtmorphologie für die fossile Überlieferung der Transferzellen verantwortlich. Bei den Ehretiaceae besteht die Samenschale aus spezialisierten Zellen und die Samen wiederum befinden sich - wie bei einer Kirsche - in einem harten Steinkern. Dieser Steinkern schützt die Samen normalerweise während der Darmpassage, nachdem beispielsweise ein Vogel die Früchte gegessen hat. Ausnahmsweise ermöglichte er aber auch, daß die subzellulären Strukturen der Transferzellen während der letzten 50 Millionen Jahre nicht zerstört worden sind.

Die Funktion von Transferzellen in den unterschiedlichen Pflanzengruppen ist so vielfältig wie ihr Vorkommen in unterschiedlichen Geweben. Natürlicherweise dienen sie den Ehretiaceae dazu, während der Keimung möglichst schnell Wasser aufzunehmen, so daß der Same quellt und auf diese Weise den Steinkern entlang von Sollbruchstellen zerstört.

Die richtige systematische Einordnung von Fossilien gestaltet sich besonders bei Pflanzen, bei denen ähnliche Merkmale immer wieder parallel (’konvergent’) entstanden sind, als schwierig. Kann ein systematischer Botaniker aber auf derart gut erhaltene Fossilien mit subzellulären Strukturen zurückgreifen, dann kann die systematische Stellung häufig sehr präzise geklärt werden.

Informationen: Dr. Marc Gottschling, Fachbereich Geologische Wissenschaften, Fachrichtung Palaeontologie, Malteser Strasse 74-100, Haus D (Post), Haus C (Raum 0.06), 12249 Berlin-Lankwitz, Tel.: 030/838-70808, Fax: 838-70745, E-Mail: caix@zedat.fu-berlin.de

Hedwig Görgen | idw

Weitere Berichte zu: Ehretiaceae Fossil Transferzellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie