Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bittere Mahlzeit macht Hummeln gewissenhafter

24.07.2003


Bienengruppe des Biozentrums berichtet in "Nature":



Auch bei Hummeln gibt es Pedanten und Schlamper. Die sorgfältigen Tiere lassen sich bei der Futtersuche Zeit und wählen mit hoher Präzision geeignete Nahrungsquellen aus. Dagegen eilen schlampige Hummeln schnell von Blüte zu Blüte und machen dabei viele Fehler. Allerdings können die Hummeln durch eine Bestrafung zu mehr Sorgfalt gebracht werden. Über diese an der Uni Würzburg gewonnenen Erkenntnisse berichtet die Zeitschrift "Nature" in ihrer neuen Ausgabe.

... mehr zu:
»Blüte »Chinin


Für ihre Experimente haben Fiola Bock und Lars Chittka von der Bienengruppe des Würzburger Biozentrums individuell markierte Hummeln und eine virtuelle Blumenwiese benutzt: Auf eine Wand aus Plexiglas projizierten sie verschiedenfarbige Kreise (Blüten) und platzierten in deren Mitte kleine Näpfe mit Flüssigkeiten (Nektar). Bei der Farbe dunkelblau erhielten die Hummeln eine nahrhafte Zuckerlösung, bei Hellblau zunächst nur einfaches Wasser.

Auf diese Weise lernten die Insekten, dass sie in den dunkelblauen "Blüten" Futter finden und bei den anderen leer ausgehen. Trotzdem führten insgesamt nur 62 Prozent aller Anflüge zu den Zuckertöpfen. Diese schlechte Quote rührte daher, dass manche Hummeln ihre Sammelflüge schlampig durchführten und oft auch die Wassernäpfe ansteuerten.

Das Bild änderte sich, als die Würzburger Forscher die hellblauen Farbkreise nicht mehr mit Wasser, sondern mit einer Chinin-Lösung befüllten. Chinin ist ein farb- und geruchloser, bitter schmeckender Naturstoff, der zum Beispiel für Limonaden wie Tonic Water verwendet wird. Die Hummeln verabscheuen ihn wegen seines Geschmacks, wurden beim Experiment also bestraft, wenn sie eine hellblaue Blüte aufsuchten.

Ergebnis: Statt nur 62 führten plötzlich 83 Prozent der Anflüge zu den "richtigen" Blüten. Um den bitteren Stoff zu vermeiden, gingen die Hummeln bei der Nahrungssuche nun wesentlich gewissenhafter und mit mehr Zeitaufwand zu Werke. Als die Biologen das Chinin wieder durch Wasser ersetzten, war es aber mit der erhöhten Sorgfalt zu Ende und die Hummeln fielen in ihre alten Gewohnheiten zurück.

Die Würzburger Forscher plädieren deshalb dafür, dass zukünftig bei Experimenten, bei denen die Unterscheidungsfähigkeit von Tieren untersucht wird, auch die Zeit einbezogen werden sollte, welche die Tiere für die Aufgaben benötigen.

Weitere Informationen:

Fiola Bock
Tel.: 0931 - 888-4329, Fax 0931 - 888-4309
E-Mail: bock@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Blüte Chinin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten