Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler finden Erklärung für Geschlechtsumkehrung

10.07.2003


Das Rätsel, warum einige Menschen, die genetisch männlich sind, aber mit weiblichen Fortpflanzungsorganen oder Genitalien geboren werden, wurde von Wissenschaftlern der australischen Monash University und des Prince Henry’s Institute of Medical Research (PHIMR) gelöst.



Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Intersexualität bereits in der Gebärmutter zu erkennen. Eine derartige Diagnose könnte nicht nur werdenden Eltern helfen, sich vorzubereiten, sondern könnte auch - da intersexuelle Menschen wesentlich häufiger an Gonadenkrebs erkranken - für das frühstmögliche Einleiten präventiver Maßnahmen von großer Bedeutung sein.



Beim Menschen sind die männlichen Geschlechtschromosomen für gewöhnlich XY und die weiblichen XX. Ein Gen des Y Chromosoms, bekannt als SRY, bestimmt das Geschlecht eines Menschen, und sein Vorhandensein bedeutet, dass die Person männlich ist. Wenn aber Mutationen am SRY eines XY-Menschen auftreten, erfolgt eine Geschlechtsumwandlung vom Männlichen zum Weiblichen, ein Zustand, der Swyer Syndrom genannt wird.

Professor David Jans, aus dem Fachbereich Biochemie und Molekularbiologie an der Monash University hat eng mit Dr. Vincent Harley, vom Human Molecular Genetics Laboratory am PHIMR zusammengearbeitet, um zu zeigen, dass SRY bei mehreren intersexuellen Patienten nicht in den Zellkern vordringt. Ihre Forschungsarbeit wurde in der amerikanischen Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

"Wenn SRY nicht in den Zellkern vordringen kann, um dort seiner Aufgabe nachzukommen, die Ausbildung jener Gene zu regulieren, die für die Entstehung der Hoden verantwortlich sind, führt dies zu einem XY weiblichen Menschen," erklärt Professor Jans. "Unsere Forschungsarbeiten konzentrierten sich darauf, wie Proteine in den Zellkern gelangen, wie dieser Prozess reguliert wird und wie so eventuelle Störungen verursacht werden."

"Unsere besondere Aufmerksamkeit galt veränderten SRY Formen, die normal hinsichtlich der DNA Anbindung erscheinen, aber trotzdem Geschlechtsumkehrungen verursachen," so Professor Jans. "Über der Untersuchung von DNA intersexueller Menschen haben wir gezeigt, dass, zumindest in einigen Fällen, die Geschlechtsumkehrung aufgrund von Transportschwierigkeiten auftritt - das SRY kann nicht dorthin gelangen, wo es in der Zelle sein muss, in den Zellkern."

In Australien ist laut Dr. Harley ca. einer von 4000 Menschen von Intersexualität betroffen - Männer oder Frauen, deren Fortpflanzungsorgane oder Genitalien nicht mit ihren Geschlechtschromosomen übereinstimmen. Für die molekulare Grundlage der meisten Fälle von Intersexualität gab es bisher keine wissenschaftliche Erklärung. "Diese Forschungsarbeit hilft nicht nur, die molekulare Grundlage der Geschlechtsbestimmung besser zu verstehen, sondern erklärt auch die Auswirkungen genetischer Mutationen bei intersexuellen Kindern. Eine weitere Bedeutung der Arbeit liegt in der Tatsache, dass diese das erste Beispiel für eine menschliche genetische Abweichung ist, die auf eine genetische Veränderung zurückzuführen ist, welche die Bewegung eines Proteins, in diesem Fall die des SRY in den Zellkern, behindert."

Weitere Informationen in englischer Sprache:
Professor David Jans
Email: david.jans@med.monash.edu.au
Tel.: 0061-3-9905 3778

Sabine Ranke-Heinemann | idw

Weitere Berichte zu: Geschlechtsumkehrung Intersexualität SRY Zellkern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie