Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Positionspapier Nuklearchemie

28.08.2000


Perspektiven der Nuklearchemie in Deutschland
Positionspapier spricht für Erhalt und Förderung

250 Wissenschaftler in Deutschland sind Mitglied der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Sie arbeiten mit radioaktiven Stoffen und ionisierender Strahlung, also auf den Gebieten der Kern-, Radio- und Strahlenchemie. Die nuklearchemische Forschung leistet wesentliche Beiträge in den verschiedensten Wissenschaftsbereichen, und nuklearchemische Methoden haben vielfältige Anwendungen gefunden. In den letzten Jahren haben sich neue Arbeitsgebiete von hoher gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Relevanz herausgebildet.

Mit einem Positionspapier wenden sich nun die Nuklearchemiker an die gesellschaftlichen Entscheidungsträger und die interessierte Öffentlichkeit. In ihm werden die derzeitigen Aufgaben- und Forschungsfelder der Nuklearchemie beschrieben und ihre Bedeutung für die moderne Industriegesellschaft sowie Perspektiven für künftige Entwicklungen erörtert. Die Nuklearchemiker weisen auf die Notwendigkeit des Erhalts einer ausreichenden Lehr- und Ausbildungskapazität hin und fordern eine verbesserte Forschungsförderung.

Die zehn Arbeitsschwerpunkte reichen von der kernchemischen Grundlagenforschung mit den mit kernchemischen Methoden neu entdeckten und neu zu entdeckenden chemischen Elementen bis hin zum Strahlenschutz und der Radioökologie, in der das Verhalten und der Verbleib radioaktiver Substanzen in der Atmo-, Hydro-, Geo- und Biosphäre untersucht und zunehmend besser verstanden wird. Die hervorragenden Nachweismög-lichkeiten radioaktiver Elemente macht sich auch die Nuklearchemie in den Lebenswissenschaften zu Nutze. Für medizinische Anwendungen sind nuklearchemische Methoden z. T. einzigartig und nicht substituierbar. Der Weg, den radioaktive Elemente nehmen, ist selbst bei geringster Dosis leicht nachvollziehbar. Man spricht von Tracertechniken, die auch bei der Entwicklung neuer Arzneimittel und Agrochemikalien eingesetzt werden, kann man mit ihnen doch den Weg der Wirkstoffe durch den Organismus zum Wirkort, den Metabolismus und Abbau verfolgen. Ein großes Entwicklungspotential besitzen auch neue nuklearmedizinische Therapiekonzepte in der Tumorbekämpfung. Strahlende Wirkstoffe greifen gezielt den Tumor an; die derzeitigen radiologischen Methoden sind weniger spezifisch.

Natürliche Radionuklide dienen als Tracer in Umweltprozessen, z. B. zur Datierung in der Archäometrie, Hydrologie, Klimatologie und anderen Umweltwissenschaften. Nuklearchemiker untersuchen Eiscores und Tiefseesedimente in der Klimatologie, klären Mischungsprozesse in den Oze-anen und den Materieaustausch zwischen Atmosphäre und Meeren auf und analysieren lokale Prozesse in der Schadstoffökologie.

Die Nuklearenergie-Technologie und die nukleare Entsorgung sind angesichts der 19 in Deutschland in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke, die über 30 Prozent zur öffentlichen Stromerzeugung beisteuern, nach wie vor zentrale Themen der Nuklearchemiker. Sicherheitsaspekte bei bestimmungsgemäßem Betrieb, unter Stör- und Unfallbedingungen und beim Rückbau kerntechnischer Anlagen stehen dabei im Vordergrund, durchaus aber auch die Weiterentwicklung vor allem der Leichtwasserreaktoren. Bei der nuklearen Entsorgung stellen sich Fragen im Bereich der Materialforschung, der Korrosion von Glas, Zement und weiterer Komponenten, die als Verfestigungsmaterial für radioaktiven Abfall dienen.

Als Option für die künftige Energieversorgung gilt die Fusionstechnologie. Die Bildung und das Verhalten von Radionukliden sind hier die zentralen nuklearchemischen Fragen.

Die Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker weist in ihrem Positionspapier nachdrücklich darauf hin, dass die Nutzung der Kernenergie in Deutschland als wenig umweltbelastende, klimafreundliche und kostengünstige Energieversorgungsoption mit herausragendem Sicherheitsstandard eine Bewertung im Vergleich mit anderen Energieformen verdient.

Das Positionspapier der Fachgruppe Nuklearchemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker "Arbeitsschwerpunkte der nuklearchemischen Forschung und Anwendung" kann angefordert werden bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt am Main, Tel. 069/7917-325, E-Mail: pr@gdch.de.

Dr. Kurt Begitt |

Weitere Berichte zu: Entsorgung Klimatologie Nuklearchemie Radionuklide

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie

Innovative High Power LED Light Engine für den UV Bereich

22.06.2017 | Physik Astronomie

Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen

22.06.2017 | Architektur Bauwesen