Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Regenwürmer Bt-Mais fressen

23.06.2003


Nach verschiedenen anderen Tieren wurden nun auch Regenwürmer mit Bt-Mais gefüttert. Schweizer Forscher wollten wissen, ob es über Blätter von Bt-Maispflanzen, die auf den Boden fallen und dort verrotten, zu schädlichen Nebeneffekten kommen kann. Unter Freilandbedingungen zeigte sich, dass Bt-Mais nicht zu einer erhöhten Sterblichkeit bei Regenwürmern führt. Doch wie so oft: am Ende stellen sich weitere Fragen.


Kein Regenwurmsterben durch Bt-Mais



Bt-Mais, der sich selbst gegen die gefräßigen Larven des Maiszünslers schützt, wird in den USA und anderen Ländern großflächig angebaut. Nicht nur in Deutschland sind mögliche schädliche Auswirkungen auf "Nichtzielorganismen" ein Thema der Biologischen Sicherheitsforschung.



Bisher interessierte man sich vor allem für Insekten, die direkt oder indirekt mit Mais - und damit auch mit dem Bt-Toxin - in Kontakt kommen. Doch über verrottendes Pflanzenmaterial gelangt das Bt-Toxin auch in den Boden. Wie sich das auf die für die Bodenqualität wichtigen Regenwürmer auswirken könnte, hat nun eine Schweizer Arbeitsgruppe sowohl im Labor wie im Freiland näher untersucht.

Über zweihundert Tage wurden Regenwürmer mit normalem und Bt-Mais gefüttert. Dazu wurde je ein Wurm mit dem jeweiligen Blattmaterial in spezielle Glasröhrchen (Laborversuch) oder in Netzkäfige gesetzt, die in den Ackerboden eingebracht wurden.

Weder im Labor, noch unter Feldbedingungen führte Bt-Mais als Futter zu einer veränderter Sterblichkeit der Regenwürmer.

Allerdings waren die Würmer am Ende einer Versuchsreihe deutlich leichter, wenn sie Bt-Mais gefressen hatten (bei einem Versuchsansatz).

Interessanterweise ließ sich dieser Effekt nur bei ausgewachsenen Regenwürmern finden, die im Labor in erdgefüllten Glasröhren gehalten wurden. Junge Regenwürmer, die sich noch in der Entwicklung befanden und im Freiland untersucht wurden, beeinflusste der Bt-Mais nicht.

Unterschiede zwischen Labor- und Feldversuch zeigten sich auch bei der Abbaugeschwindigkeit des Bt-Toxins. Im Labor nahm der Toxingehalt in den Maisblättern, von denen sich die Regenwürmer ernährten, in den ersten Wochen des Versuchs rapide ab. Danach hielt er sich bis zum Versuchende auf konstant niedrigem Niveau.

Im Freiland war zumindest bis zum achtzigsten Versuchstag der Toxingehalt in den verrottenden Blättern hoch genug, um die gewünscht Wirkung zu erzielen - nämlich die Larven des Maiszünslers abzutöten. Nach 240 Tagen war das Bt-Toxins nur noch in geringen Mengen nachweisbar.

Nicht eindeutig geklärt ist, ob das Bt-Toxin den beobachteten Gewichtsverlust der Regenwürmer verursacht. Vergleichbare frühere Untersuchungen fanden keine Bt-bedingten Effekte auf Regenwürmer.

Möglich, dass die Gewichtsreduktion gar nichts mit dem Bt-Toxin selber zu tun hat. Die Blätter von Bt-Mais und nicht-Bt-Mais unterscheiden sich nämlich nicht nur im Toxingehalt, sondern auch in anderen Eigenschaften. So ist bei dem in diesen Versuchen verwendeten Bt-Mais (Bt11) ein um bis zu 97 Prozent erhöhter Ligningehalt festgestellt worden, der sich durchaus negativ auf die Futterqualität auswirken kann.

Weiter Versuche sollen Ursachen der Gewichtsunterschiede klären.

| www.biosicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de

Weitere Berichte zu: Bt-Mais Bt-Toxin Labor Regenwürmer Toxingehalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics