Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein uraltes Enzym mit neuen Funktionen

08.11.2000


Bei der Synthese und Reifung der

Transfer-RNA spielt das Ribozym RNAse P eine wichtige Rolle: Es

entfernt überflüssige Teile (schraffiert) aus dem so genannten

Primärtranskript und macht die Transfer-RNA dadurch erst

funktionsfähig. Grafik: Schön


... mehr zu:
»DNA »Enzym »Protein »RNA »RNase »Ribozym
Ribozyme sind eine Klasse von biologischen Katalysatoren, die in allen Lebewesen vorkommen - von Bakterien bis hin zum Menschen. Dank ihrer ganz speziellen Fähigkeiten können sie in Zukunft möglicherweise beim
Kampf gegen Viren und krankhaft veränderte Gene eingesetzt werden. Biochemiker von der Universität Würzburg sammeln grundlegende Erkenntnisse über die Ribozyme.

Zellen bestehen hauptsächlich aus drei Arten von Großmolekülen: DNA, RNA und Protein. Zwischen diesen besteht eine eindeutige Arbeitsteilung: Die DNA, also das genetische Material, ist der Informationsspeicher, der den Bauplan für die Proteine enthält. Diese wiederum bilden die Zellstrukturen oder arbeiten als Enzyme im Zellstoffwechsel. Dazwischen stehen als Bindeglied die verschiedenen Formen der RNA, welche die genetische Information von der DNA bis hin zu den Orten der Proteinsynthese übermitteln.

Diese strikte Arbeitsteilung existierte in den ältesten "Ur-Organismen" wahrscheinlich noch nicht, wie Dr. Astrid Schön vom Institut für Biochemie der Universität Würzburg erläutert. Vielmehr übernahmen die RNAs alle genannten Aufgaben. Noch heute gebe es Hinweise auf diese urtümliche "RNA-Welt": Viele kleine Moleküle, die für den Stoffwechsel benötigt werden, wie zum Beispiel Vitamine, leiten sich von RNA-Bausteinen ab. In dieser Welt sind auch die Ribozyme zu Hause, denn sie sind nichts anderes als enzymatisch aktive RNA.

Einem Ribozym namens RNase P kommt eine zentrale Rolle im Zellstoffwechsel zu: Es spaltet die noch inaktiven Vorläufer der so genannten Transfer-RNA, welche dadurch erst funktionsfähig wird und dann beim Aufbau der Proteine eine wichtige Rolle spielt. Würde dieses Ribozym ausfallen, dann wäre die Informationskette unterbrochen, die von der DNA zu den Proteinen führt.

Die RNase P und weitere Ribozyme können aber nicht nur die Vorläufer der Transfer-RNA, sondern auch noch andere RNA-Moleküle ganz spezifisch spalten. Dies macht sie laut Dr. Schön zu geeigneten Werkzeugen beim Kampf gegen Krankheiten: Schließlich können sowohl Viren als auch krankhaft veränderte zelleigene Gene über den "Mittelsmann" RNA Proteine hervorbringen, die für den Körper schädlich sind. Mit Ribozymen könnte man möglicherweise schon den Mittelsmann ganz gezielt ausschalten.

Doch bevor solche Anwendungen in der Grundlagenforschung oder in der Medizin möglich sind, müssen Struktur und Funktion der RNase P aus möglichst vielen Organismengruppen sehr gut bekannt sein. Genau dieses Wissen will die Gruppe um Dr. Schön erarbeiten. Gefördert wird das Projekt der Würzburger Biochemiker von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Weitere Informationen: Dr. Astrid Schön, T (0931) 888-4038, Fax (0931) 888-4028, 
E-Mail: schoen@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: DNA Enzym Protein RNA RNase Ribozym

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schneller Energietransport zwischen ungleichen Partnern
29.09.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Das Ribosom als Kontrolleur
29.09.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

Folgenschwere Luftverschmutzung: Forum zur Chemie der Atmosphäre

28.09.2016 | Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

3D-Food Printing an der Hochschule Rhein-Waal

29.09.2016 | Energie und Elektrotechnik

Schneller Energietransport zwischen ungleichen Partnern

29.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Das Ribosom als Kontrolleur

29.09.2016 | Biowissenschaften Chemie