Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Entwicklung von Blutzellen auf der Spur

16.04.2003


Einer der grundlegenden Prozesse in der Biologie ist die Umsetzung der in den Genen enthaltenen Bauanleitungen in Proteine, den universalen Baustoffen und Maschinen des Lebens.



Zuerst wird dabei eine Bauanleitung von der Sprache der Gene, der DNA, in die Sprache einer transportablen Botenform, der RNA, übersetzt. Die Boten-RNA transportiert diese Information weiter zu den Proteinfabriken der Zelle, den Ribosomen. Diese setzen die Proteine entsprechend dem RNA-Bauplan aus Einzelbausteinen, den so genannten Aminosäuren, zusammen. Die Übertragung der Information von der Boten-RNA in die spezifische Abfolge der Aminosäure-Bausteine der Proteine bezeichnen Biologen als "Translation", d.h. Übersetzung. Wie die Translation im Einzelnen kontrolliert wird, war bislang weitgehend unbekannt. Jetzt gelang es Dr. Cornelis F. Calkhoven und Dr. Christine Müller aus der Forschungsgruppe von Dr. Achim Leutz vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit Forschern des Klinischen Forschungsinstituts in Montreal/Kanada einen neuartigen Regulationsmechanismus für diese Übersetzung zu entschlüsseln, der eine entscheidende Rolle bei der Bildung verschiedener Blutzellen spielt. Ihre Arbeit ist jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift Genes and Development (Vol. 17, No. 8, April 15, 2003)* erschienen.



Dr. Calkhoven und seine Kollegen erforschen ein Gen, in der Fachsprache kurz scl genannt. Das Gen ist für die Entwicklung der Blutbildung entscheidend. Mäuse, denen dieses Gen fehlt, können kein Blutsystem aufbauen und sind deshalb auch nicht lebensfähig. Beim Menschen können Veränderungen im scl-Gen so genannte T-Zell-Leukämien auslösen.

Obwohl die Bauanleitung des gesamten scl-Gens als Boten-RNA in der Zelle vorliegt, wird nicht immer die vollständige Information für die SCL-Proteinproduktion benötigt, sondern unter bestimmten Umständen auch nur eine Teilinformation verwendet. Das führt zur Entstehung unterschiedlich langer SCL-Proteine. Je nachdem, welche dieser Proteinformen in unreifen Blutzellen überwiegt, entwickeln sich diese zu verschiedenen Blutzellarten: zu Blutplättchen (Megakaryozyten oder Thrombozyten genannt - sie sorgen für die Blutgerinnung) oder zu roten Blutzellen (Erythrozyten - sie transportieren den Sauerstoff im Organismus). Wie die Forscher jetzt zeigen konnten, basiert die Entstehung der Blutplättchen auf der gesamten Bauanweisung des scl-Gens, die Entwicklung der roten Blutzellen auf dem verkürzten Bauplan.

Aber wie wissen die Ribosomen, welches Protein sie produzieren sollen? Das Startsignal für die Produktion geben ihnen bestimmte Proteinfaktoren. Wann welche Blutzellform produziert wird, hängt entscheidend davon ab, wie diese Faktoren gesteuert werden. Die Forscher gehen davon aus, dass die Feinsteuerung dieses molekularen Schalters über bestimmte Signalwege für die Blutbildung von großer Bedeutung ist. Sind diese oder ähnliche Regulationsprozesse fehlgeleitet, kann es möglicherweise zu der Entstehung von Leukämien wie zum Beispiel der akuten myeloischen Leukämie und der Megakaryozytischen Leukämie bei Down Syndrom führen.

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: Bauanleitung Blutzelle Boten-RNA Gen Leukämie Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten