Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsforscher der TU München und TU Dresden entdecken auf Tumorzellen neue Genvariante eines Protein

11.04.2003


Krebsforscher der TU München und TU Dresden entdecken auf Tumorzellen neue Genvariante eines Proteins mit einer hohen Voraussagekraft für den Krankheitsverlauf bei Brustkrebspatientinnen



Wissenschaftler und Kliniker der Klinischen Forschergruppe der Frauenklinik (Direktorin: Prof. Dr. med. Marion Kiechle) des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München und dem Institut für Pathologie (Direktor: Prof. Dr. med. Gustavo Baretton) der Technischen Universität Dresden haben im Tumorgewebe von Brustkrebspatientinnen die Genvariante eines Proteins nachgewiesen, das mit einer hohen statistischen Sicherheit Vorhersagen für den Krankheitsverlauf von Brustkrebs-Patientinnen ermöglicht und das eine zentrale Rolle im Metastasierungsprozess dieser Krankheit zu spielen scheint. Dies berichten die Forschergruppen um PD Dr. Viktor Magdolen und Prof. Dr. Manfred Schmitt (beide TU München), PD Dr. Thomas Luther, Dr. Matthias Kotzsch und Dr. Axel Meye (alle TU Dresden) in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsjournals Thrombosis and Haemostasis vom 3. April 2003 (Vol. 89, S. 705-717).



Bei diesem Protein handelt es sich um eine bisher noch nicht beschriebene Variante des sogenannten Urokinase-Rezeptors. Die Konzentration dieser Rezeptor-Variante mit der technischen Bezeichnung "uPAR-del4/5" im Tumorgewebe konnte mit von den Forschern entwickelten Messverfahren basierend auf der sog. LightCycler-Technologie bestimmt werden. Diese Rezeptor-Variante wurde in den Untersuchungen der Münchner und Dresdner Forscher im Tumorgewebe von Brustkrebs-Patientinnen nachgewiesen, nicht aber in gesunden Zellen. Zwischen dem Auftreten dieser Urokinase-Rezeptor-Variante und dem späteren Krankheitsverlauf besteht ein starker statistischer Zusammenhang; je höher die Expression der Rezeptor-Variante, um so kürzer die krankheitsfreie Überlebenszeit der Patientinnen nach operativer Entfernung des Primärtumors.

Zu der Studie
In der Studie wurde Tumorgewebe von 43 Patientinnen im Alter zwischen 33 und 88 Jahren postoperativ auf die Urokinase-Rezeptor-Variante und auf andere etablierte prognostische Marker untersucht. Der Krankheitsverlauf der Patienten wurde beobachtet und ermittelt, ob und zu welchem Zeitpunkt die Patienten einen Krankheitsrückfall erlitten und ob und zu welchem Zeitpunkt die Patienten verstarben. Nach einer Beobachtungszeit von bis zu 80 Monaten (im Durchschnitt 38 Monate) wurde der Zusammenhang zwischen den tumorassoziierten Faktoren und der krankheitsfreien Überlebenszeit bestimmt.

Bezüglich der Rezeptor-Variante wurden die Patientinnen in zunächst zwei nahezu gleich große Gruppen eingeteilt: eine Gruppe mit niedrigen Expressionswerten der Rezeptor-Variante im Tumorgewebe (49%), und eine mit erhöhten Werten (51%). Während unter den Patientinnen mit niedrigen Werten im Beobachtungszeitraum lediglich 31% nach einer bestimmten Zeit einen Rückfall erlitten, lag bei der Gruppe mit höheren Rezeptor-Werten die Rückfallquote mit 75% weitaus höher. Der statistische Zusammenhang zwischen dem erhöhten Auftreten der Rezeptor-Variante und dem Krankheitsverlauf war mit einem p-Wert von 0,0004 hoch signifikant.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die uPA-Rezeptor-Variante zwei Funktionen in der klinischen Anwendung haben könnte. Zum einen könnte die Rezeptor-Variante als Prognosefaktor verwendet werden, um bereits kurz nach der operativen Entfernung des Primärtumors Vorhersagen über den Krankheitsverlauf von Brustkrebs-Patientinnen machen zu können. Auf diese Weise könnten sowohl jene Brustkrebs-Patientinnen identifiziert werden, die einer besonderen Therapie bedürfen, als auch solche (Patientinnen) mit einem geringen Rückfall-Risiko, denen belastende Therapien erspart werden können. Zum anderen weisen die Ergebnisse der Untersuchungen darauf hin, dass die Rezeptor-Variante eine ursächliche Rolle in der Ausbreitung der Krankheit im Körper spielen kann und somit eine neue therapeutische Zielstruktur darstellt.

Die Forscher der TU München und TU Dresden untersuchen zur Zeit die prognostische Relevanz der Urokinase-Rezeptor-Variante an größeren Patientengruppen zur Validierung der Ergebnisse.

Über das uPA-System und die Rezeptor-Variante uPAR-del4/5
Der Urokinase-Rezeptor kommt als Bestandteil des Urokinase-Plasminogen-Aktivator Systems (uPA-System) in Tumoren in verschiedenen molekularen Formen und Varianten vor. Eine dieser Varianten ist die mit der Bezeichnung uPAR-del4/5, deren Existenz und Rolle als prognostischer Marker bei Brustkrebs und mögliche therapeutische Zielstruktur nun von den Forschern der TU München und TU Dresden erstmals nachgewiesen wurde. Das uPA-System spielt eine zentrale Rolle beim Wachstum und der Ausbreitung / Metastasierung solider maligner Tumore. Derzeit werden neuartige Medikamente gegen das uPA-System in klinischen Studien der Phase I an Tumorpatienten getestet., welche die Aktivität der Urokinase hemmen und damit zu einer Blockierung der Metastasierung führen. Das uPA-System besteht aus dem Plasminogenaktivator vom Urokinase-Typ (Urokinase, uPA), seinem physiologischen Inhibitor (PAI-1) und dem Urokinase-Rezeptor, der auf der Zelloberfläche von soliden Tumoren exprimiert wird. Das uPA-System ermöglicht es Tumorzellen, die sie umgebende extrazelluläre Matrix abzubauen, an andere Orte im Organismus auszustreuen und dort Metastasen zu bilden. Durch die Bindung der Urokinase an den Urokinase-Rezeptor auf der Oberfläche von Tumorzellen wird Plasminogen zu Plasmin aktiviert und dadurch der Abbau der extrazellulären Matrix ausgelöst, welches die Ausstreuung der Tumorzellen begünstigt.

Birgit Berg | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops