Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Totalsynthese von Antitumor-Wirkstoff Pelorusid A geglückt

07.04.2003


Vor etwa drei Jahren isolierten Wissenschaftler um Peter Northcote eine bisher unbekannte Verbindung aus einem neuseeländischen Meeres-Schwamm, die sich als potenzieller Wirkstoff gegen Krebs erwies. Pelorusid A zeigt einen ähnlichen Wirkmechanismus wie Taxol und könnte dieses in der Chemotherapie ergänzen. Amerikanischen Chemikern um Jef De Brabander von der University of Texas Southwestern Medical Center at Dallas ist nun die erste Totalsynthese von Pelorusid A geglückt - allerdings in einer gegenüber dem Naturstoff spiegelbildlichen Form. Anhand ihres Syntheseweges sowie weiterer analytischer Daten konnte das Team die letzten Mosaiksteinchen zur Aufklärung der Konfiguration des natürlichen Pelorusid A beitragen.



Naturstoffe sind häufig kompliziert aufgebaute Kohlenstoff-Verbindungen. Während deren Grobstruktur trotzdem relativ leicht zu analysieren ist, gestaltet sich die Aufklärung der genauen räumlichen Verhältnisse oft als extrem schwierig. Einer der Gründe ist die räumliche Anordnung der vier "Bindungsarme" von Kohlenstoffatomen, die in die vier Ecken eines Tetraeders weisen. Vier verschiedene Bindungspartner können so auf zwei unterschiedliche Arten angeordnet sein, die sich zu einander verhalten wie Bild und Spiegelbild. Pelurosid A enthält zehn dieser so genannten chiralen Zentren. Zwar konnte bereits die Ausrichtung der einzelnen chiralen Zentren zu einander ermittelt werden, unklar blieb dagegen die absolute Konfiguration der einzelnen Zentren. Denn ein und die selbe "relative Struktur" kann sich in Form zweier zu einander spiegelbildlicher, aber ansonsten identischer Moleküle manifestieren.

... mehr zu:
»Pelorusid »Totalsynthese


De Brabander und seine Mitarbeiter griffen, wie es Chemiker in solchen schwierigen Fällen zu tun pflegen, auf die Methode der Totalsynthese zurück: Sie tüftelten einen Weg aus, wie sich der Naturstoff aus Molekül-Bausteinen nachbauen lässt. Anhand des Syntheseweges ist festgelegt, welches der beiden Spiegelbilder entsteht. Ein Vergleich der spektroskopischen Daten der erhaltenen Verbindung mit denen des natürlichen Pelorusids A zeigte Übereinstimmung. Das bedeutet zunächst, dass das synthetische Pelorusid A die richtige relative Struktur aufweist, die damit nun auch belegt ist.

Aber ist es auch das richtige Spielgelbild? Leider nein, musste De Brabanders Team feststellen: Die synthetische Verbindung dreht die Ebene linear polarisierten Lichts nach links und damit in die entgegengesetzte Richtung wie der rechtsdrehende Naturstoff. Damit ist aber zumindest eindeutig geklärt, in welcher Konfiguration Pelorusid A in der Natur vorkommt. Klar, woran die texanische Gruppe nun mit Hochdruck arbeitet - der Totalsynthese des anderen Spiegelbildes, denn nur dieses ist pharmakologisch wirksam.

Kontakt:

Prof. Dr. J. K. De Brabander
Department of Biochemistry
University of Texas Southwestern Medical Center at Dallas
5323 Harry Hines Blvd, Dallas
TX 75390-9038, USA
Fax: (+1) 214-648-6455
E-mail: jdebra@biochem.swmed.edu

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.org

Weitere Berichte zu: Pelorusid Totalsynthese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement

21.08.2017 | Informationstechnologie

Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie