Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abschluss des Projektes zur Sequenzierung des menschlichen Genoms am IMB

19.03.2003


Präsentation der multimedialen Installation "HUGO" am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB) Jena



"Es ist uns nicht entgangen, dass die von uns postulierte spezifische Paarbildung unverzüglich einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material nahelegt."

... mehr zu:
»Biologie »Chromosom »Genom »IMB »Sequenzierung


Mit diesem Satz endet ein am 2. April 1953 von James Watson und Francis Crick verfasstes und am 25. April 1953 in der Wissenschaftszeitschrift Nature publiziertes Manuskript. Watson und Crick hielten als erste die Doppelhelixstruktur der DNA für möglich. Ihr Text leitete ein neues Zeitalter in der Biologie ein - das der Molekularen Genetik.

Heute, 50 Jahre nach der Entdeckung des Prinzips des genetischen Informationsspeichers, kennen wir von Bakterien, Hefen und Organismen wie dem Fadenwurm, der Fruchtfliege oder der Ackerschmalwand immerhin schon die genetische Information selbst. Im April 2003 wird die Sequenzierung des menschlichen Genoms abgeschlossen, das größte molekulargenetische Projekt in der Wissenschaftsgeschichte.

Die Abteilung Genomanalyse des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMB) ist seit 1993 am Internationalen Human-Genom-Projekt beteiligt. Die Gruppe trug entscheidend zu der im Mai 2000 in Nature veröffentlichten Analyse des Chromosoms 21 bei und hat Anteil an der Veröffentlichung der ersten umfassenden Analyse des menschlichen Genoms durch 20 Genom-Zentren aus 6 Ländern. Im Rahmen des Deutschen Human-Genom-Projekts haben Gruppen am Berliner Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, an der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig und am IMB ca. 1,6% der jetzt verfügbaren Daten generiert. Drei Viertel des deutsche Beitrags wurden in Jena erbracht. Neben einer Vielzahl von bisher unbekannten Genen konnten in Jena gemeinsam mit klinischen Partnern fünf menschliche Krankheitsgene identifiziert werden. Sie sind unter anderem verantwortlich für Kleinwuchs, Nachtblindheit, Neuropathie und Krebsanfälligkeit. Noch im März wird die Arbeit zur Sequenzierung von Teilen der menschlichen Chromosomen 8, 21 und X am IMB abgeschlossen sein.

Dank der Anstrengungen des Internationalen Konsortiums zur Sequenzierung des Human-Genoms sind die fast lückenlosen und mit der extrem hohen Genauigkeit von >99,99% bestimmten DNA-Sequenzen aller 24 menschlichen Chromosomen öffentlich verfügbar (www.ncbi.nlm.nih.gov/genome/guide/human/).

Die erfolgreiche Sequenzierung des Human-Genoms ist jedoch nur das Ende vom Anfang einer viel weiter reichenden Unternehmung. Sie zielt auf das Verständnis der Funktionen aller menschlichen Gene und ihrer komplexen räumlichen und zeitlichen Wechselbeziehungen. Erst ein solches tieferes Verständnis der Biologie des Menschen weist ursächlichen und individualisierten Therapien den Weg, an dessen Anfang Biologen und Mediziner jetzt stehen. Die Zeichen des genetischen Wegweisers sind entziffert. Wir verstehen aber erst wenige Worte jener fremden Sprache, mit der ihn die Evolution in Jahrmillionen beschrieben hat.

Als Sinnbild dieser Situation präsentiert das IMB eine black box der besonderen Art. Ihr "schwarzer Kasten" ist die multimediale Installation "HUGO" der Dresdner Künstler Frank Hellwig und Steffen Fischer. Im Verlauf von 24 Tagen, vom 2. bis 25 April, werden non-stop im Foyer des Instituts auf dem Beutenberg Campus die Sequenzen aller menschlichen Chromosomen visuell und akustisch dargestellt.

Während dieser Zeit sind die am Projekt Beteiligten und alle Interessierten eingeladen, in den "Cubus mysticus" einzutreten. Sie werden so erahnen, über welche gigantischen Informationsressourcen jede Zelle des eigenen Körpers verfügt. Sie vermögen zu würdigen, welche Arbeit bei deren Entzifferung geleistet wurde, und sie können ermessen, welche Anstrengungen noch vor uns liegen, wollen wir diesen Text verstehen.

Das Foyer des IMB hat seine Pforten in der Zeit von 9 bis 16 Uhr geöffnet für alle interessierten Besucher.

Arbeit für morgen
Künftig arbeitet die Abteilung Genomanalyse des IMB im Rahmen des Deutschen-Human-Genom-Projekts und des Nationalen Genom-Forschungsnetzes an der vertiefenden Analyse der menschlichen Chromosomen 8, 21 und X. Dazu werden medizinisch relevante Regionen vergleichend in den Genomen von Maus, Ratte und Schimpanse untersucht.

Weitere Schwerpunkte sind die Erforschung von genetischen Grundlagen polygener Erkrankungen, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen und extremes Übergewicht, die Sequenzanalyse des Schleimpilzes Dictyostelium sowie die Identifikation von Virulenzgenen der humanpathogenen Mikroorganismen Borrelia und Legionella. Mitarbeiter der Abteilung sind auch an lokalen wissenschaftlichen Netzwerken, dem Sonderforschungsbereich "Multifunktionelle Proteinkomplexe" der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Jenaer Centrum für Bioinformatik, beteiligt.

Das IMB wird sich in Zukunft auf die Erforschung von multifaktoriellen Erkrankungen und Alterungsprozessen konzentrieren.

Heidrun Lekscha | idw
Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/genome/guide/human

Weitere Berichte zu: Biologie Chromosom Genom IMB Sequenzierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie