Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Asseln gibt es nicht nur im Keller: Ergebnisse der RUB-Expedition ins Angola-Becken

06.03.2003


Ein Exemplar der Gattung Haploniscus nondescriptus, die RUB-Forscher bei ihrer Expedition ins Angola-Becken fanden


Das Männchen der Gattung "Haploniscus nondescriptus" ist - entgegen seinem Namen - erstmals zoologisch vollständig beschrieben. Als eines der zentralen Ergebnisse ihrer Diplomarbeit "Artenvielfalt der Haploniscidae (Crustacea: Isopoda) in der Tiefsee des Angola-Beckens" konnte Dipl.-Biol. Wiebke Brökeland z.B. Besonderheiten an den Antennen des Männchens und Unterschiede im Körperbau zwischen den Geschlechtern nachweisen. Mit ihrer Arbeit vervollständigt die Bochumer Zoologin das Wissen um die Meeresasseln, einem Unterstamm der Krebse. Dafür erhielt sie als beste Absolventin der Fakultät für Biologie der RUB den "Preis für Studierende 2002". Betreuer der Arbeit war Prof. Dr. Johann Wägele (Lehrstuhl für Spezielle Zoologie), die die Expedition ins Angola Becken im Jahr 2000 geleitet hatte.


Pioniere der Forschung

Die Gruppe der Haploniscidae besitzt wenige Gemeinsamkeiten und dient deshalb als Sammelgruppe für alle Arten, die sich nicht in eine der übrigen Gruppen einordnen lassen. Wiebke Brökeland leistet mit ihrer Diplomarbeit einen Beitrag, die Gattung Haploniscus zu kategorisieren. Für ihre Arbeit konnte sie auf die Ergebnisse der Tiefsee-Expedition "DIVA 1" unter der Leitung von Prof. Wägele zurückgreifen. In Zusammenarbeit mit dem Senkenberg-Institut in Frankfurt am Main sowie mit in- und ausländischen Universitäten hatten die Forscher um Wägele im Juli und August 2000 das Angola Becken im Südatlantik untersucht. Dabei kam erstmals der in Bochum entwickelte "Epibenthos-Tiefseeschlitten" zum Einsatz: Er besteht aus einem Käfig mit Fangklappen, der am Meeresboden lebende, zerbrechliche Kleinstlebewesen einsammelt.


Leben in der Tiefe

Zu diesen Organismen gehören auch die Haploniscidae, die bisher nicht vollständig erforscht sind. Sie leben in der Tiefsee auf dem Meeresgrund in 30 cm tiefen Sedimentschichten und sind von der geringen Nahrung abhängig, die sie durch die Strömung erhalten oder die von der Meeresoberfläche herabfällt. Die Temperatur auf dem Meeresboden beträgt nur zwei Grad Celsius.

Überraschendes Detail

Wiebke Brökeland untersuchte die Haploniscidae unter dem Mikroskop, zeichnete sie und präparierte schließlich ihre Körperanhänge. Damit beschrieb sie erstmals das Männchen von Haploniscus nondescriptus vollständig mit allen Anhängen. Sie entdeckte u.a. eine Besonderheit an der für Krebse charakteristischen zweiten Antenne am Kopf: Bei Haploniscidae bestehen ihre Grundglieder aus dreieckigen Schuppen. Von "Haploniscus spinifer", einer weiteren Haploniscidae-Art, wurden sowohl Männchen als auch Weibchen gefunden. Brökeland entdeckte bisher unbekannte Details in den Körperanhängen und beim Körperbau. Beim Männchen sind die sog. "Pleotelsonspitzen", Anhänge im hinteren Teil des Körpers, deutlich länger als beim Weibchen, die zweiten Antennen sind kräftiger und die Spitze der ersten Antenne ist viergliedrig. Das Weibchen besitzt nur dreigliedrige Antennen. Diese Unterschiede weisen auf einen unterschiedlichen Körperbau hin (Sexualdimorphismus), der bei dieser Art besonders ausgeprägt ist.

Weitere Informationen

Wiebke Brökeland, Universität Hamburg, Zoologisches Institut und Museum, Tel. 040/428383924, E-Mail: wbroekeland@zimserver.biologie.uni-hamburg.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Angola-Becken Antenne Haploniscidae Männchen Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität
25.04.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Wehrhaft gegen aggressiven Sauerstoff - Metalloxid-Nickelschaum-Elektroden in der Wasseraufspaltung
25.04.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

25.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung