Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Wissenschaftler erforschen adulte Zellen mit Stammzelleigenschaften

13.02.2003


Hoffnung auf klinischen Einsatz ethisch und gesetzlich unbedenklicher Stammzellen



Professor Fred Fändrich, Professor Bernd Kremer und Dr. Maren Ruhnke vom Universitätsklinikum in Kiel haben in mehrjähriger Forschungsarbeit in verschiedenen Tierspezies zwei Arten von adulten Zellen mit Stammzelleigenschaften generiert, die in tierexperimentellen Untersuchungen einerseits die Fähigkeit besitzen, eine Organabstoßung nach Transplantation ohne medikamentöse Immunsuppression zu verhindern und sich andererseits zu verschiedenen Körperzellen programmieren lassen.



Vorversuche der Forschergruppe konnten zeigen, dass embryonale Rattenstammzellen in der Lage sind, eine Organabstoßung nach Transplantation zu verhindern (Fändrich, F., et al. Nat Med 8:171, 2002). Die Züchtung von Zellen verschiedener Organe aus embryonalen Stammzellen wurde schon häufig beschrieben.

Die großen Erwartungen, die in den Einsatz embryonaler Stammzellen zur Therapie von Stoffwechsel-, degenerativen und malignen Erkrankungen derzeit gesetzt werden, stoßen jedoch gerade hinsichtlich der Anwendung und Gewinnung embryonaler Stammzellen aus ethischer Sicht in Deutschland auf manifeste Kritik und erhebliche gesetzliche Einschränkung. Daher und auch aus Mangel an embryonalen Stammzellen würde der Einsatz adulter Stammzellen, die aus jedem Individuum generiert werden könnten, von großem Vorteil sein.

Die bisherigen Untersuchungen in Tierexperimenten und unter Kulturbedingungen mit den generierten adulten Zellen könnten einen alternativen Weg darstellen, diese als zelltherapeutische Verfahren zukünftig klinisch einzusetzen. Um die weitere Forschung und klinische Erprobung besser vorantreiben zu können, wurde eine Kooperation mit der Firma Fresenius ProServe eingegangen und eine gemeinsame Firma (Blasticon) mit Sitz in Kiel gegründet.

Die Zusammenarbeit der Firma Blasticon mit dem Universitätsklinikum in Kiel ist über einen Forschungs- und Entwicklungsvertrag geregelt. Dabei entsteht ein Kompetenzzentrum Transplantationsmedizin und Biotechnologie mit einer durch die Firma Fresenius finanzierten Stiftungsprofessur.

"Das Projekt ist ein weiterer Beleg für die hervorragende Qualität und Innovationsfähigkeit der Biomedizinischen Forschung in Schleswig-Holstein. Es unterstreicht Engagement und Exzellenz des Universitätsklinikums und seiner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler", sagte Wissenschaftsministerin Ute Erdsiek-Rave. Diese Form von erfolgreichem Technologietransfer sei beispielhaft für die Kooperation von Hochschulen und Wirtschaft.
Das Land, die Universität Kiel und Fresenius ProServe werden für dieses Projekt eine auf sechs Jahre angelegte C4-Stiftungsprofessur einrichten.

Wissenschaftsministerin Erdsiek-Rave: "Das Projekt in der vorgestellten Konstruktion zeigt beispielhaft auf, wie der lange und oft sehr schwer finanzierbare Weg von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung durch partnerschaftliche Aufgabenteilung zwischen Land, Industrie und Forschergruppe zielorientiert in Angriff genommen werden kann."

"Der Aufbau eines derartigen biomedizinischen Kompetenzzentrums am Universitätsklinikum in Kiel ist ein Meilenstein für den Biotechnologie-Standort und für die Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein", sagte Dr. Bernd Rohwer, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Die Kombination von exzellenten wissenschaftlichen Kompetenzen auf biomedizinischem Gebiet und industriellem Know-how könnte nach erfolgreicher Umsetzung der gestellten Ziele mit Entwicklung langfristig vermarktungsfähiger Produkte zu einer signifikanten Steigerung der Bedeutung des Standorts in Schleswig-Holstein führen.

Das Kompetenzzentrum werde vom Wirtschaftsministerium mit 495.000 Euro aus Mitteln der Technologieförderung unterstützt, so Rohwer. Der Minister lobte das Engagement der privaten Wirtschaft bei dem Projekt: "Das ist die Tatkraft, die Schleswig-Holsteins Wirtschaft braucht, um wieder in Schwung zu kommen."

Die Biotechnologie mit ihrer Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten sorge nicht nur für steigende Lebensqualität der Menschen, sondern berge auch ein gewaltiges Potenzial an wirtschaftlichen Umsetzungsmöglichkeiten, sagte der Minister. Mit rund 20 Unternehmensgründungen im Land in den vergangen Jahren sei die Biotechnologie eine bedeutende Zukunftsbranche.

Professor Bernd Kremer betonte, dass gerade qualifizierte Wissenschaftler aufgrund des internationalen Wettbewerbs attraktive ausländische Angebote erhalten. Die hier von der Investitionsbank koordinierte Projektzusammenarbeit aus Aktivitäten des Landes, des Bundes, der Fakultät und der Industrie hat es der Forschergruppe ermöglicht, ihre Tätigkeit hier in Kiel fortzusetzen und entsprechende Berufungen abzulehnen.

"Das vorgestellte Projekt mit exzellenter Forschung einerseits und der gebündelten Projektkoordination von Aktivitäten des Landes, des Bundes und der Industrie andererseits macht überzeugend deutlich, wie eine exzellente Universität durch Zusammenarbeit von Forschungsgruppen und Industrie mit dem Ziel der Ausgründung von Firmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Die Tatsache, dass dies schon die zweite Ausgründung allein aus der chirurgischen Uni-Klinik in den letzten fünf Jahren ist, unterstreicht eindrucksvoll die wirtschaftliche Bedeutung der Christian-Albrechts-Universität für den Standort Kiel", betonte der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, Dr. Fritz Süverkrüp.

Lutz Koopmann, Sprecher der Geschäftsleitung der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB) sagte: "Dem Projektmanagement der IB ist es gelungen, dieses komplexe Projekt aktiv zu strukturieren und gebündelt zu koordinieren. Die IB als Strukturbank bietet mit ihrem Projektmanagement ein zusätzliches wichtiges Förderinstrument für den Standort Schleswig-Holstein".


Verantwortlich für diesen Pressetext:
Birgit Rapior, Investitionsbank Schleswig-Holstein
Tel. (0431) 900-3448, Fax (0431) 900-3344,E-Mail birgit.rapior@ib-sh.de

Jens Oldenburg, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur
Tel: 0431/988-5805, Fax: 0431/988-5815, E-Mail: Jens.Oldenburg@kumi.landsh.de

Christa Häckel, Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr
Tel: 0431/988-4420, Fax: 0431/988-4705, E-Mail: pressestelle@wimi.landsh.de

Susanne Schuck | idw

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Kompetenzzentrum Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften