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Bringen uns Viren um das tägliche Brot?

17.08.2000


Dunkle Wolken über Deutschlands

Roggenfeldern: Pflanzenviren bedrohen die Erträge (Foto: M.

Welling)


Typisches Schadbild im frühen Roggenbestand

(Foto: W. Huth)

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Pflanzenvirologe warnt vor massiver Beeinträchtigung des Roggen- und Weizenanbaus

In einigen Roggenanbaugebieten Deutschlands kann das langstielige Getreide nur noch bedingt angebaut werden. Die Felder sind vollständig mit zwei Arten von Pflanzenviren verseucht, die den Getreideertrag massiv drücken. Dr. Winfried Huth, Virologe am Institut für Pflanzenvirologie, Mikrobiologie und biologische Sicherheit der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig, hat die Ausbreitung der beiden im Boden vorkommenden Viren seit Ende der 80er Jahre kontinuierlich verfolgt. "Die Erträge befallener Roggenpflanzen werden um etwa die Hälfte vermindert," berichtet der Wissenschaftler. Schlimmer noch: "Die weitere Ausbreitung der Viren auf andere Regionen ist nicht aufzuhalten."

Zu dieser Einschätzung kommt der Experte aus den Erfahrungen mit einer anderen Virusgruppe, den Gelbmosaik-Viren der Gerste. Erstmalig 1977 in wenigen, weit voneinander entfernt liegenden Feldern entdeckt, haben sie sich heute auf die meisten europäischen Anbaugebiete für Wintergerste ausgebreitet. Der Gerstenanbau kam nur deshalb nicht zum Erliegen, weil einige Sorten resistent gegen die Erreger waren und diese Eigenschaft in andere Sorten eingekreuzt werden konnte. Im jetzigen Fall ist der BBA-Wissenschaftler nicht so optimistisch. "Eine Resistenzzüchtung, wie sie gegenüber den Gelbmosaikviren möglich war, wird im vorliegenden Fall dadurch erschwert, dass der Resistenz gegenüber den beiden unterschiedlichen Viren möglicherweise auch unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen", schreibt er in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift ’Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes’, Heft 8/2000.

Nicht nur im Roggen verursachen die beiden Pflanzenviren, die meist gemeinsam im Boden vorkommen, massive Probleme. Auch der Weizen - bei uns das mit Abstand häufigste Getreide - ist betroffen. Hier rechnet Winfried Huth mit Ertragsausfällen, die je nach Sorte bis zu 70 % betragen können. Bislang sind Weizenpflanzen in Deutschland, anders als in anderen europäischen Ländern, nur vereinzelt betroffen. Einen der Gründe dafür sieht der Virologe in dem relativ späten Saattermin im Herbst: "Die Viren werden von einem Pilz, Polymyxa graminis, übertragen. Bei höheren Temperaturen im September/Oktober ist dieser mobiler als im Spätherbst." Huth sieht deshalb auch den bei uns zu beobachtenden Trend, den Saattermin für Winterweizen vorzuverlegen, mit Sorge. In Ländern wie Italien, Frankreich und Polen, so gibt er zu bedenken, befallen die Viren vor allem Weizen.

Seit mehreren Jahren erforscht das BBA-Institut jetzt schon das Ausbreitungsverhalten der beiden Viren und sucht darüber hinaus nach Weizen- und Roggenpflanzen mit Resistenzeigenschaften - bisher ohne größeren Erfolg. Die Ausbreitung der beiden Viren ist weder durch chemische noch durch ackerbauliche Maßnahmen aufzuhalten, weiß Huth. Die europäische Landwirtschaft wird sich auf eine zunehmende und permanente Gefährdung der Weizen- und Roggenkulturen einstellen müssen.

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Nähere Informationen erteilt: Dr. Winfried Huth, BBA, Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig, Tel.: 0531 / 299-3710.

Der Artikel "Im Getreidebau in Deutschland und in Europa wird eines der größten phytopathologischen Probleme erwartet: die bodenbürtigen Viren des Weizens und Roggens" ist erschienen im Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes, 8/2000, S. 196-198.

Um Belegexemplar wird gebeten

Dr. Michael Welling |

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