Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologisch abbaubare Chlorphenole im Kampf gegen Pilze und Bakterien

28.01.2003


Was Lilien können, können wir auch
Umweltfreundliche Biozide aus natürlichen und synthetischen Quellen


4-Chlor-3-methylphenol (p-Chlor-m-kresol) ist bereits seit Jahrzehnten als gut wirksames Biozid auf dem Markt. Bayer Chemicals, ein Unternehmensbereich der Bayer AG, produziert und vertreibt diese Verbindung unter dem Handelsnamen Preventol® CMK, z.B. für den Einsatz in Krankenhaus-Desinfektionsmitteln oder als konservierender Zusatz für Rohleder, Leime/Klebstoffe sowie diverse Bauhilfsstoffe.

Doch nicht nur der Mensch nutzt die mikrobizide Wirkung der Chlorphenole, die - in subletalen Konzentrationen - biologisch gut abbaubar und damit umweltverträglich sind. Auch höhere Pflanzen, so die in Japan heimische Lilie Lilium maximowiczii, schützen sich mit Chlorphenolen. Diese Befunde interessierten die Bayer-Forscher. Sie wollten herausfinden, wie gut die natürlichen Biozide nach ihrem Einsatz abgebaut werden, und das im Vergleich zu dem strukturell verwandten, synthetischen Chlorkresol Preventol® CMK.

Entdeckt wurden die ungewöhnlichen Pflanzeninhaltsstoffe 1998 von einem Forscherteam unter der Leitung der japanischen Wissenschaftler Mitsuo Takasugi und Kenji Monde an der Hokkaido University, Sapporo (J. Nat. Prod. 61 [1998] 913-921). Sie stellten fest, dass die in Japan vorkommende, essbare Lilienart Lilium leichtlinii var. maximowiczii auf einen Befall durch bestimmte Bodenschimmelpilze mit der Synthese von Chlorphenolen reagiert. Diese entstehen im Stoffwechsel der Pflanze aus Orcinol (3,5-Dihydroxytoluol) und werden dort - wenn der Pilzbefall überwunden ist - relativ rasch wieder abgebaut.

Die chlorierten Orcinole aus der Lilie, beispielsweise 2,4,6-Trichlor-3,5-dihydroxytoluol und 2,4,6-Trichlor-3-methoxy-5-hydroxytoluol, wirken gegen gram-negative Bakterien und Pilze und sind hier ähnlich aktiv wie Preventol® CMK. Letzteres zeigt allerdings ein umfassenderes Wirkspektrum.

In sogenannten "Closed Bottle"-Tests ermittelten die Bayer-Forscher, ob diese Substanzen unter kontrollierten Bedingungen biologisch abgebaut werden. Die Trichlororcinolderivate aus der Lilie waren z.B. nach 28 Tagen erst zu 17 bzw. 44 Prozent abgebaut, was etwa den Anforderungen des heute üblichen OECD-Tests nur bedingt entspräche.

Im Vergleich dazu wird Preventol® CMK in nur 20 Tagen zu 85-90 Prozent abgebaut und genügt damit voll den OECD-Richtlinien. In Gegenwart natürlicher Bakterien aus Rheinwasser sinken Anfangskonzentrationen von Preventol® CMK bis zu 100 ppm innerhalb von 1-2 Wochen unter die Nachweisgrenze ab. Ähnliche Abbauraten wurden auch in Gegenwart aerober Mikroorganismen, etwa Oligella urolytica oder Moraxella, gemessen.

Preventol® CMK stellt also - bei vergleichbarer Wirksamkeit - die biologisch besser abbaubare Alternative zu den chlorierten Stoffwechselprodukten aus der japanischen Lilie dar.

"Warum die Lilie nicht besser den Preventol® CMK-Inhaltsstoff 4-Chlor-3-methylphenol synthetisiert, konnten wir natürlich nicht klären. Vielleicht sind wir ja der Evolution einen Schritt voraus", bemerkte Dr. Otto Exner, Leiter des Technischen Kompetenz Centers Material Protection bei Bayer Chemicals, abschließend scherzhaft.

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation enthält bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die wir in Berichten an die Frankfurter Wertpapierbörse sowie die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde (inkl. Form 20-F) beschrieben haben. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen

| BayNews

Weitere Berichte zu: Bakterium Biozid CMK Chlorphenole Preventol®

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie