Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Fledermausart auf Sardinien entdeckt - Sardisches Langohr gilt als besonders schützenswert

27.01.2003


Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben zusammen mit italienischen Kollegen eine neue Fledermausart auf Sardinien entdeckt: Das "sardische Langohr". Damit sind jetzt fünf Langohr-Fledermäuse in Europa bekannt. Bestimmung gelang durch morphologische und genetische Untersuchungen.



Das "sardische Langohr" unterscheidet sich deutlich von den vier anderen Langohr-Fledermäusen in Europa durch die auffallende Länge des Ohrdeckels, das ist eine steife Hautfalte in der Ohrmuschelöffnung, und durch die besondere Form des Penisknochens beim männlichen Tier. Diese äußeren Merkmale ergeben in Verbindung mit dem Ergebnis neuer molekularbiologischer Methoden, die Unterschiede in der Erbsubstanz aufzeigen konnten, ein eindeutiges Bild von der neuen Fledermausart. Außerdem entdeckten die Forscher auf Sardinien eine bislang unbekannte Unterart des in Europa überall verbreiteten Braunen Langohrs. "Die Existenz dieser beiden Fledermausarten, die nur auf Sardinien vorkommen, zeigt die große Bedeutung der Insel für die Erhaltung der europäischen Fledermaus-Population", heißt es in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung der Forschergruppe in der Fachzeitschrift "Acta Chiropterologica" (Acta Chiropterologica, 4(2): 121-135, 2002).



"Die Population des sardischen Langohrs scheint nicht so klein zu sein. Weil es aber nur auf Sardinien vorkommt, ist es hochgradig schützenswert und wird auf der Roten Liste der in Europa schützenswerten Arten ganz nach oben kommen", erklärte Andreas Kiefer zu der Entdeckung. Er und Michael Veith vom Institut für Zoologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Mauro Mucedda und Ermanno Pidinchedda vom Zentrum für die Beobachtung und den Schutz der Fledermäuse auf Sardinien haben die neue Art mit dem wissenschaftlichen Namen "Plecotus sardus" an drei stark bewaldeten Stellen auf Sardinien gefunden - teilweise in Gebieten mit zahlreichen natürlichen Höhlen, die den Tieren auch zur Überwinterung dienen. "Es wäre nicht verwunderlich, wenn wir auf Sardinien noch weitere Arten finden", sagte Kiefer. "Was die Fledermaus-Fauna auf der Insel betrifft, stehen wir im Grunde noch am Anfang unseres Wissens."

Der Mainzer Fledermausforscher war im Sommer 2002 in den Alpen schon einmal auf eine neue Art der Gattung der Langohren gestoßen: das Alpenlangohr kommt in Höhenlagen vor und fällt durch sein weißes und langes Fell am Bauch auf.
Überhaupt sind gerade in den letzten Jahren einige Fledermausarten neu entdeckt worden. Seit Mitte der 90er Jahre helfen molekularbiologische Methoden bei der Aufdeckung der Spezies. Die Aufschlüsselung von DNA-Sequenzen ermöglicht in Verbindung mit der morphologischen Bestimmung, Unterschiede zu bereits bekannten Arten eindeutiger als zuvor aufzudecken. Auf diese Weise konnten Forscher 1996 eine neue Zwergfledermausart und 2001 eine neue Bartfledermausart ausfindig machen. Insgesamt werden in Deutschland derzeit 24 Arten und in Europa rund 40 Fledermausarten gezählt - darunter nunmehr fünf Arten der Gattung Langohr. Unter anderem wegen der Bedrohung ihres natürlichen Lebensraumes stehen Fledermäuse, die als einzige Säugetiergruppe geschickt fliegen können, in Europa unter Naturschutz.


Kontakt und Informationen:
Andreas Kiefer
Institut für Zoologie
Abteilung Ökologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131/39-23941
E-Mail: kiwi@oekologie.biologie.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw

Weitere Berichte zu: Fledermaus Fledermausart Langohr Sardinien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium
07.12.2016 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie