Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stoffwechsel von Malariamücke und Fruchtfliege unterscheidet sich von dem anderer Organismen

25.01.2001


Wissenschaftler des Heidelberger Sonderforschungsbereichs "Kontrolle Tropischer Infektionskrankheiten" um Prof. Heiner Schirmer und Prof. Katja Becker-Brandenburg beschreiben ihre Forschungsergebnisse in der nächsten
Ausgabe von "Science"

Wie Wissenschaftler des Heidelberger Sonderforschungsbereichs "Kontrolle Tropischer Infektionskrankheiten" nachgewiesen haben, unterscheidet sich der Stoffwechsel der Malariamücke Anopheles gambiae und der Fruchtfliege Drosophila melanogaster grundlegend von dem anderer Organismen, und zwar in der Abwehr von oxidativem Stress. (S. Kanzok, A. Fechner et al. Substitution of the Thioredoxin System for Glutathione Reductase in Drosophila melanogaster. Science, issue of January 26, 2001).

Der atmosphärische Sauerstoff ist für viele Organismen eine beispiellose Bereicherung ihres Energiehaushalts, stellt aber zugleich eine Bedrohung ihrer Integrität dar. Diese Bedrohung beruht auf toxischen Sauerstoff-Verbindungen (reactive oxygen species, ROS), die alle lebenswichtigen Zellkomponenten wie DNA, Lipide und Proteine schädigen können. Beim Menschen sind die ROS an Entstehung und Verlauf von Infektionskrankheiten, Tumorleiden und neurodegenerativen Erkrankungen (Morbus Alzheimer, Parkinson-Krankheit), aber auch am Alterungsprozess selbst beteiligt.

Die Forschergruppen um Prof. Heiner Schirmer im Biochemiezentrum der Universität Heidelberg und Prof. Katja Becker-Brandenburg - jetzt am Interdisziplinären Forschungszentrum für Umweltsicherung der Universität Gießen - befassen sich mit der Charakterisierung von antioxidativen Enzymen, die den Schutz von Zellen und Organismen vor toxischen Sauerstoffverbindungen (ROS) gewährleisten.

Die Fruchtfliege stellt dabei den wichtigsten genetischen Modellorganismen dar; die Entzifferung des gesamten Genoms von Drosophila wurde vor einem Jahr durch Craig Venter publiziert. Computergestützte Genomanalysen sowie biochemische Experimente der Heidelberger Gruppe haben nun ergeben, dass Drosophila - und wahrscheinlich allen Insekten - das wichtigste antioxidative Enzym, die Glutathionreduktase, fehlt. Das Fehlen dieses Enzyms kompensieren die Insekten durch ein anderes Schutzsystem, das Thioredoxinsystem, das sich aus einem Enzym, der Thioredoxinreduktase, und einem kleinen Protein, dem Thioredoxin, zusammensetzt.

Diese Forschungsarbeiten veranschaulichen den Nutzen von Genomprojekten. So kann nun auch das Fehlen einer bestimmten genetischen Information und damit einer biologischen Funktion sicher nachgewiesen werden und zu wertvollen Erkenntnissen führen. Die entdeckten Unterschiede zwischen Insekten, von Insekten übertragenen Krankheitserregern und Säugetieren werden unser Verständnis vom Alterungsprozess beeinflussen, aber auch die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Parasiten und Krebserkrankungen erleichtern.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Heiner Schirmer
Universität Heidelberg (Biochemie-Zentrum Heidelberg)
Tel. 544165 oder 544175, Fax 545586 
heiner.schirmer@gmx.de

oder
Dr. Michael Schwarz, Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317 
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw

Weitere Berichte zu: Drosophila Enzym Fruchtfliege Insekt Malariamücke Organismus ROS Stoffwechsel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie