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Präzise, biochemische Drogenfahndung

20.11.2002


In Blut, Urin oder Haaren können Drogen und Betäubungsmittel im Speziallabor mit verschiedenen etablierten Verfahren innerhalb von Stunden oder Tagen nachgewiesen werden. Im Notfall, wie bei Vergiftungen und Verhaftungen, bleibt oft jedoch keine Zeit, das Laborergebnis abzuwarten. Hilfreich sind für Notärzte und Polizei daher Schnelltests: Teststreifen zeigen rasch an, ob und welche Betäubungsmittel konsumiert wurden. Doch leider sind deren Zuverlässigkeit und Empfindlichkeit gering.



Deshalb schlagen Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT und den Projektpartnern EnviteC und EKF Diagnostic vor, ein auf Biochips basierendes Verfahren zu etablieren. Damit überzeugten sie die Jury des diesjährigen »Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik«. Nun erhalten sie die notwendigen finanziellen Mittel, um innerhalb der kommenden zwei Jahre ihr neues Testverfahren zu erproben, das Betäubungsmittel schon in geringsten Mengen aus Speichelproben schnell und sicher erkennen kann.



»Unsere Messlatte ist delta9-THC«, weiß Dr. Frank Bier, Leiter der Abteilung Molekulare Bioanalytik und Bioelektronik am IBMT. »Dieser psychogene Wirkstoff des Cannabis ist in Speichelproben extrem schwer nachweisbar, denn die Substanz ist nahezu wasserunlöslich und neigt sehr dazu, an Oberflächen von Analysegeräten zu haften.« Die von den Forschern mit ihrem Verfahren angestrebte Nachweiskonzentration beträgt vier Nanogramm des Cannabinoids pro Milliliter Speichel. Dies bedeutet bildhaft, eine Stecknadel in einem Haufen aus über vier Milliarden Strohhalmen zu finden. Seriöser gesprochen ist es ein Grenzwert der US-amerikanischen Behörde Substance Abuse and Mental Health Service Administration.

Nachgewiesen werden sollen solch geringe Mengen mithilfe von Antikörpern und Nanopartikeln auf dem Biochip. Sie fixieren THC-Moleküle in ausreichender Menge. Ein mobiles Lesegerät erkennt dann, ob und wie viel des gesuchten Wirkstoffs die Probe enthält. Neben seiner hohen Empfindlichkeit verspricht das Biochipsystem weitere Vorteile: Anders als mit den heute üblichen Teststreifen, kann in den Proben nach bis zu hundert verschiedenen Wirksubstanzen oder Betäubungsmitteln gleichzeitig gefahndet werden.

Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
PD Dr. Frank F. Bier und
Dr. Nenad Gajovic-Eichelmann
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Bergholz-Rehbrücke
Telefon 03 32 00 / 88-3 50
Fax -4 52

EnviteC-Wismar GmbH
Dr. Stephan Fellner
Alter Holzhafen 18
23966 Wismar
Telefon 0 38 41 / 3 60-3 04, Fax -2 22

EKF Diagnostic
Dr. Christa Dumschat
Ebendorfer Chaussee 3
39179 Barleben
Telefon 03 92 03 / 7 85-20
Fax -16

Dr. Johannes Ehrlenspiel | Fraunhofer-Gesellschaft

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