Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rekombinante Antikörper eröffnen neue Dimensionen für die Wirkstoffforschung

04.11.2002


Das immense Potenzial menschlicher Antikörper macht Prof. Stefan Dübel von der Technischen Universität Braunschweig für die Entwicklung neuer Heilmethoden nutzbar.



Jeder menschliche Körper verfügt über eine kaum vorstellbare Zahl von unterschiedlichen Antikörpern. Von Natur aus für die Abwehr unbekannter Infektionen erschaffen, können sie beinahe jedes Molekül, dass von außen in den Körper eindringt, binden und dadurch unschädlich machen. Wissenschaftler versuchen seit langem, sich dieses faszinierende natürliche Potenzial für die Entwicklung von Heilmethoden zu Nutze zu machen.

... mehr zu:
»Antikörper »Heilmethode


Es ist bereits möglich, durch die Imitation des menschlichen Immunsystems Antikörper mit ganz neuen Eigenschaften oder mit Kombinationen bisheriger Vorteile zu konstruieren. Doch bislang konnten nur wenige Medikamente bis zum klinischen Einsatz gebracht werden. Der Grund: Die Proteine wurden in nicht-menschlichem Gewebe gezüchtet und von der Immunabwehr des Patienten daher selbst als körperfremd bekämpft.

Ein Forscherteam um Prof. Stefan Dübel, den die Technische Universität Braunschweig zum 1. Oktober 2002 an das traditionsreiche Institut für Biochemie und Biotechnologie berufen konnte, hat hier einen Durchbruch erzielt. Der Arbeitsgruppe ist es während der Tätigkeit in Heidelberg gelungen, neuartige Antikörper zu erzeugen, die zu 100 Prozent als menschliche Proteine gelten können, nicht abgestoßen werden und nicht zu den üblichen Nebenwirkungen führen. Diese so genannten rekombinanten Antiköper weisen noch weitere Vorteile auf: Sie können ohne Tierversuche und aus einer kleinen menschlichen Blutprobe oder sogar synthetisch erzeugt und preiswert konstruiert werden. Mehr noch: Bei Anwendungsreife werden sie zukünftig gegen eine Vielzahl von gesundheitsgefährdenden oder gar hoch giftigen Substanzen zum Einsatz kommen können. Da sie speziell und zielgerecht entworfen werden, können sie sogar um vieles wirksamer sein als ihre natürlichen "Artgenossen".

"In unserer Arbeit gleichen wir den Ingenieuren", so Prof. Dübel, "wir konstruieren mit modernen Technologien neue Werkzeuge, nur in viel kleineren Dimensionen. Unsere Werkstoffe sind die Bausteine des Lebens."

Die Methode, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Breitling entwickelt hat, nennt sich "Antikörper-Phagendisplay". Dafür werden aus den relevanten Zellen nur die Antikörper selbst und die für sie verantwortliche Gensequenz in so genannten Phagen kloniert. Viele Millionen verschiedener Phagen können gleichzeitig auf ihre Wirksamkeit gegen Substanzen getestet werden. Dass dies der modernen Medizin ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hat, ist offensichtlich. Insbesondere als Passiv-Impfstoffe gegen infektiöse Erkrankungen werden die Antikörper zum Einsatz kommen. "Viele der Anwendungen, die auf dieser Technologie beruhen, sind bisher noch Zukunftsvisionen. Nur wenige sind Antikörper-Medikamente sind schon jetzt auf dem Markt, die meisten solcher Wirkstoffe werden noch Jahre brauchen, um in die klinische Anwendung zu gelangen.", so Prof. Dübel.

Aber die Forscher denken noch weiter: Biochips, so genannte "Microarrays", werden auf Basis der Phagendisplay-Methode tausende von verschiedenen Stoffen aus einer Zelle gleichzeitig messen und damit ein ganzheitliches Bild biochemischer Prozesse innerhalb kurzer Zeit ermöglichen.

Einen Einblick in das Forschungsspektrum von Prof. Stefan Dübel können Interessierte am

"Tag der Forschung im Biozentrum"
am kommenden Samstag, 9. November 2002, ab 10 Uhr,
Spielmannstraße 7, 38106 Braunschweig,

gewinnen. Dort wird Prof. Dübel um 14.30 Uhr über "Rekombinante Antikörper - Eine molekulare Werkzeugkiste" berichten. Neun weitere Vorträge, Institutsbesichtigungen und Gespräche mit den Wissenschaftlern des Biozentrums stehen auf dem Programm.

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-brauschweig.de/fb4/aktuell
http://www.tu-bs.de/institute/ibb/biotech/BT_deut/Home.htm

Weitere Berichte zu: Antikörper Heilmethode

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise