Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein als "Jungbrunnen"? Klinische Forscher entschlüsseln Funktion von Protein INDY

29.10.2002


Wer weniger isst, lebt länger und gesünder. Das ist für Säugetiere und damit auch für den Menschen nachgewiesen. Aber auch für andere Lebewesen, wie etwa die Fruchtfliege Drosophila, trifft das zu. Noch ist unklar, weshalb das so ist.



Vor zwei Jahren hatten Blanka Rogina und Stephen L. Helfand von der Universität von Connecticut Gesundheitszentrum in Farmington/USA bei der Fruchtfliege erstmals ein Gen entdeckt, das in veränderter (mutierter) Form das Leben um das Doppelte verlängert, ohne Fruchtbarkeit und körperliche Aktivität einzuschränken. Die Auswertung von Genbanken ergab einen Zusammenhang des Gens mit dem Stoffwechsel, wobei die Mutation einen ausgeglicheneren Energiehaushalt zu bewirken schien. Dies vermuteten die Wissenschaftler als Ursache für die verlängerte Lebensdauer der Fruchtfliegen. Sie gaben dem Gen deshalb den makabren Namen "I am not dead yet" (Indy - "Noch bin ich nicht tot"). Wie Indy bzw. sein Produkt, das INDY-Protein, in den Stoffwechsel eingreift, konnten jetzt Felix Knauf von der Franz-Volhard-Klinik für Herz-Keislauf-Erkrankungen (Charité, Humboldt Universität zu Berlin/Helios Kliniken GmbH) und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und Stephen L. Helfand zeigen. Die zusammen mit Peter S. Aronson von der Universität Yale (New Haven, Connecticut) und Blanka Rogina entstandene Arbeit ist jetzt in der renommierten amerikanischen Fachzeitzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, October 29, Vol. 99, No. 22, 2002, http://pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.222531899, online)* erschienen.

... mehr zu:
»Fruchtfliege »Gen »INDY »Protein »Stoffwechsel


Frühere Studien der Gruppe um Stephen L. Helfand hatten gezeigt, dass INDY insbesondere in den Zellen und Organen aktiv ist, die bei der Nahrungsaufnahme, Verwertung und Energiespeicherung eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Zellen des Verdauungstrakts und des Fettkörpers der Fliege, der ähnlich der Leber beim Menschen der Speicherung von Kohlenhydraten dient. Im Labor seines Mentors Peter S. Aronson in Yale schleuste Felix Knauf das Fliegengen in die Eizellen des Krallenfroschs, eines Modellorganismus in der Biologie, wo es das Pro-tein INDY produzierte. Der Wissenschaftler konnte seine in den USA begonnenen Arbeiten in Berlin fortsetzen und es gelang ihm zu zeigen, dass das Protein den Transport von Stoffwechselprodukten übernimmt, insbesondere von Stoffwechselzwischenprodukten im so genannten Krebs-Zyklus. Der Krebs-Zyklus ist entscheidend für den Stoffwechsel, da er Kohlenhydrate, Fett und Eiweiss in Energie umwandelt. Er ist benannt nach seinem Entdecker, dem Medizinnobelpreisträger Sir Hans Adolf Krebs.

"Genetische Diät"

Gemeinsam mit seiner Kollegin Blanka Rogina wies Felix Knauf nach, dass INDY in der dem Blut zugewandten Seite der Plasmamembran von Zellen des Verdauungstraktes und der Membran anderer Stoffwechselorgane vorkommt. Die länger lebenden Fliegen hatten das INDY-Protein verloren, wodurch eine Lücke im Transport und damit in der Verstoffwechslung von Nahrungsstoffen auftritt. Die Fliegen befinden sich quasi in dem Genuß einer "genetischen bedingten Diät". Möglicherweise, so die Wissenschaftler, gelingt es in Zukunft, INDY beim Menschen nachzuweisen. Ein Ziel könnte sein, die Produktion von INDY medikamentös so zu beeinflussen, dass der Mensch ein möglichst langes und gesundes Leben hat.

*Functional characterization and immunolocalization of the transporter encoded by the life-extending gene Indy

Felix Knauf*!, Blanka Rogina§, Zhirong Jiang*, Peter S. Aronson*, and Stephen L. Helfand§

*Department of Internal Medicine, Yale University School of Medicine, New Haven, CT 06520; !Franz Vol-hard Clinic/Helios Kliniken Berlin, Medical Faculty Charité and Max Delbrück Center, and §Department of Genetics and Developmental Biology, School of Medicine, University of Connecticut Health Center, Farmington, CT 06030

Weitere Informationen erhalten Sie von der Pressestelle des
Max-Delbrück-Centrums
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 -38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
E-Mail:presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.222531899
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: Fruchtfliege Gen INDY Protein Stoffwechsel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise