Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilzerreger im Darm gezielt blockieren

29.10.2002


Vergleich der pathogenen und nicht-pathogenen Zellform des Hefepilzes Candida albicans


Preisträger Marc Röhm bei der Verleihung des Hugo-Geiger-Preises auf dem Fest der Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft am 23.10.2002


Den ersten Hugo-Geiger-Preis der Fraunhofer-Gesellschaft hat dieses Jahr der Nachwuchsbiologe Marc Röhm vom Fraunhofer IGB in Stuttgart erhalten.


Röhm hat vier Proteine des krankheitserregenden Pilzes Candida albicans untersucht, die diesem ermöglichen, in Organe einzudringen. Seine Forschungen sind Grundlage für eine neue Generation von Medikamenten, die den Pilz nicht unbedingt abtöten, sondern gezielt blockieren.

Pilzinfektionen werden immer häufiger. Die meisten Infektionen verursacht mittlerweile der Hefepilz Candida albicans. Bei zirka 50 Prozent der Bevölkerung existiert seine harmlose Variante im Darm. Bei Personen, deren Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel bei Krebs- und AIDS-Patienten, kann er jedoch lebensgefährlich werden. Fadenförmige Fortsätze, sogenannte Hyphen, erlauben ihm dann, vom Darm in die Organe zu wandern und aus Immunzellen zu entkommen. Candida albicans kann so die Organe zerstören.


Marc Röhm, Nachwuchsbiologe am Fraunhofer IGB in Stuttgart-Vaihingen, hat nun vier Proteine untersucht, die für die Entwicklung der Hyphen bei Candida albicans verantwortlich sind. Kennt man ihre molekulare Struktur, lassen sich langfristig spezifisch wirkende und verträglichere Medikamente gegen die Pilzinfektion entwickeln, welche die Infektionsmechanismen des Erregers gezielt blockieren. Bisher verwendetete Wirkstoffe töten den Pilz ab oder hemmen sein Wachstum, machen ihn aber gleichzeitig immer resistenter. Darüber hinaus gehen solche Therapien mit schweren Nebenwirkungen einher.

Für seine preisgekrönte Diplomarbeit am Fraunhofer IGB und der Universität Stuttgart hat Marc Röhm die Proteine der Hyphenform mit denen des nicht krankheitserregenden, runden Pilzes verglichen. Vier Proteine, welche nur in der Hyphenform erzeugt werden, hat er ausgewählt und charakterisiert. Durch weitere Vergleiche mit Proteinen, die im menschlichen Körper vorkommen, konnte er ausschließen, dass es ähnliche Proteine im menschlichen Körper gibt. Damit ist gesichert, dass Wirkstoffe, welche die Proteine des Pilzes blockieren sollen, nicht gleichzeitig körpereigene Proteine angreifen und somit Nebenwirkungen erzeugen. Dass die ausgewählten Proteine wesentlich zur Infektion beitragen, konnte Marc Röhm nachweisen, indem er diejenigen Gene, welche die Erbinformation dieser Proteine beinhalten, gezielt ausschaltete: Die so erzeugten Mutanten konnten keine intakten Hyphen produzieren. Somit sind die identifizieren Proteine ideale Ansatzpunkte für eine medikamentöse Blockierung der Infektion.

Marc Röhms Diplomarbeit ist Teil eines Forschungsprojekts zum Proteom von Candida albicans, welchem sich die Nachwuchsforscher-gruppe Proteinscreeningsysteme des Fraunhofer IGB seit 1998 widmet. Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Hans-Jörg Bullinger, hat ihm den Preis am 23. Oktober anlässlich der Jahrestagung der Fraunhofer-Gesellschaft in Ludwigsburg bei Stuttgart überreicht. Marc Röhm ist der vierte Preisträger der Gruppe seit 1999.

Henrike Henschen | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fhg.de/presse

Weitere Berichte zu: Darm Fraunhofer-Gesellschaft Hyphen Infektion Organ Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Seltener Fund aus der Tiefsee
20.02.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Markierung für Krebsstammzellen

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave

20.02.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Die Brücke, die sich dehnen kann

20.02.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics