Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologische Invasionen - Herausforderungen für die Wissenschaft

17.10.2002


Biologische Invasionen sind in den letzten Jahren zum Problem geworden - weltweit. Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, die sich aufgrund menschlicher Mithilfe außerhalb ihrer Entstehungsgebiete ausbreiten, gelten als ein wesentlicher Gefährdungsfaktor der biologischen Vielfalt und als Verursacher von Kosten in Milliardenhöhe.



In der vergangenen Woche trafen sich etwa 100 Bioinvasions-Spezialisten aus 12 Nationen im Umweltforschungszentrum am Standort Halle, um die Herausforderungen der nächsten Jahre für die Wissenschaft in Bezug auf Ursachen und Auswirkungen biologischer Invasionen zu identifizieren.

... mehr zu:
»Invasionen »Naturschutz


Biologische Invasionen sind in den letzten Jahren zum Problem geworden - weltweit. Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, die sich aufgrund menschlicher Mithilfe außerhalb ihrer Entstehungsgebiete ausbreiten, gelten als ein wesentlicher Gefährdungsfaktor der biologischen Vielfalt und als Verursacher von Kosten in Milliardenhöhe.
Hinsichtlich des Stellenwertes dieser Problematik in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung gibt es - bedingt durch die Diskrepanz zwischen arm und reich - erhebliche Unterschiede unter den einzelnen Ländern der Erde.


Unzählige Beispiele auf allen Kontinenten lassen sich finden, welche die Bedeutung biologischer Invasionen deutlich machen: die wirtschaftlichen Schäden der aus Osteuropa nach Nordamerika eingeschleppten gemeinen Zebramuschel werden auf mittlerweile 5 Milliarden Dollar beziffert - man berief eigens ein "National Invasive Species Council" ein, was sich mit den Folgen der Bioinvasionen auseinandersetzt; der in den Viktoriasee (Ostafrika) aus Effektivitätsgründen eingesetzte Nilbarsch hat mehr als hundert einheimische Fischarten ausgerottet und damit die biologische Vielfalt erheblich gemindert, mit ungeklärten Folgen für dieses Ökosystem; im südlichen Afrika belasten eingeführte Kiefern- und Akazien-Arten den bereits angespannten Wasserhalt und gefährden zudem die einzigartige Fynbos-Vegetation.

Dokumentiert werden solche und viele andere Fälle verstärkt seit Anfang der 1980er Jahre, als man die Brisanz dieses Themas erkannte. Die Anfänge invasionsbiologischer Forschung, auch in Deutschland, reichen jedoch weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. In der naturgeschichtlichen Tradition wurden und werden bis heute die Veränderungen der Floren und Faunen durch das Auftreten und die Ausbreitung neuer Arten sehr detailliert registriert.

Arbeiten über ökologische und ökonomische Konsequenzen von Invasionen sind dagegen deutlich seltener. Trotz einiger hervorragender Fallstudien fällt die summarische Einschätzung der Problemlage schwer oder ist weitgehend auf Hypothesen angewiesen.

In Deutschland scheint bislang keine Art durch eine eingeführte Art ausgerottet worden zu sein. Ob dies jedoch auch für Unterarten oder Varietäten gilt, ist bereits fraglich. Sicher ist, dass auch in Deutschland Lebensgemeinschaften in ihrer Zusammensetzung und Struktur erheblich durch die Ausbreitung von Pflanzen und Tieren verändert worden sind. Andere ökosystemare Folgen sind wahrscheinlich, jedoch selbst bei auffälligen Arten noch nicht in Gänze verstanden.

Wissenschaftler aus 12 Nationen berieten in Halle

In der vergangenen Woche trafen sich etwa 100 Bioinvasions-Spezialisten aus 12 Nationen im Umweltforschungszentrum am Standort Halle, um die Herausforderungen der nächsten Jahre für die Wissenschaft in Bezug auf Ursachen und Auswirkungen biologischer Invasionen zu identifizieren.

Die Fachleute referierten die neuesten Erkenntnisse aus Biologie, Biogeografie, Genetik, Wirtschaftswissenschaften und von betroffenen Fachbehörden. Schwerpunkte waren:

(1) Die Analyse biogeografischer Prozesse, die biologischen Invasionen zu Grunde liegen. Dazu gehören Fragen, ob sich Arten in ihren neuen Gebieten genauso verhalten, wie in den alten hinsichtlich der Ansprüche an Boden, Klima oder Parasiten.
(2) Ökologische und evolutionäre Interaktionen: Es wurde aufgezeigt, dass es zu Veränderungen in der Evolution der Arten kommt, die wiederum Auswirkungen auf Wechselbeziehungen zwischen Tieren und Pflanzen haben können.
(3) Marine Invasionen: Insbesondere durch den weltweiten Austausch von Ballastwasser (zur Stabilisierung der Schiffe) mit den darin enthaltenen Arten kommt es zu massivem Austausch von gebietsfremden Arten mit enormen wirtschaftlichen Schäden.
(4) Ökonomische Auswirkungen und Herausforderungen für den Naturschutz. Nur durch die enge Zusammenarbeit von Natur- sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, können die wirtschaftlichen Auswirkungen abgeschätzt und effektive Maßnahmen erarbeitet werden, die durch Fachbehörden des Naturschutzes umgesetzt und ergänzt werden können.

Im Verlauf der Tagung wurde deutlich, dass Europa sowohl durch biologische Invasionen betroffen ist als auch europäische Arten in andere Kontinente ausgewandert sind. Durch die Zunahme von Verkehrs- und Warenströmen im Zuge der fortschreitenden Globalisierung der Märkte wird dieses Phänomen noch weiter zunehmen. Daher ist die wissenschaftliche Kooperation in Ergänzung zu lokalen und regionalen Initiativen notwendig um angemessene rechtliche Rahmenbedingungen zu diesem Problem abzuleiten. Nur durch die effektive Verknüpfung von Wissenschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit wird es möglich sein, negative Auswirkungen biologischer Invasionen auf Gesundheit, Wirtschaft und Umwelt zu minimieren.

Organisiert wurde die Zusammenkunft von der deutschen Arbeitsgemeinschaft NEOBIOTA, die sich als Initiative für theoretische und angewandte Forschung und als Kompetenzzentrum für invasionsbiologische Fragen und damit auch als eine Beratungsstelle für Politik und Gesellschaft versteht. Der Bezugsraum der Arbeitsgemeinschaft NEOBIOTA ist im Kern Mitteleuropa, wobei die internationalen Bezüge angesichts der weltweit organisierten invasionsbiologischen Forschung und Praxis unverzichtbar sind (nähere Informationen unter www.tu-berlin.de/~neobiota).

Fachlicher Ansprechpartner im UFZ:
Dr. Stefan Klotz, Sektion Biozönoseforschung,
Telefon: 0345/5585-301, klotz@halle.ufz.de

Susanne Hufe | ide
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/~neobiota

Weitere Berichte zu: Invasionen Naturschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt
18.06.2018 | Universität Bern

nachricht Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen
18.06.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics