Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hintergrund - Die Berliner Proteinstrukturfabrik

10.10.2002


Die Berliner Proteinstrukturfabrik ist ein vom Bundesforschungsministerium (BMBF) seit 1999 geförderter Leitprojektverbund aus dem Bereich "Diagnose und Therapie mit den Mitteln der Molekularen Medizin". Er erhält für fünf Jahre insgesamt 17 Millionen Euro (33,6 Millionen Mark). Die Proteinstrukturfabrik ist ein Zusammenschluss mehrerer Berliner Einrichtungen des Interdisziplinären Forschungsverbunds Strukturbiologie sowie einer Reihe kleinerer und mittelständischer Biotechnologieunternehmen (KMU´s). Zum rund 40-köpfigen Team der Proteinstrukturfabrik gehören: die Berliner Universitäten, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, das Ressourcenzentrum im Deutschen Humangenomprojekt (RZPD), das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie eine Reihe anderer Einrichtungen der öffentlichen Forschung und KMU´s. Sprecher der Proteinstrukturfabrik ist Prof. Udo Heinemann. Er leitet im MDC die Forschungsgruppe Proteinkristallographie.



Aufgabe der Proteinstrukturfabrik



Die Forscher wollen die dreidimensionalen Strukturen von Proteinen analysieren, die medizinisch von Bedeutung sind. Wie in einer Fabrik sollen die Proteine dabei mit hohem Durchsatz sehr viel schneller und kostengünstiger als das bisher möglich ist, durchleuchtet werden. Dazu haben die Forscher die dafür benötigten Untersuchungstechniken - Röntgenstrukturanalyse sowie magnetische Kernresonanz-Spektroskopie (NMR-Spektroskopie) - automatisiert und standardisiert.

Ziel: Beschleunigung der Medikamentenentwicklung

Die Kenntnis dreidimensionaler Proteinstrukturen beschleunigt nach Ansicht der Forscher die Wirkstoffentwicklung, da sie erlaubt am Computer geeignete Bindungsstellen für Wirkstoffe an einem Protein vorherzusagen. Auf diese Weise können Medikamente im Prinzip so entworfen werden, dass sie genau an diesen zuvor identifizierten Stellen binden. Die strukturelle Beschreibung von Zielmolekülen ("Drug Targets") kann so Grundlage für die gezielte Medikamentenentwicklung sein.

ingebunden in die Genomforschung

Die Proteinstrukturfabrik arbeitet eng mit dem Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) zusammen. Sie versucht, über die Proteine die Funktion der Gene zu entschlüsseln, deren Bausteine bereits identifiziert sind. Eine große Zahl der Therapien, die heute schon bekannt oder auch erst entwickelt werden, setzt an Proteinen und damit an Genprodukten an. Die in der Proteinstrukturfabrik angestrebte breite, strukturelle und biophysikalische Charakterisierung von Proteinen bietet daher die Chance, die Genomforschung auch für eine gezieltere Wirkstoffentwicklung zu nutzen.

Zunächst "virtuelle Fabrik"

In den ersten drei Jahren (1999-2001) existierte die Proteinstrukturfabrik als "virtuelle Fabrik". In dieser Zeit entwickelten die Forscher für die Hochdurchsatzanalyse von Proteinen neuartige Konzepte zur Automatisierung, Parallelisierung und Standardisierung von Arbeits-abläufen, wie sie bei der Genomsequenzierung bereits etabliert sind. Gleichzeitig bauten sie die dafür benötigte wissenschaftlich-technische Infrastruktur auf.

Drei Standorte in Berlin: Charlottenburg, Adlershof und Buch

Zum Jahreswechsel 2002 zog die Proteinstrukturfabrik in das mit Mitteln des Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union (EFRE) umgebaute ehemalige Kaiserin-Auguste-Viktoria Haus in Berlin-Charlottenburg ein. Darüber hinaus hat die Proteinstrukturfabrik zwei weitere Standorte: In Berlin-Adlershof wird der Elektronenspeicherring BESSY II für die Röntgenstrukturanalysen genutzt. In Berlin-Buch werden das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und das MDC gemeinsam die NMR-Spektroskopie betreiben. Anfang September 2002 konnten diese beiden in Berlin-Buch ansässigen Einrichtungen Richtfest in einem neuen NMR-Gebäude feiern, das mit ca. 800 000 Euro aus dem Europäischen Strukturfonds EFRE in wenigen Wochen errichtet worden ist. Es wird einen neuen NMR-Spektrometer mit einem rund acht Tonnen schweren Magneten aufnehmen und voraussichtlich Ende dieses Jahres in Betrieb gehen.

Ausgründungen

Die Forschungs- und Technologieentwicklung der Proteinstrukturfabrik haben die Ausgründung zweier Biotechnologieunternehmen ermöglicht. Im Sommer 2000 wurden sowohl die PSF biotech AG als auch die CombiNature biopharm AG unter Beteiligung von Forschern der Proteinstrukturfabrik ins Leben gerufen. Gemeinsam beschäftigen beide Unternehmen zurzeit über 40 Wissenschaftler und andere Mitarbeiter. Sie helfen damit, Erkenntnisse der Grundlagenforschung in den Anwendungsbereich zu übertragen.

Ansprechpartner:
Prof. Udo Heinemann
Proteinstrukturfabrik
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Tel: +49/30/94 06-34 20 oder- 3160
Fax: +49/30-94 06-25 48
E-Mail: heinemann@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw

Weitere Berichte zu: Medikamentenentwicklung Protein Proteinstrukturfabrik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Evolutionsvorteil der Strandschnecke
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Mobile Goldfinger
28.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie