Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von der Idee zum Prototyp - Technikausstattung für Oberflächenveredlung im INP jetzt komplett

02.10.2002


"Wir würden gern Zellkulturschalen so behandeln, dass die Zellen gleichmäßig und schnell wachsen. Gibt es da ein Plasmaverfahren?" Eine typische Anfrage an das INP, Abteilung "Plasmainduzierte Oberflächenprozesse". Die Expertise der Greifswalder Wissenschaftler spricht sich herum. Jetzt haben sie einen Erfolg nicht-wissenschaftlicher Art zu melden: Mit der Anschaffung eines neuartigen Analytikgerätes ist die Ausstattung der Oberflächenabteilung komplett.

Plasmabehandlungen bewirken Veränderungen auf Werkstoffoberflächen, die sich nur schwer direkt beobachten lassen: Schichten, die nur aus einigen Atomlagen bestehen oder chemische Umgestaltungen der obersten Moleküllage. Ob die Plasmabehandlung erfolgreich war, kann oft nur indirekt festgestellt werden, beispielsweise, indem das Wachstum von Zellkulturen auf behandelten und unbehandelten Unterlagen verglichen wird. Das neue ESCA-Mikroskop (ESCA = Elektronenspektroskopie für die chemische Analyse) dagegen misst chemische Veränderungen auf Oberflächen überaus exakt: Von der Analyse der Bindungszustände einzelner Elektronen kann auf die atomare Zusammensetzung der Oberfläche geschlossen werden. So lassen sich jene Details von weniger als 10 µm Größe (1 µm = 1/1000 mm) darstellen, die bei der Untersuchung von Kunststoffoberflächen eine besonders große Rolle spielen. Außerdem lassen sich die Proben kühlen und erwärmen, wichtige Besonderheiten, will man beispielsweise Enzyme auf Oberflächen während der Analyse nicht zerstören.

Mit dem neuen ESCA-Mikroskop ist die Oberflächen-Abteilung nun für alle wissenschaftlichen Herausforderungen gewappnet. Forschungsschwerpunkt ist die Veredlung von Kunststoffen für die Biomedizintechnik. "Die Forschung an Biomaterialien stellt sehr hohe Anforderungen an die Reinheit der Prozesse," begründet dies Abteilungsleiter Dr. Andreas Ohl. "Die Erkenntnisse, die wir hier gewinnen, sind um so besser auf andere Anwendungen übertragbar, z.B. auf Anstriche von Kunststoffen mit wasser-basierten Farben und Verklebungen verschiedener Kunststoffe."
So ist das Oberflächenlabor mit einem Reinraum kombiniert. Hier wird derzeit unter anderem an der Beschichtung von Zellkulturschalen gearbeitet, erste Ergebnisse zeigen ein gesteigertes Zellwachstum auf plasmabehandelten Unterlagen. ESCA erleichtert den Plasmaforschern nun die weitere Arbeit: Mit exakten Erkenntnissen über die chemischen Veränderungen auf der Oberfläche der Kunststoffschalen lässt sich das Verfahren nun für die Zwecke der Anwender optimieren, in diesem Fall ist es das Institut für Pharmazie der Universität Greifswald, dessen Mitarbeiter an lebenden Zellen die Entwicklung von Krankheiten beobachten und neue Substanzen für deren Bekämpfung suchen.
Im so genannten Applikationslabor werden schließlich die neu entwickelten Verfahren auf industrielle Maßstäbe übertragen, indem Testmuster und Kleinserien hergestellt werden. Damit verfügen die Oberflächenforscher über ein erstklassiges System von Ausstattungen für die moderne interdisziplinäre Arbeit. Umgerechnet wurden in den letzten 10 Jahren etwa 10 Mio. Euro in diese Abteilung investiert, die heute mehr als 50 % ihres Personals über Kooperationsprojekte finanziert.
Vom 7.-10.Oktober präsentiert das INP seine Kompetenz in Sachen Oberflächenveredlung auf der Messe BioTechForum in Malmö, wo es sich an einem Gemeinschaftsstand des Landes Mecklenburg-Vorpommern beteiligt.

Das INP gehört zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL), dem Interessenverband von 79 Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für Forschung, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Die wissenschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Institute werden, gemeinsam von Bund und Ländern, mit jährlich ca. 650 Mio. EUR gefördert. Die insgesamt knapp 100 Mitarbeiter des INP forschen an Plasmaanwendungen vielfältiger Art und kooperieren dabei mit Unternehmen und anderen Forschungseinrichtungen weltweit. Das Spektrum reicht von der Lampenforschung über Plasmachemie bis hin zu innovativen Verfahren der Oberflächenveredlung, schließlich Plasmatheorie und Plasmadiagnostik.

Mit Rückfragen wenden Sie sich bitte an Dr. Karsten Schröder, Tel: 03834 - 554 428

Anke Wagner | idw
Weitere Informationen:
http://www.inp-greifswald.de/

Weitere Berichte zu: ESCA INP Kunststoff Oberflächenveredlung Zellkulturschale

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie