Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Fähren zum Tumor lotsen

03.01.2001


Deutsche Krebshilfe fördert Verbesserung der Gen-Therapie

Die Gen-Behandlung steht noch immer vor großen Problemen: Die therapeutischen Gene gelangen nicht nur in die kranken, sondern auch in die gesunden Zellen des Patienten und entfalten dort ihre Wirkung. Als Folge können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Zwei Forschergruppen aus Marburg wollen diese mangelnde Zielgenauigkeit bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und Darmkrebs beheben: Zum Einen verändern sie die Gen-transportierenden Fähren so, dass diese die Krebszellen erkennen und somit zum Tumor gelenkt werden. Zum Anderen sorgen sie durch einen gentechnischen Kniff dafür, dass die therapeutischen Gene überhaupt nur in den Krebszellen ihre Wirkung entfalten können. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit über 620.000 Mark.

Tumoren, von denen bereits Tochtergeschwülste ausgehen, haben zumeist eine schlechte Heilungschance. Dies gilt insbesondere für Krebsformen der Schleimhäute wie beispielsweise Prostatakrebs und Darmkrebs. Mit 51.700 Neuerkrankungen pro Jahr gehören Tumoren des Darms zu den häufigsten Krebsleiden in Deutschland. Bei jährlich knapp 30.000 Todesfällen ist Darmkrebs ursächlich. An bösartigen Veränderungen der Prostata erkranken jährlich rund 30.000 Männer, rund 11.000 Betroffene sterben daran. Neue Behandlungsformen für Karzinome, insbesondere für fortgeschrittene Krankheitsstadien, sind deshalb dringend notwendig. Innovative Ansätze bietet die Gen-Therapie: Hierbei schleusen Mediziner Gene in den Tumor eines Patienten ein, mit dem Ziel die Geschwulst zu zerstören.

Allerdings konnte bis heute noch kein Krebskranker mit einer Gen-Therapie geheilt werden. Die Wissenschaftler stehen immer wieder vor dem Problem, wie sie die Gene ausschließlich in Krebszellen einbringen können. Als Gen-Fähren verwenden sie meist abgeschwächte Viren, die beim Menschen keine Krankheiten auslösen können. Das therapeutische Gen bauen die Forscher in die Erbsubstanz dieser Viren ein. Zwei Forschergruppen vom Marburger Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung unter der Leitung von Professor Dr. Rolf Müller und Dr. Roland Kontermann versuchen, die so genannten "Gen-Taxis" so zu verändern, dass sie zu Prostata- beziehungsweise Darmkrebszellen gelenkt werden und nur dort ihre Wirkung entfalten können.

Die Forscher aus Marburg kombinieren dabei zwei unterschiedliche Strategien: Zum Einen statten sie ihre Gen-Fähren mit Eiweißstoffen (Antikörper) aus. Diese erkennen wiederum andere, ausschließlich auf der Oberfläche von bestimmten Tumorzellen vorkommende Eiweißsubstanzen (Antigene). Hierdurch gelangt das virale "Taxi" bevorzugt zum Tumorgewebe. Zum Anderen bauen die Wissenschaftler ein Regulationselement, einen so genannten Promotor, vor das therapeutische Gen. Über diesen Schalter kann das Gen ein- oder ausgeschaltet werden. Das Ziel ist, das Gen durch Eiweißstoffe, die nur in Tumorzellen vorkommen, zu aktivieren. "Wir wollen zeigen, dass durch die Kombination unterschiedlicher Zielsteuerungsmechanismen die Wirksamkeit gentherapeutischer Ansätze deutlich verbessert wird. Wir hoffen, mit unseren zukünftigen Ergebnissen dem Ziel einer erfolgreichen Anwendung beim Patienten näher zu kommen und damit die Heilungschancen vieler Krebskranker erheblich zu steigern", so Professor Müller

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Gen Gen-Fähren Gen-Therapie Krebszelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers
26.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck
26.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie