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Vier Chemiker erhalten hohe Auszeichnungen

23.09.2002


Anlässlich der 122. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Halle ehrt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einer Festsitzung am 23. September vier Wissenschaftler für ihre herausragenden Arbeiten.

Anlässlich der 122. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Halle ehrt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einer Festsitzung am 23. September vier Wissenschaftler für ihre herausragenden Arbeiten. Die Ausgezeichneten sind Professor Dr. Hans Wolfgang Spieß, Mainz, Professor Dr. Alfred Wittinghofer, Dortmund, Dr. Ursula Schoch-Grübler, Ludwigshafen, und Professor Dr. Christian Wandrey, Jülich.

Liebig-Denkmünze
Hans Wolfgang Spieß vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz erhält die Liebig-Denkmünze in Anerkennung seiner wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Magnetischen Resonanz an Polymeren und anderen molekularen Strukturen. Spiess hat die Zusammenhänge zwischen der molekularen Struktur und Dynamik von organischen Materialien und deren makroskopischen Eigenschaften aufgeklärt, die ihren Einsatz als Kunststoffe für den täglichen Gebrauch, aber auch für Hochtechnologie-Anwendungen in der Informations-Technologie ermöglichen. Hierzu hat er eine neue Methode der Magnetischen Resonanz entwickelt, die als Magnetresonanz-Tomographie inzwischen allgemein bekannt ist. Die magnetische Kernresonanz-Spektroskopie wird für vielfältige Fragestellungen in Physik, Chemie, Biologie und Medizin weltweit von Tausenden von Wissenschaftlern angewandt. Der 1942 in Frankfurt geborene Chemiker hat sich stets intensiv für die Förderung der Wissenschaften in nationalen und internationalen Gremien eingesetzt. Spieß ist seit 1984 Direktor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Er studierte Chemie in Frankfurt. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Florida State University war Spieß fünf Jahre am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung. 1978 habilitierte er sich an der Mainzer Universität und bekleidete Anfang der achtziger Jahre Professorenstellen in Münster und Bayreuth.

Richard-Kuhn-Medaille
Alfred Wittinghofer vom Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie in Dortmund erhält die Richard-Kuhn-Medaille in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten über die Steuer- und Regelungsmechanismen in lebenden Zellen. Er beschäftigt sich mit Struktur, Funktion und Wirkungsmechanismus von Proteinen, die die kleinen Moleküle GTP oder GDP (Guanosintriphosphat bzw. -diphosphat) binden. Diese Proteine fungieren als molekulare Schalter, die je nachdem, welches Nukleotid (GTP oder GDP) gebunden ist, zwischen einem "Aus"- und einem "Ein"-Zustand hin- und herschalten. Dieser Vorgang muss genau reguliert sein, um keine falschen oder zeitlich nicht genau abgestimmten Signale zu übertragen. Auch die Aktivität des in allen höheren Zellen vorhandenen Ras-Proteins, eines zentralen Regulators für Zellwachstum, Differenzierung und viele andere Signalübertragungsreaktionen, wird auf diese Weise gesteuert. In menschlichen Tumoren ist das Ras-Protein mutiert mit dem Effekt, dass das Protein permanent angeschaltet bleibt und zu unreguliertem Zellwachstum beiträgt. Mit der Aufklärung der dreidimensionalen Struktur von Ras und einiger Analoga hat Wittinghofer entscheidend zu einem besseren Verständnis der biologischen Signaltransduktion und der Entstehung von Krebs beigetragen. Wittinghofer wurde 1943 in Goch bei Kleve geboren, studierte in Aachen Chemie und ging bis 1974 als Postdoktorand an die University of North Carolina. Danach war er Forschungsassistent und Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg. 1992 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg. Das Direktorat am Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie übernahm er 1993.

Gmelin-Beilstein-Denkmünze
Ursula Schoch-Grübler von der BASF AG in Ludwigshafen erhält die Gmelin-Beilstein-Denkmünze in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen als Direktorin der Abteilung Wissenschaftliche Information der BASF AG, für ihren langjährigen beruflichen und ehrenamtlichen Einsatz im Dienste der Patentdokumentation und -information. In nationalen und internationalen Gremien hat sie entscheidende Impulse zu einer Harmonisierung der Patentinformationsversorgung gegeben. Frau Schoch-Grübler, Jahrgang 1949, ging in Insy/Allgäu zur Schule und studierte in Heidelberg Chemie. Sie promovierte 1975 bei Nobelpreisträger Georg Wittig und trat 1976 in die Dokumentationsabteilung der BASF AG ein. Sie übernahm die Leitung der Recherche Gruppe Chemikalien, der Recherchegruppe Farbstoffe und des Sachgebietes Interne Chemie-Information. 1990 wird sie Direktorin der Abteilung Wissenschaftliche Information, zuständig für das wissenschaftliche Informationsmanagement der BASF weltweit. Heute ist sie Direktorin der Abteilung BASF Group Information Centre, die neben der wissenschaftlichen auch für die technische Information und Wirtschaftsinformation zuständig ist.

Friedrich-Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse
Christian Wandrey vom Institut für Biotechnologie II des Forschungszentrums Jülich erhält den Friedrich-Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse für seine kreativen Arbeiten auf dem Gebiet der angewandten Bioorganischen Chemie und Bio-Prozessentwicklung. Damit werden seine wegweisenden Ergebnisse ausgezeichnet, wie sich mit Hilfe von Zellen, Zell-Bestandteilen oder Enzymen Synthesewege, insbesondere zu jeweils der einen oder anderen Form eines chiralen Moleküls - wichtig in der Wirkstoffforschung, verkürzen und verbessern lassen. Die gezielte Nutzung der Natur bei der Herstellung von Feinchemikalien ist ein zukunftsorientierter Beitrag der Chemie zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, da biotechnologische Verfahren oft schonender als die der klassischen Chemie arbeiten. Sie werden unter physiologischen Bedingungen durchgeführt, also mit relativ wenig Energieeinsatz und ohne Verwendung von Lösungsmitteln. Wandrey wurde 1943 in Plauen geboren, machte 1962 sein Abitur in Hannover und studierte dort Chemie und Verfahrenstechnik. 1977 habilitierte er sich, 1979 nahm er den Doppelruf als Professor für Biotechnologie an die Universität Bonn und als Direktor des Instituts für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich an.

Dr. Kurt Begitt | idw

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