Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapeutisches Klonen - Überschreitet die Wissenschaft ihre Grenzen?

03.04.2001


... mehr zu:
»Embryo »Klone »Therapeutisch
Dr. Anja Haniel, seit 1995 beim Institut für Technik-Theologie-Naturwissenschaften e.V. an der Ludwig-Maximilians-Universität München, greift im neuen Schwerpunktheft
"Biowissenschaften" (3/2001) der Wissenschaftszeitschrift UNIVERSITAS die derzeitige Debatte um das Thema Klonen auf. Wissenschaftler, Politiker und Philosophen diskutieren mit großer Leidenschaft die Frage, ob das therapeutische Klonen von Embryonalzellen erlaubt werden soll. Das englische Oberhaus hat kürzlich erst dem Klonen von Embryonen zu therapeutischen Zwecken zugestimmt. Dr. Haniel erläutert, warum die Wissenschaftler so große Hoffnungen in dieses Verfahren setzen: Das therapeutische Klonen soll helfen, eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten zu heilen oder deren Folgen zu lindern.

Niemand bestreitet, dass diese Ziele nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch gesellschaftlich wünschenswert und ethisch legitim sind. Umstritten ist allerdings der Verfahrensweg selbst, da als "Rohstoff" für die Erzeugung von Zell- oder Organersatz aus entkernten Eizellen und Körperzellen geklonte menschliche Embryonen dienen. Aus deren innerer Zellmasse lassen sich so genannte embryonale Stammzellen isolieren, die nicht nur in der Kulturschale unbegrenzt vermehrungsfähig sind, sondern auch das Potenzial haben, sich unter geeigneten Bedingungen in alle Zellarten des menschlichen Körpers weiterzuentwickeln. Wenn es gelingt herauszufinden, welche Faktoren etwa die Entwicklung einer embryonalen Stammzelle hin zu einer Nerven- oder Leberzelle steuern, könnte man diesen Vorgang in Kultur nachahmen und so die gewünschten Zellen züchten.

Vorrangig dreht sich die derzeitige ethische Diskussion um die Frage, ob aussichtsreiche Forschungsprojekte und denkbare medizinische Anwendungen die Rechtfertigung dafür geben, Embryonen zunächst zu erzeugen, um sie dann für medizinische und wissenschaftliche Zwecke zu gebrauchen.

Im Abwägen der Argumente von Befürwortern und Gegnern des Klonens kommt Dr. Haniel zu dem Schluss, dass beide Seiten sich wohl die Waage halten, so lange der Status des Embryos und die ihm zuzusprechende Menschenwürde strittig seien. In jedem Fall sei die Problematik des therapeutischen Klonens exemplarisch für viele andere aktuelle Entwicklungen in den Lebenswissenschaften. Große medizinische Hoffnungen stünden zahlreichen ethischen Bedenken gegenüber; die Folgen denkbarer technischer Fortschritte ließen sich oft nur unzureichend abschätzen. Das Für und Wider werde Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik weit über das derzeitige "Jahr des Lebenswissens" hinaus beschäftigen, so Haniel.

Weitere Beiträge im Schwerpunkt "Biowissenschaften" der UNIVERSITAS stammen von der Biologin und Wissenschaftsjournalistin Claudia Eberhard-Metzger ("Die Macht der Gene"), von Axel W. Bauer von der Universität Heidelberg ("Ethik in der Biomedizin"), von Dr. Britta Urmoneit ("Was ist Gentechnik? Methoden und Werkzeuge der Molekularbiologie"), von Wolfram Henn vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlands ("Sind wir alle erbkrank?") und von Dr. Andreas Schrell und Nils Heide, die über die Patentierung genetischer Information schreiben. Die monatlich erscheinende Wissenszeitschrift UNIVERSITAS ist eine traditionsreiche Publikation, die seit 1946 den Dialog zwischen Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften fördert. Im Januar 2001 startete sie mit einem Relaunch mit dem Ziel, "Orientierung in die Wissenswelt" zu bringen.

Das Institut TTN ist eine institutionell selbstständig arbeitende Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität München und hat das Ziel, den interdisziplinären Dialog zu ethischen Herausforderungen in Naturwissenschaften und Technologieentwicklung zu fördern.

Weitere Informationen:
Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften e.V.
Marsstr. 19, 80335 München, Tel.: 089/5595-600, -601, -607, Fax: 089/5595-608
Zeitschrift UNIVERSITAS: www.wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de/universitas

Cornelia Glees-zur Bonsen | idw

Weitere Berichte zu: Embryo Klone Therapeutisch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften