Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Würzburger Zellbiologen finden Hormonrezeptoren in Mitochondrien

07.08.2000



Steroidhormone - dazu gehören zum Beispiel die Sexualhormone und das Cortison, aber auch das Häutungshormon der Insekten, das Ecdyson - entfalten ihre Wirkung im Zellkern - so stand es jahrelang in den Lehrbüchern der Biologie zu lesen. Doch seit einigen Jahren ist bekannt, dass auch die Mitochondrien zu den Angriffspunkten dieser Hormone gehören. Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität haben nun erstmals die entsprechenden Hormonrezeptoren in den Mitochondrien menschlicher Zellen nachgewiesen.

Die ellipsenförmigen Mitochondrien sind die Energielieferanten der Zellen. Sie bestehen aus zwei ungleichen Hüllen, einer glatten äußeren und einer stark gefalteten inneren Membran. In der letzteren befinden sich die Enzyme, die für die Zellatmung und damit für die Energiegewinnung verantwortlich sind.

Diese Enzyme setzen sich aus mehreren Untereinheiten zusammen, deren Baupläne zum Teil im Erbgut des Zellkerns, zum Teil im Erbgut der Mitochondrien festgelegt sind. Damit ein funktionsfähiges Enzym entstehen kann, müssen die jeweiligen Gene koordiniert abgelesen werden - Zellkern und Mitochondrien müssen also gewissermaßen miteinander sprechen.

Auf der Suche nach Molekülen, die diesen Informationsfluss vermitteln, sind Wissenschaftler auf die Steroidhormone gestoßen. Deren molekularer Wirkungsmechanismus ist aufgeklärt: Sie binden an Rezeptoren, das sind Eiweißstoffe, die den Anfang bestimmter Gene erkennen und diese dann aktivieren oder inaktivieren.

Die Steroidhormon-Rezeptoren in den Zellkernen sind seit langer Zeit gut charakterisiert. Nun ist es der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klaus Scheller vom Lehrstuhl für Zell- und Entwicklungsbiologie am Würzburger Biozentrum erstmals gelungen, auch in den Mitochondrien Rezeptoren für Steroidhormone, und zwar für Glucocorticoide, nachzuweisen. Glucocorticoide - dazu gehört auch Cortison - steuern den Stoffwechsel von Proteinen und Kohlenhydraten.

Sind diese Rezeptoren beschädigt, dann können sie nicht in die Mitochondrien gelangen oder dort nicht vom Hormon erkannt werden. Als Folge davon können die Gene der für die Zellatmung wichtigen Enzymuntereinheiten nicht abgelesen werden und die Energieproduktion wird gestört. Dies führt laut Prof. Scheller in vielen Fällen zu schweren Erkrankungen der Muskeln und des Nervensystems, unter anderem zu altersbedingten Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und zur Huntington’schen Krankheit.

Gegenwärtig untersucht die Gruppe am Biozentrum die Rolle von hormongesteuerten Genen, welche die Aktivität der Mitochondrien in Bezug auf die Entstehung neuromuskulärer Erkrankungen steuern. Ziel ist es, neue Ansätze für die Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Die Entdeckung der Glucocorticoid-Rezeptoren wurde bereits publiziert:

Scheller, K., Sekeris, C.E., Krohne, G., Hock, R., Hansen, I.A. und Scheer, U.: "Localization of glucocorticoid hormone receptors in mitochondria of human cells", European Journal of Cell Biology 79, 2000, Seiten 299-307.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Klaus Scheller, T (0931) 888-4266, Fax (0931) 888-4252, E-Mail: scheller@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Robert Emmerich |

Weitere Berichte zu: Biozentrum Enzym Gen Hormonrezeptoren Mitochondrium Rezeptor Zellkern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise