Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Polymere natürlichen Ursprungs

16.09.2002


Eine Entlastung der Umwelt, die Schonung fossiler Brennstoffe und die Schaffung neuer Absatzmärkte für die Landwirtschaft versprechen sich Experten von der zunehmenden Verbreitung von Polyestern natürlichen Ursprungs. Über den aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet solcher biotechnologisch gewonnenen und als neue Werkstoffe und Biomaterialien verwandten Polymere informieren sich rund 220 Wissenschaftler aus aller Welt beim "International Symposium on Biological Polyesters" (ISBP2002), das vom 22. bis 26. September 2002 an der Universität Münster stattfindet. Organisator dieser seit 1988 in zweijährigem Wechsel in unterschiedlichen Städten der Welt stattfindenden internationalen Tagung ist Prof. Dr. Alexander Steinbüchel, Direktor des Instituts für Mikrobiologie der Universität Münster.

Polyester vom Typ "Polyhydroxyalkanoate" (PHA), wie zum Beispiel Poly(ß-hydroxybuttersäure), sind typische Speicherstoffe vieler Bakterien. Es ist schon lange bekannt, dass diese natürlichen Polyester ähnliche Materialeigenschaften wie synthetische Polymere, wie etwa die von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP), aufweisen. Im Gegensatz zu jenen sind sie jedoch biologisch abbaubar. Auch können sie biotechnologisch aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden, während die Herstellung von PE und PP auf der Verwendung fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas basiert. Neben PHAs werden auch "Polylactide" aus mikrobiell gewonnener Milchsäure hergestellt. Beide Biopolymere sind nach Angaben Steinbüchels unter anderem als biologisch abbaubare Plastikmaterialien vorgesehen. Erste Produkte aus PHAs und Polylactiden wurden bereits auf dem Markt eingeführt. Zahlreiche Anwendungsgebiete für PHAs werden aufgrund seiner besonderen Materialeigenschaften auch in der Medizin und Pharmakologie gesehen. Darüber hinaus erscheinen sie ebenfalls zur Herstellung von Latexfarben geeignet. Stetig kommen neue Anwendungen hinzu.

Auf Grund des starken Interesses an diesen Polymeren werden zur Zeit neue biotechnologische Verfahren zur Produktion entwickelt, und existierende Verfahren werden verbessert. Einerseits wird das Ziel verfolgt, die Herstellung dieser Polyester durch Fermentation mit Bakterien zu optimieren. Andererseits verwenden Pflanzenzüchter und -genetiker die Gene der Bakterien zur
Erzeugung transgener Pflanzen, die zur Produktion von PHAs eingesetzt werden können. "Wahrscheinlich werden zur Produktion des einen und anderen neuen Biopolyesters in der Zukunft sowohl Bakterien als auch Pflanzen eingesetzt werden", erklärt Steinbüchel. Er geht davon aus, dass in beiden Fällen von der Landwirtschaft produzierte nachwachsende Rohstoffe in der Zukunft in einem bedeutendem Umfang in neue Werkstoffe und Bioplastik umgewandelt werden. "Hierdurch werden der Landwirtschaft neue Absatzmärkte erschlossen sowie Beiträge zur Schonung fossiler Rohstoffe und zur Entlastung der Umwelt geleistet", betont der münstersche Mikrobiologe.

Im Rahmen der im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts der Universität Münster ausgetragenen internationalen Tagung werden in 40 Hauptvorträgen und 25 Kurzvorträgen sowie auf zirka 90 Postern unter Beteiligung der Industrie die neuestens Ergebnisse und Erkenntnisse vorgestellt. Die diesjährige Tagung stieß bei den Fachwissenschaftlern im In- und Ausland auf besonders großes Interesse. Noch nie war die Beteiligung an der ISBP so groß wie in Münster. Besonders erfreut ist der örtliche Tagungsorganisator über die rege internationale Beteiligung an dem Symposium, wobei er besonders die Teilnahme von zahlreichen Wissenschaftlern aus den USA, Japan, Korea, China und dem europäischen Ausland hervorhebt.

Jutta Reising |
Weitere Informationen:
http://mibi1.uni-muenster.de/ISBP2002/index.htm

Weitere Berichte zu: Bakterium PHA Polyester Polymer Rohstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik