Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Infektiöses Bakterium misst Körpertemperatur

10.09.2002


Listeria monocytogenes bei 37 Grad erst durch Strukturwandel des "Thermosensors" aktiv

Biologen des französischen Pasteur-Instituts unter der Leitung von Pascale Cossart haben das Rätsel um den Temperatursinn bei Bakterien gelöst. Dass Listeria monocytogenes, Auslöser der Infektionskrankheit Listeriose, seine Wirkung bei 37 Grad Celsius entwickelt, unterliegt einem Messmechanismus und macht den Beginn des Infektionsprozess zu einer Frage der Temperatur des Wirts.

Das Bakterium, das hauptsächlich in Industrienationen auftritt, aktiviert im Zuge der Infektion verschiedene Gene. Dadurch wird der Infektionsprozess in Gang gesetzt, die Gene können nicht nur überleben, sondern vermehren sich auch im Organismus. Die Virulenz-Gene werden bei einer Temperatur von 37 Grad Celsius, also der Körpertemperatur des Menschen, maximal exprimiert. Bei niedrigeren Temperaturen sind diese Gene nahezu inaktiv. Das Bakterium hat sich selbst daran angepasst, den Infektionsprozess nur dann zu starten, wenn es auf einen Organismus mit der "richtigen" Temperatur trifft.

Bisher war bekannt, dass die Produktion des Transportabschnitts des Erbguts, der als "Messenger RNA" (mRNA) bezeichnet wird, vom Protein PrfA gesteuert wird. Den temperaturabhängigen Mechanismus begründen die Forscher mit der Form der mRNA. Dieser Teil des Erbguts ist beim Bakterium Listeria monocytogenes hantelförmig. Bei einer Temperatur von 20 bis 30 Grad Celsius wird die mRNA der Virulenz-Gene zwar produziert, infolge dieser Struktur findet aber keine Translation ("Übersetzung") in ein Protein statt und die Erbinformation des Bakteriums kann nicht abgelesen werden.

Bei Temperaturen um 37 Grad Celsius ändert sich diese auch als "Thermosensor" bezeichnete Struktur. Die Erbinformation kann abgelesen und in Proteine "übersetzt" werden. Die Listerien werden aktiv. Die Kombination des PrfA-Proteins und der mRNA funktioniert als Thermostat, der die Temperatur der Umwelt misst, schließen die Forscher. Eine versuchsweise Strukturveränderung des "Schalters" bewirkte, dass die Bakterien auch bei geringeren Temperaturen ihre Wirkung entfalteten. Als die Forscher den Temperatursensor bei Escherichia coli einbauten, funktionierte der Mechanismus ebenfalls.

Listerien können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie HIV-Patienten grippeähnliche Symptome bis hin zu schweren neurologische Schäden hervorrufen. Auch für Schwangere und das ungeborene Kind ist der Erreger gefährlich. Listeria monocytogenes kann zwar bei Temperaturen von fünf bis 45 Grad Celsius überleben, ist aber nur bei Körpertemperatur aktiv.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.pasteur.fr

Weitere Berichte zu: Bakterium Infektionsprozess Körpertemperatur Listerien Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen
27.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie