Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotech-Firma macht graue Mäuse zu Punks mit grüner Haarpracht

10.09.2002


Einsatz der Methode bei Menschen in frühestens fünf Jahren

Wissenschaftler des US-Biotech-Unternehmens Anticancer haben Gene in die Follikelzellen der Haarwurzel von Mäusen eingebracht und erstmals die Haarfarbe verändert. Die Forscher nehmen an, dass durch Genmanipulation auch eine Behandlung von Haarverlust möglich wird. Noch ist es aber realistischer graues Haar wieder einzufärben. Bis die Pionierarbeit, die grünhaarige "Punk-Mäuse" schuf, aber bei Friseuren zum Einsatz kommt, werden laut dem Fachblatt New Scientist noch Jahre vergehen.

Die Forscher nutzten eine Routinemethode, um zu testen, ob ein Gen erfolgreich in eine Zelle geschleust wurde. Dabei wird ein fluoreszierendes Gen (GFP-Gen), das bei blauem Licht grün leuchtet, mit Hilfe eines inaktivierten Adenovirus als Transportvehikel in kleine Hautstücke von Mäusen transferiert. Die Tiere erhielten vorab eine Behandlung mit dem Enzym Collagenase, um die Haarwurzeln für das Virus zugänglich zu machen. Das Virus transportierte anschließend das Protein in die Follikelzellen. Nach wenigen Stunden begannen 80 Prozent der Haare grün zu leuchteten, erklärte Forschungsleiter Ronald Hoffmann. Die Produktion des GFP-Gens blieb selbst dann erhalten, wenn die Hautstücke auf Mäuse verpflanzt wurden, die wegen eines Gendefekts nackt waren. Die transplantierten Haare entwickelten sich normal und leuchteten grün.

Die Tatsache, dass Gene in Haarwurzelzellen geschleust und aktiviert werden können, erlaubt es, Gene auf ihren kosmetischen Vorteil bzw. ihren möglichen therapeutischen Nutzen zu testen, schreiben die Forscher im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS). Die Technik könnte bei Haartransplantationen und Kolorierungen Anwendung finden. Für eine Färbung von grauem Haar müsste die Produktion des Pigments Melanin angekurbelt werden. Um die Haarfarbe zu ändern, sei es aber notwendig, den Melanin-Typus zu ändern. Schwarzes Haar ist z.B. die Folge einer Eumelanin-Variante, während Rot- und Braunhaarige ihre Haarfarbe durch Pheomelanin erhalten. Das molekulare Geheimnis von blondem Haar ist noch ungeklärt.

Da es noch weitgehend unbekannt ist, welche Gene an einer Kahlköpfigkeit beteiligt sind, ist die Methode zur Behandlung derzeit noch unwahrscheinlich. Gesetzt den Fall, diese Gene werden gefunden, müssten sie auf andere Art und Weise transferiert werden. Mögliche Kandidaten wären z.B. Gene, die die Überproduktion des Männlichkeitshormon Dihydrotestosteron unterdrücken. Dieses Hormon spielt auch bei Akne eine Rolle. Somit könnte durch die neue Behandlungmethode auch die hormonell bedingte Erkrankung bekämpft werden. Hoffmann plant nun Versuche an pigmentlosen Albino-Mäusen. Diesen Mäusen fehlt das Gen für das Enzym Tyrosinase. Das Gen soll den Tieren in die Haarwurzeln eingebaut werden und die Pigmentproduktion anregen. Der Forscher hält erste Einsätze der Technik beim Menschen in fünf Jahren für möglich.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.anticancer.com
http://www.newscientist.com
http://www.pnas.org

Weitere Berichte zu: Enzym Gen Haarfarbe Haarwurzel Mäuse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics