Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsch-türkische Grundlagenforschung für neue Medikamente gegen Angsterkrankungen

30.08.2002


Für drei Monate war nun Frau Dozentin Dr. Nüket Öcal von der Technischen Yildiz Universität aus Istanbul im Institut für Organische Chemie in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Kaufmann zu Gast. Mit hoher Intensität, bis in die Abende hinein und auch am Wochenende nutzte sie gemeinsam mit ihrer Doktorandin Cigdem Yolacan die apparativen Möglichkeiten im Clausthaler Institut für ihre Forschungen. Ihr Arbeitsgebiet, das sich mit der Themenstellung der Clausthaler Arbeitsgruppe überschneidet, ist u.a. die Herstellung von künstlichen Varianten des Botenstoffs GABA (Gamma-Amino-Buttersäure).

"GABA vermindert die Nervenaktivität im Gehirn und macht die Nervenzellen weniger leicht erregbar. Gibt man einem Patienten einen GABA-ähnlichen Wirkstoff, so beruhigt sich gewissermaßen sein Gehirn. Valium ist ein solches Medikament. Es dämpft Angstzustände, macht aber zugleich schläfrig und vergesslich. Gesucht werden daher Bauarten des Moleküls, mit dem die gewünschte, angstdämpfende Wirkung erzielt und die Nebenwirkung vermieden wird. Wir stellen daher viele künstliche Varianten des GABA-Moleküs her, und zwar solche, die wie Bild und Spiegelbild aussehen. Und dazu setzen wir die asymmetrische homogene Katalyse ein", erklärt Professor Kaufmann und ergänzt: "Wir betreiben hier hinsichtlich Methodik und Synthese Grundlagenforschung. Später können dann diese Varianten von Pharmazeuten und Medizinern auf ihre biologische Wirksamkeit überprüft werden."

Der Kontakt zu Frau Dr. Öcal kam quasi "über Bande" zustande. Ein Göttinger Studienfreund von Professor Kaufmann ist heute als Professor an der Universität von San Francisco tätig, und bei einem Aufenthalt dort lernte Professor Kaufmann die junge türkische Gastwissenschaftlerin, die mit einem NATO-Stipendium für ein Jahr als Gastwissenschaftlerin dort tätig war, kennen und lud sie nach Clausthal ein.

Unter dem schweren Erdbeben von 1999 in der Türkei litten auch die Universitäten. "Ganze Labore mussten auf dem neuen Campus der Universität wieder neu aufgebaut werden", sagt Frau Dr Öcal. Die Türkei, ein "junges" Land, unternimmt große Anstrengungen ein leistungsfähiges, breit gefächertes Bildungssystem für ihre Jugend und die Zukunft des Landes aufzubauen, konnte Prof. Kaufmann bei seinem Besuch im letzten Jahr feststellen. Die Technische Yildiz Universität in Istanbul, Rang drei unter 15 Universitäten in Istanbul, zählt 10.000 Studenten, von den Geisteswissenschaften bis in die Natur- und Ingenieurwissenschaften. 100 Chemiestudenten schreiben sich jedes Jahr ein. Ein großer Unterschied zu Deutschland: Während an deutschen Technischen Universitäten Professorinnen rar sind, sind an der Technischen Yildiz Universität 70 Prozent Professorinnen tätig. Den Beruf als Wissenschaftlerin und die Familie miteinander zu vereinen, ist sehr anstrengend, denn Teilzeitarbeit ist in der Türkei unbekannt, wie Frau Dr. Öcal berichtet. "Aber direkt neben der Universität gibt es einen Kindergarten", erzählt sie. Und natürlich hilft die Familie mit. So freuen sich auch jetzt ihr Mann und ihr elfjähriger Sohn, wenn sie nun nach drei Monaten Gastaufenthalt nach Istanbul zurückkehrt. Aber es wird sicherlich nicht ihr letzter Clausthal-Besuch sein, und ihre Doktorandin, Frau Yolacan wird auch in Zukunft bis zu ihrer Promotion jedes Jahr mehrere Monate im Clausthaler Labor zu Gast sein.

Jochen Brinkmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioc.tu-clausthal.de/dk/home_d.html

Weitere Berichte zu: Clausthaler Grundlagenforschung Labor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics