Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Humangenomprojekt: Erste Ergebnisse bei der Suche nach ’Krankheits-Genen’ im Modell Maus

01.08.2000


... mehr zu:
»Gen »Mauslinien »Mutation »Punktmutationen
Mit Vorlage der Arbeitsversion des menschlichen Genoms tritt das Humangenomprojekt in eine neue Phase der Funktionsanalyse der Gene, an der sich auch das Deutsche Humangenomprojekt massiv beteiligt. Ein Projekt,
das die Funktionen der Gene am Modellorganismus Maus studiert, legt jetzt erste Ergebnisse vor.

Mit der Bekanntgabe der Sequenz von über 90 Prozent des menschlichen Genoms Ende Juni 2000 ist das Humangenomprojekt in eine neue Phase der Entdeckung der Gene und der Aufklärung ihrer Funktionen eingetreten. Im besonderen Interesse der Wissenschaftler und Mediziner stehen dabei jene Gene, die bei der Entstehung von Krankheiten eine Rolle spielen.
Im Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) hat man schon frühzeitig die Bedeutung dieser Thematik erkannt und fördert seit längerer Zeit die Funktionsanalyse von Genen. Eine wichtige Rolle hierbei spielen Modellorganismen wie die Fruchtfliege (D. melanogaster), der Wurm (C. elegnas) oder die Maus. Gerade die Maus eignet sich gut als Modellorganismus, weil sie in ihrer Entwicklung und ihrem Stoffwechsel dem Menschen sehr ähnlich ist. Weiterhin erlaubt die Erforschung von Mutationen in einzelnen Genen Rückschlüsse auf ihre Funktion.

Das DHGP fördert daher das international angelegte Forschungsprojekt ’ENU-mouse mutagenesis screen’. Es verfolgt das Ziel, Mutationen in einzelnen Genen der Maus und deren Folgen für den tierischen Organismus zu erforschen. Das Projekt läuft an dem GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit GmbH und dem Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München und wird von Martin Hrabé de Angelis von der GSF koordiniert.
Ersten Ergebnisse dieser Forschungsarbeit werden jetzt in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht (Nature Genetics, Vol. 25, August 2000).

Im Mittelpunkt dieser Arbeiten stehen Mäuse mit mutiertem Erbgut. Die Tiere werden mit der Substanz Ethyl-Nitroso-Harnstoff (ENU) behandelt, die in der DNA Punktmutationen erzeugt, also den Austausch einzelner Basenpaare. Dadurch können die betroffenen Gene ihre Funktion verlieren. Viele Erbkrankheiten des Menschen sind auf Punktmutationen zurückzuführen.

Die Nachkommen dieser Mäuse untersucht man auf genetisch bedingte Krankheiten. Wie bei einer genauen klinischen Untersuchung am Menschen erstellt man ein Blutbild, misst Parameter des Immunstatus, prüft Skelett und Gehör, testet die Augen auf grauen oder grünen Star. Für jede Maus werden Daten aus 120 Untersuchungen erhoben. Bisher sind aus der ’Münchner Mausklinik’ über 180 Mauslinien mit erblich bedingten Krankheiten hervorgegangen - zum Beispiel Erkrankungen des Skeletts, Herz-Kreislauf-Defekte, Allergien und Störungen des Immunsystems. Mehr als 200 weitere Linien werden derzeit auf die genetische Grundlage ihrer Veränderung geprüft. Damit steht in Deutschland an der GSF in München eine der größten Sammlungen an Maus-Modellen für Erbkrankheiten zur Verfügung.

Auch im nächsten Schritt, der Isolierung der für die Krankheiten verantwortlichen Gene, gibt es bereits Erfolge: So wurde ein Gen isoliert, das in mutierter Form bei der Maus zu grauem Star führt. Auch Menschen - so weiß man inzwischen - haben dieses Gen, dessen Mutation ebenso grauen Star hervorruft. Man konnte also dem Gen eine Funktion zuordnen und für diese Erkrankung ein Modell entwickeln, an dem sich nun weiter in Richtung Diagnose und Therapie forschen lässt.

Das Projekt findet international höchste Beachtung und hat eine Welle ähnlicher Vorhaben ausgelöst. So investiert das amerikanische National Institute of Health 45 Millionen Dollar, um vergleichbare Projekte zu starten - etwa das Zehnfache dessen, was den deutschen Forschern zur Verfügung steht. Auch in Amerika arbeitet man übrigens mit Mauslinien aus München, denn es besteht ein akuter Mangel an geeigneten Modellen zur Aufklärung von Krankheiten auf molekularer Ebene.
Weitere Informationen über die Maus-Modelle und das Forschungsprojekt sind über das Internet abrufbar:
http://www.gsf.de/ieg/groups/enu-mouse.html.
http://www.dhgp.de/scientific/project/topics/organisms/index.html

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Jörg Wadzack |

Weitere Berichte zu: Gen Mauslinien Mutation Punktmutationen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie