Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schäden am Erbgut: Eins und eins macht drei

29.11.2000


... mehr zu:
»Erbgut »Gefährlichkeit »Gemisch »Mutation
Substanzen, die das Erbgut schädigen können, stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts an der Universität Würzburg: Hier wollen Toxikologen herausfinden, ob bestimmte Zellkulturen dazu geeignet sind, um
die Gefährlichkeit von Substanzgemischen zu beurteilen.

Bei Laborversuchen werden meist einzelne Substanzen auf ihre Gefährlichkeit für den Menschen getestet. In der Umwelt ist der Mensch jedoch immer einem Gemisch von Substanzen ausgesetzt. Um die Wirkung solcher Gemische abzuschätzen, wird meist davon ausgegangen, dass sich die Effekte der einzelnen Substanzen addieren.

Allerdings sind Kombinationen von Einzelstoffen bekannt, die möglicherweise überadditive Effekte auslösen. Das heißt: Eins und eins ergibt in diesem Fall nicht zwei, sondern drei oder mehr. Die Frage, ob sich eine Kombination von erbgutschädigenden Substanzen auch bei niedrigen Dosierungen überadditiv auswirken kann, ist für die Risikoabschätzung in der Toxikologie von großer Bedeutung.

In diesem Zusammenhang ergaben die vom Schweizerischen Bundesgesundheitsamt geförderten Arbeiten der Würzburger Professoren Dr. Werner K. Lutz und Dr. Helga Stopper vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie klare Hinweise auf Abweichungen von der Additivität: Wurden im Labor gezüchtete Tumorzellen von Mäusen bestrahlt und gleichzeitig mit der Chemikalie Ethylmethansulfonat in Kontakt gebracht, dann waren die Schäden an den Chromosomen deutlich überadditiv.

Allerdings liegt in den hierfür verwendeten Zellen eine Genmutation vor, und möglicherweise hängt die überadditive Reaktion nicht von den erbgutschädigenden Einflüssen ab, sondern von eben dieser Mutation. Darum untersuchen die Würzburger Toxikologen jetzt zwei Tumor-Zelllinien des Menschen: Eine davon hat eine vergleichbare Mutation wie die Mäusezellen, die andere nicht.

"Sollte sich bestätigen, dass die überadditive Reaktion von dieser Mutation abhängt, dann wäre das ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Einsatz derart mutierter Zelllinien für solche toxikologischen Fragestellungen problematisch ist", so Prof. Stopper. Die Ergebnisse des Würzburger Projekts könnten die Beurteilung der Gefährlichkeit von Gemischen künftig maßgeblich beeinflussen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Werner K. Lutz, T (0931) 201-5402, Prof. Dr. Helga Stopper, T (0931) 201-3427, Fax (0931) 201-3446, E-Mail: 
lutz@toxi.uni-wuerzburg.de
 
stopper@toxi.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Erbgut Gefährlichkeit Gemisch Mutation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten