Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ethik in der Biomedizin

19.03.2001


Prof. Dr. med. Axel Bauer vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg schreibt in der neuesten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift UNIVERSITAS - Sind die derzeitige Diskussion
über die Biowissenschaften und ihre ethischen Implikationen als gutes Zeichen für den moralischen Zustand unserer Reflexionskultur zu werten?

Prof. Dr. med. Axel Bauer vom Institut für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg schreibt in der neuesten Ausgabe der interdisziplinären Wissenschaftszeitschrift UNIVERSITAS (März 2001/ Schwerpunkt "Biowissenschaften") über "Ethik in der Biomedizin". Prof. Bauer stellt in seinem Beitrag fest, dass die rasanten Fortschritte der Genforschung zu einer Hochkonjunktur der Bioethik geführt haben, deren legitime gesellschaftliche Funktion und von bloßen Eigeninteressen geleitete Funktionalisierung oft dicht und schwer unterscheidbar beieinander liegen.

Bauer, der seit 1986 am Heidelberger Institut für Geschichte der Medizin tätig ist und dort seit 1992 als außerplanmäßiger Professor lehrt, stellt die Frage, ob die derzeit in allen Medien geführte Diskussion über die Biowissenschaften und deren ethische Implikationen als gutes Zeichen für den moralischen Zustand unserer wissenschaftlichen Reflexionskultur zu werten sind, oder ob das Gegenteil der Fall ist, und wir uns darüber Sorgen machen müssen, dass eine völlig amoralische Gesellschaft die Bioethik als kompensatorisches Surrogat zur Beruhigung ihres schlechten Gewissens benötigt.

"Schädliche Funktionalisierungstendenzen"

Bauer hat den Verdacht, dass je öfter und je intensiver fachspezifische wie auch andere gesellschaftliche Probleme seit einigen Jahren unter ethischen Aspekten beleuchtet werden, "schädliche Funktionalisierungstendenzen" vorliegen und dass die im Prinzip zu fordernde Unabhängigkeit der Ethik als Disziplin oder der Ethiker als Person nur schwer zu realisieren ist. Häufig besteht eine innere oder äußere Abhängigkeit von Interessen, die die Expertise in eine fremdbestimmte Richtung lenken.

Bauer stellt die Frage, was diese Einsicht für die Praxis des zu führenden ethischen Diskurses über medizinische Forschung bedeutet. Er plädiert dafür, eine gesunde Skepsis zu bewahren, auch und gerade dann, wenn neuerdings allzu schnell und allzu oft das Stichwort Ethik fällt. Probleme werden seiner Ansicht nach nicht dadurch leichter lösbar, dass man sie zu ethischen Problemen erklärt und mitunter - so Bauer - werden sie dadurch gerade erst perpetuiert.

Weitere Beiträge im Schwerpunkt "Biowissenschaften" der UNIVERSITAS, die seit Januar ihre Leser mit einer umfassenden Modernisierung und konzeptionellen Neugestaltung überrascht, stammen von der Biologin und unter anderem als Redakteurin des Heidelberger Forschungsmagazins "Ruperto Carola" tätigen Wissenschaftsjournalistin Claudia Eberhard-Metzger (Die Macht der Gene), von Anja Haniel vom Institut für Technik-Theologie-Naturwissenschaften der LMU München (Therapeutisches Klonen), von Dr. Britta Urmoneit (Was ist Gentechnik?, Methoden und Werkzeuge der Molekularbiologie), von Wolfram Henn vom Institut für Humangenetik der Universität des Saarlands (Sind wir alle erbkrank?), und von Dr. Andreas Schrell und Nils Heide, die über die Patentierung genetischer Information schreiben.

Ein kostenloses Probeheft oder ein kostenloses Probe-Abo (2 Hefte) der UNIVERSITAS kann man bei der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Stuttgart anfordern.

E-Mail: universitas@wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. med. Axel W. Bauer
Tel. 06221 544816 , Fax 545457 
awb@uni-hd.de

oder:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317 
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw

Weitere Berichte zu: Biomedizin Biowissenschaft Ethik Reflexionskultur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Frage der Dynamik
19.02.2018 | Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

nachricht Forscherteam deckt die entscheidende Rolle des Enzyms PP5 bei Herzinsuffizienz auf
19.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics