Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kugelfisch-Genom soll menschliche Genzahl endgültig klären

26.07.2002


Nagasaki University

Ein internationales Forschungskonsortium unter der Leitung des Joint Genome Institutes (JGI) des U.S. Energieministeriums hat das Genom des japanischen Kugelfischs Fugu rubripes entschlüsselt und analysiert. Der Kugelfisch hat unter den Wirbeltieren das kleinste Genom. Die Sequenz beinhaltet aber eine ähnlich große Genanzahl wie das weitaus größere menschliche Genom, enthält aber keine "Junk"-DNA, die in der Sequenz des Menschen einen großen Bereich einnimmt. Fugu gilt in der japanischen Küche als Delikatesse und kann bei unsachgemäßer Zubereitung ein tödliches Neurotoxin übertragen.

Laut Daniel Rokshar vom JGI haben drei Viertel der Gene im menschlichen Genom ein Pendant im Kugelfisch. Die große Ähnlichkeit gegründet der Forscher durch einen 400 Millionen Jahre alten gemeinsamen Vorfahren. Das taschenförmige Genom des Fischs soll zur endgültigen Klärung der Zahl der menschlichen Gene beitragen. Schätzungen gehen davon aus, dass der Mensch 30.000 bis 40.000 Gene besitzt. "Durch die Fugu-Daten kann man davon ausgehen, dass 40.000 Gene die obere Grenze sind", so Sydney Brenner vom Salk Institute in San Diego.

"Zum ersten Mal sehen wir alle Unterschiede bzw. Ähnlichkeiten in den Protein-Anteilen, die Fische und Menschen ausmachen", erklärte Samuel Aparicio von der Cambridge University. Der direkte Vergleich der Fisch- und Mensch-DNA zeigt auch, dass noch mehr menschliche Gene gefunden werden. Die Mitglieder des Konsortium wollen nun die wesentlichen Regionen der DNA identifizieren, die Menschen und Fischen gemeinsam sind und auch die Art und Weise der Protein-Bildung der Gene steuern. Kontroll-Regionen für Gene, die mit einer Krankheit in Verbindung stehen, könnten neue Ziele für Medikamente darstellen.

Brenner glaubte lange Zeit, dass das Fugu-Genom einfach zu sequenzieren sei und für die Interpretation des menschlichen Genoms von großer Bedeutung sei. Seine Idee wurde aber abgeschmettert und das "Menschen-Genom" vorgezogen. Das Humangenom-Projekt erhielt alle wissenschaftliche Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung. Nachdem die Kosten der DNA-Sequenzierung sanken, verfolgte Brenner das Fugu-Projekt unabhängig. "Die Kosten für das Projekt betrugen rund zwölf Mio. Dollar, vermutlich ein Hundertstel der Kosten, die das Humangenom-Projekt verschlungen hat", so Brenner.

Ausführliche Informationen im Web.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.jgi.doe.gov/
http://www.jgi.doe.gov/fugu
http://www.fugubase.org/

Weitere Berichte zu: Genom Genzahl Humangenom-Projekt Kugelfisch Sequenz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Personal-Trainer zum Anziehen: Intelligente Trainingskleidung gewinnt Fashion Fusion Award

23.01.2017 | Förderungen Preise

Innovationen besser messen

23.01.2017 | Förderungen Preise

Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie