Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Mineralwasser schlecht schmeckt

01.08.2008
Lässt man Mineralwasserflaschen in der Sonne stehen, entwickelt das Wasser oft einen unangenehmen Geschmack. Woher dieser kommt, war bislang unbekannt. Nun gibt es Hinweise, worauf das Fehlaroma zurückzuführen ist und wie sich seine Entstehung verhindern lässt.

Jeder Deutsche hat im Jahr 2007 im Schnitt 172,4 Liter Mineralwasser getrunken. Der Verbraucher erwartet, dass es sowohl erfrischend als auch durstlöschend ist und keinen auffälligen Eigengeschmack hat.

Um alle riechenden Flaschen auszusortieren, setzt die Industrie automatische »Mehrweg-Sniffer« in den Abfüllanlagen ein. Trotzdem zeigten Verkostungen durch die Stiftung Warentest, dass immer wieder störende Aromen im Mineralwasser auftreten können. Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising haben dies bestätigt: 43 Prozent der getesteten Proben weisen einen »kunststoffartigen« Geruch auf, Fachleute sprechen von »Sonnenlichtaroma«, bei fünf Prozent waren ein »muffiger, modrig, schimmeliger Geschmack« und bei 14 Prozent eine »fruchtige Geschmacksnote« festzustellen.

Andrea Strube vom IVV hat nun die Stoffe identifiziert, die das »Sonnenlichtaroma« verursachen. »Seine Entstehung wird durch direkte Sonnenbestrahlung beschleunigt«, so die Chemikerin. »Jeder kennt das: Lässt man eine Plastikflasche länger in der Sonne liegen, schmeckt das Getränk anschließend unangenehm nach Kunststoff.« Bisher nahm man an, dass dafür das Gleitmittel verantwortlich ist: Es wird auf die Flaschenverschlüsse gegeben, damit man sie mit normalem Kraftaufwand öffnen kann.

Strube analysierte den Geruch, indem sie die flüchtigen Substanzen in ihre Einzelkomponenten aufspaltete. Beim Test dieser Komponenten durch die menschliche Nase zeigte sich, dass die störenden Bestandteile gleich auf mehrere chemische Verbindungen zurückzuführen sind – der Kunststoffgeruch kommt nicht allein vom Gleitmittel. Strube vermutet, dass Verunreinigungen des Gleitmittels oder andere Verpackungs-Additive ihn auslösen.

Auch muffige Komponenten zu vermeiden, ist nicht einfach. Diese bilden sich meist, nachdem Verbraucher in den PET-Mehrwegflaschen Fruchtsäfte oder andere Getränke aufbewahrt haben. Bleiben Reste in der Flasche zurück, können diese Schimmel ansetzen. Die dabei entstehenden Geruchsstoffe dringen in die Flaschenwand ein und werden später an das Mineralwasser abgegeben. Die Mehrweg-Sniffer in den Abfüllanlagen können diese Flaschen nicht erkennen, weil die Konzentration der Aromen in der Luft dafür viel zu niedrig ist. Allein die menschlichen Sinne können sie wahrnehmen. Strube konnte die verantwortlichen Substanzen identifizieren und sucht jetzt nach den Mikroorganismen, die sie produzieren. »Wir hoffen so eine Möglichkeit zu finden, schlecht riechende Flaschen automatisch zu erkennen.«

Andrea Strube | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ivv.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie