Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fische lügen, wenn es um Sex geht

31.07.2008
Potsdamer Biologen wiesen erstmals nach, dass Tiere Paarungskonkurrenten in die Irre führen

Lügen ist im Tierreich weiter verbreitet, als bisher angenommen. Nicht nur Menschen, Affen und Vögel sind dazu in der Lage, sondern sogar schon Fische.

Das hat ein Forscherteam um den Biologen Dr. Martin Plath von der Universität Potsdam herausgefunden. Täuschungsmanöver im Tierreich hatten Wissenschaftler zum Beispiel beobachtet, wenn es um Nahrungskonkurrenz ging. Dass Tiere auch bei der Partnerwahl täuschen können, haben nun erstmals die Potsdamer Wissenschaftler nachgewiesen. Ihre Forschungsergebnisse sind heute in der Online-Ausgabe des Fachjournals Current Biology erschienen.

Plath und seine Kollegen hatten das Paarungsverhalten von zwei eng miteinander verwandten Zahnkärpflingsarten untersucht. Diese unscheinbaren, nur wenige Zentimeter großen mexikanischen Süßwasserfische sind lebend gebärend. Während die eine Art sich ganz "normal" sexuell fortpflanzt, vermehrt sich die andere über Jungfernzeugung. Männchen werden für die Befruchtung also eigentlich nicht gebraucht, jedoch löst erst die Anwesenheit von männlichem Sperma die Entwicklung der Nachkommen aus.

Da durch Jungfernzeugung immer nur Weibchen entstehen, müssen diese Weibchen auf die Männchen der verwandten Art zurückgreifen. Die Männchen haben allerdings von diesem Sex-Parasitismus nichts, da sie ihre Gene so nicht verbreiten können. Instinktiv bevorzugen sie bei der Paarung deshalb Weibchen ihrer eigenen Art. Zudem haben sie eine Vorliebe für besonders große Weibchen, da diese mehr Nachkommen zur Welt bringen können als kleine. Darüber hinaus kopieren Männchen aber auch die Paarungsvorlieben anderer Männchen. Dieses Verhalten machen sich die Männchen zunutze, um ihre Konkurrenten zu täuschen.

Plath und sein Team untersuchten zunächst die Partnerwahl von Männchen, wenn kein Konkurrent in der Nähe war. Die Fische verhielten sich erwartungsgemäß und interessierten sich wesentlich stärker für die Weibchen ihrer eignen Art sowie für die größeren Weibchen, wenn ihnen zwei unterschiedlich große arteigene Weibchen präsentiert wurden. War jedoch ein Artgenosse in der Nähe, der sie beobachtete, änderte sich ihre "Vorliebe" auf einmal.

Dann interessierten sie sich anfänglich vor allem für die Weibchen, die sie vorher links liegen gelassen hatten, meistens jedoch ohne sich tatsächlich mit diesen zu paaren. Die Forscher schlussfolgern aus diesem Verhalten, dass die Fische ihre männlichen Konkurrenten täuschen, damit diese ihr Sperma an die Weibchen verschwenden, mit denen sie gar keine oder weniger gemeinsame Nachkommen zeugen können. Die Lügner selbst können dann ihre ganze Zeugungspotenz auf Weibchen konzentrieren, die reichlich gemeinsame Nachkommen versprechen. Als nächstes wollen die Biologen nun herausfinden, ob auch andere lebend gebärende Fischarten Lügner sind.

Sylvia Prietz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten