Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlangen sind nicht überall gleich giftig

18.07.2008
Chemische Zusammensetzung von Lanzenottergift vom Lebensraum abhängig

Ein Forscherteam des Biomedizinischen Instituts der Universität von Valencia hat das Gift von südamerikanischen Lanzenottern in verschiedenen Regionen Costa Ricas untersucht und dabei festgestellt, dass es sich je nach Lebensraum erheblich voneinander unterscheidet.

Die chemische Zusammensetzung des Gifts hänge stark vom Ort der Herkunft und vom Alter der Schlange ab. Die Untersuchung macht deutlich, warum es trotz Verabreichung eines Serums nach einem Schlangenbiss zu Todesfällen kommt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

Das Team um Juan Calvete hatte 26 adulte und mehr als 40 juvenile Lanzenottern der Spezies Bothrops asper in der karibischen und in der pazifischen Region Costa Ricas untersucht. Die beiden Territorien sind durch ein Gebirge seit rund fünf Mio. Jahren räumlich voneinander getrennt. Demnach konnten die Forscher mehr als 27 Proteine im Schlangengift einer Population finden, die jeweils nur bei einer Gruppe vorkamen.

... mehr zu:
»Gift »Lanzenotter »Vergiftung

"Dass das Gift von Schlangen derselben Spezies, allerdings verschiedener geografischer Herkunft, sich stark voneinander unterscheidet, ist nichts neues", meint der Kustos der Herpetologischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien, Heinz Grillitsch, im pressetext-Interview. Bekannt sei das auch bei mitteleuropäischen Kreuzottern im Vergleich mit Kreuzottern aus Südost-Europa. "Obwohl es sich um dieselbe Spezies handelt, haben sich in dem großen Gebiet verschiedene Rassen bzw. Unterarten entwickelt, die auch verschiedenartig zusammengesetzte Gifte produzieren." Anders als etwa das Toxin von Pfeilgiftfröschen, das durch die spezifische Nahrung - zumeist Ameisen oder andere Insekten - aufgenommen wird, sei die Giftherstellung bei Schlangen ein äußerst komplexer Vorgang, der nichts mit der Art der Beute zu tun habe. "Wesentlich für die Ausformung der verschiedenartigen Giftzusammensetzung bei den untersuchten Lanzenottern Costa Ricas ist die räumliche Trennung der beiden Populationen, unter der es zu keinem Genaustausch mehr gekommen ist und die sich dadurch auch verschieden entwickelt haben."

Für die Serologen hat die Entdeckung der spanischen Forscher allerdings bedeutende Auswirkungen: Das Gift der karibischen Lanzenotter-Population wies etwa mehr als 400 Prozent höhere Werte der Serinprotease, um 200 Prozent mehr L-Aminosäure-Oxidase und um 160 Prozent mehr Disintegrin als jenes der pazifischen Gruppe auf. Das sei auch der Grund, warum Bisse der karibischen Schlangen häufiger eine blutgefäßzerstörende Wirkung zeigten. Variationen in der Zusammensetzung des Gifts konnten die Forscher auch bei unterschiedlichem Alter der Schlangen feststellen.

Die Kombination aus hoher abgegebener Giftmenge, hoher Giftigkeit, geringer Fluchtbereitschaft, vergleichsweise hoher Aggressivität, häufigem Aufenthalt in menschlichen Siedlungen und relativ großer Verbreitung macht B. asper in ihrem Areal zur mit Abstand medizinisch relevantesten Schlange. Sie ist innerhalb ihres Vorkommens von Nordost-Mexiko bis Kolumbien und Venezuela für den Großteil der Vergiftungen durch Schlangenbisse und für fast alle Todesfälle verantwortlich. In Costa Rica sind 65 Prozent der Vergiftungen auf Bothrops asper zurückzuführen. In dem mittelamerikanischen Land wurden zwischen 1990 und 2000 jährlich rund 500 Menschen von Giftschlangen gebissen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nhm-wien.ac.at
http://www.uv.es/

Weitere Berichte zu: Gift Lanzenotter Vergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Live-Verfolgung in der Zelle: Biologische Fussfessel für Proteine
19.06.2018 | Universität Basel

nachricht Tag it EASI - neue Methode zur genauen Proteinbestimmung
19.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics