Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

506.880 Euro für eine Ameise

19.07.2002


Volkswagen-Stiftung fördert Forschung zur Kognitionsleistung von Insekten

Wie komplex denkt eigentlich eine Ameise? Mit einem Gehirn von nur 0,1 mg Gewicht sind die Aufgaben, die das kleine Insekt bei der Orientierung im Raum lösen muss, erstaunlich umfangreich.


Die Volkswagen-Stiftung fördert in einem neurowissenschaftlichen Schwerpunkt "Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme - Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse" sieben Projekte der Kognitionsforschung mit deutscher Beteiligung. Fast 3,5 Millionen Euro gibt die Stiftung dafür aus.

Mit insgesamt 506.800 Euro unterstützt sie das Forschungsvorhaben der "3-D spatial orientation of a small-brain navigator", das am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist. Im Focus der deutsch-schweizerischen Forschungskooperation steht die Wüstenameise Cataglyphis. Die Arbeiterinnen der Wüstenameise entfernen sich bei der Nahrungssuche bis zu 200 m auf gewundenen Wegen von ihren unterirdischen Nestern. Finden sie Beute, so kehren sie dagegen geradlinig auf dem kürzesten Weg zu ihrem Nest zurück. Die Wüstenameisen nutzen eine Art der Orientierung, die als Wegintegration bekannt ist. Die Tiere messen während ihrer Läufe beständig die eingeschlagene Richtung und die zurückgelegte Distanz. Diese Informationen werden stets zu einem Rücklaufvektor verrechnet, der sie wie ein straff gespannter Faden mit dem Nest verbindet. Als Richtungsgeber dient das für den Menschen nicht sichtbare Polarisationsmuster des Himmels. Wie die Tiere allerdings die zurückgelegte Distanz messen, ist noch weitgehend unklar.
Um genauer zu erforschen, wie sich die Ameisen in ihrer Umgebung zurechtfinden, kombinieren die Wissenschaftler der Universitäten in Berlin, Jena, Zürich und Ulm neuro- und verhaltensphysiologische Ansätze mit theoretischen Modellen. Ganz allgemein soll ergründet werden, wie verschiedene Formen räumlicher Orientierung zusammenwirken und so "intelligentes" Verhalten bewirken. Konkret interessiert die Forscher, ob die Ameisen tatsächlich ein dreidimensionales Gedächtnis haben, oder ob ihr Gehirn den Weg über Berge und Täler als Kette zweidimensionaler Strecken interpretiert. Die Frage ist auch, welche Sinnesorgane Wüstenameisen einsetzen, um sich zu orientieren und wie die aufgenommenen Informationen verarbeitet werden, um solche komplexen Leistungen zu ermöglichen. Cataglyphis als "Kleinsthirn-Navigator" könnte ein Modellbeispiel für grundlegende Kognitionsleistungen abgeben - und damit vermutlich auch der Forschung über künstliche Intelligenz wichtige Impulse geben.

Nähere Informationen (ab Freitag, 26. Juli): Prof. Dr. Bernhard Ronacher,

... mehr zu:
»Ameise »Cataglyphis »Insekt »NEST »Orientierung

Tel.: 030/ 2093 8806.

HU- Pressestelle | idw

Weitere Berichte zu: Ameise Cataglyphis Insekt NEST Orientierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen
16.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Geographie verrät das Alter von Viren
16.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie