Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heftiger Sex lässt Chamäleons früh sterben

02.07.2008
Einjahres-Chamäleon als Eintagsfliege unter den Wirbeltieren

Ein Forscherteam der University of Oklahoma hat einen Entwicklungszyklus bei madagassischen Chamäleons entdeckt, der sie eher an jenen von Insekten erinnert: Das kleine Reptil verbringt zwei Drittel seines Lebens in seinem Ei.

Dann schlüpft es, wächst innerhalb zweier Monate zur Geschlechtsreife heran, pflanzt sich fort und stirbt ehe der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Die erstaunliche Geschichte von Furcifer labordi haben Forscher um Kris Karsten nun erstmals in freier Wildbahn auf der Insel Madagaskar erforscht. Die Chamäleon-Spezies gehört zu den kleinsten Vertretern der Art. Männchen erreichen eine Größe von rund neun, Weibchen sogar von nur sieben Zentimetern Länge. "Ich dachte, dass es seltsam ist, dass es in freier Wildbahn nur adulte Tiere dieser Art gibt", so Karsten. In einer aufwändigen Forschungsarbeit untersuchte das Team mit Hilfe von Radiosendern 400 Chamäleons und ihren Lebens- und Fortpflanzungszyklus.

... mehr zu:
»Reptil »Sex

Demnach schlüpfen die Jungtiere Anfang November fast gleichzeitig. Innerhalb von sieben Wochen waren sie bereits erwachsen. Ausnahmslos starben alle erwachsenen Tiere im April des darauf folgenden Jahres - knapp vor dem Einsetzen der Trockenzeit. Kurz vor dem Tod reifen in jedem Weibchen ungefähr zwölf Eier heran, jedes ist ungefähr 1,2 Zentimeter groß, die dann abgelegt werden und acht Monate lang in Erdlöchern von der Wärme der Sonne ausgebrütet, ehe sie im November schlüpfen und der ganze Zyklus wieder von vorne beginnt.

Karsten nimmt an, dass der energieintensive Reproduktionsakt den Chamäleons nach vier bis fünf Monaten Lebenszeit schließlich das Leben kostet. In bisher unveröffentlichten Experimenten konnte der Forscher feststellen, dass das Sexualverhalten der kleinen Reptilien ein energetisch aufwändiges Unterfangen für beide Partner darstellt. "Zunächst raufen sich die Männchen in langen Kämpfen um ein Weibchen, ehe es dann zu einem nicht minder heftigen Paarungsgeschehen zwischen den beiden Geschlechtspartnern kommt", erklärt der Forscher. Die Trockenzeit in Madagaskar ist eine starke physiologische Belastung sodass viele Tiere eine Art "Winterschlaf" halten, um Energie zu sparen. Offensichtlich gibt es aber auch Arten, die das Problem durch den Tod lösen, so der Experte.

"Harte äußerliche und soziale Umfelder können tatsächlich zu hohen Sterberaten unter adulten Tieren führen", meint Heinz Grillitsch, Kustos der Herpetologischen Sammlung am Naturhistorischen Museum Wien gegenüber pressetext. Es sei für manche Spezies durchaus sinnvoll die ganze Energie in einen einzelnen Reproduktionszyklus zu bündeln. "Möglicherweise ist das bei manchen Chamäleonspezies weiter verbreitet, als bisher angenommen."

Grillitsch berichtet, dass er selbst Chamäleon-Weibchen gesehen hat, die völlig abgemagert immer noch Eier in sich getragen haben und kurz nach dem Ablegen gestorben sind. Karsten vermutet zudem auch, dass diese Tierart sehr hohe Werte der Sexualhormone in sich tragen. Das könnte das aggressive Paarungsverhalten erklären, aber auch den frühen Tod.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://zoology.okstate.edu
http://www.nhm-wien.ac.at

Weitere Berichte zu: Reptil Sex

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics