Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biometrische Volkszählung für afrikanische Pinguine

30.06.2008
Englische Forscher entwickeln visuelles Überwachungssystem

Wissenschaftler der University of Bristol haben ein technisches Überwachungssystem entwickelt, dass es ermöglicht, die Bestandsgrößen und Populationsdynamik bei Pinguinen und anderen Arten zu ermitteln ohne sich den Tieren physisch nähern oder unmittelbar in ihren Lebensraum eingreifen zu müssen.

"Bisher musste man Metallmarken mit einem ID-Code verwenden, um die Pinguine verfolgen zu können", sagt Peter Barham, Entwickler des "Penguin Recognition System". Die Technologie der englischen Forscher hingegen basiert auf der Videoerfassung der charakteristischen Musterung der afrikanischen Pinguine. Da jeder Vogel ein anderes Muster aus schwarzen Flecken auf seiner Brust trägt, das sich während des gesamten Erwachsenenlebens nicht mehr verändert, können die Tiere einzeln identifiziert werden. "Das bedeutet, dass wir die Pinguine draußen in der Wildnis beobachten können, in Echtzeit und mit ziemlicher Genauigkeit", so Barham.

Das "Überwachungssystem", das auf der Summer Science Exhibition der Royal Society vorgestellt wird, soll verlässliche Daten über die Bestände und die sozialen Verhaltensweisen der afrikanischen Pinguine liefern, deren weltweiter Bestand auf weniger als 170.000 Exemplare geschätzt wird. Die Forscher haben sich zunächst auf eine rund 20.000 Tiere umfassende Gruppe auf Robben Island vor der Atlantikküste Südafrikas konzentriert. Mit konventionellen Markierungstechniken könne man aber nur einen kleinen Teil solch großer Gruppen erfassen, meint Barham. "Diese Bänder stehen zudem im Verdacht schädlich für die Tiere zu sein, die sie tragen. Wir wollten deshalb einen Weg finden, diese Vögel automatisch beobachten zu können ohne ihnen eine Schaden zuzufügen", so der Physiker.

... mehr zu:
»Pinguin

"Wir haben dort eine Kamera aufgestellt, wo die Pinguine regelmäßig auf ihrem Weg zum oder vom Meer vorbeikommen", erklärt Barham. "Jedes Bild, das die Kamera macht, wird an einen Computer zurückgesendet." Die Software sei nun so eingestellt, dass sie erkennt, wenn sich ein Pinguin im Blickfeld der Kamera befindet und anhand des Fleckenmusters unterscheidet, ob es sich um ein bekanntes oder ein neues Tier handelt. Befindet sich ein bisher unerfasstes Tier im Sichtfeld, löst die Kamera aus und speichert eine Identifikationsnummer, Datum, Zeit und Sichtungsort. Vorausgesetzt die Aufnahmen sind gut genug, könne der einzelne Vogel mit einer Sicherheit von 98 Prozent identifiziert werden. Allerdings liegt in diesem Punkt auch der Wehrmutstropfen des Systems, denn bei schlechtem Licht oder Verdeckung von Tieren durch andere kann die Kamera nur wenig aussagekräftige Bilder liefern. Um dieses Hindernis zu überwinden, arbeitet das Team derzeit an der Kombination von intelligenten Kameras, die schwenk- und neigbar sind und zoomen können. "Einmal vollendet, werden diese Systeme die Genauigkeit, Quantität und Qualität von Populationsdaten revolutionieren, die Ökologen und Umweltschützern verfügbar sind", sagt Barham.

"Wir glauben, dass diese neue Technik es Biologen erlauben wird, viele Vertreter verschiedener Arten kostengünstig, schnell und automatisch zu identifizieren und über längere Zeit zu beobachten", fügt Projektmitarbeiter Tilo Burghardt an. Generell sei die Technologie auf alle Arten anwendbar, die bestimmte individuelle Muster auf Haut, Fell oder Gefieder tragen. "Man muss das System nur darauf trainieren, eine bestimmte Tierart zu erkennen. Dann muss es die Flächen finden, wo die Musterungen voraussichtlich vorkommen und diese Informationen weiterverarbeiten", so Barham.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bristol.ac.uk
http://www.spotthepenguin.com
http://www.summerscience.org.uk

Weitere Berichte zu: Pinguin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Atomares Design mit Wasser
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics