Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam gegen HIV

27.06.2008
In keinem anderen Land der Welt sind so viele Menschen mit HIV infiziert wie in Südafrika. Rund 15 Prozent der 48 Millionen Einwohner tragen das Virus in sich.

Um die Erforschung des Erregers weiter voranzubringen, haben sich Wissenschaftler der Universität Würzburg mit Kollegen in Südafrika zusammengetan: In einem neu eingerichteten Internationalen Graduiertenkolleg befassen sie sich mit HIV/Aids und assoziierten Infektionskrankheiten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Arbeiten in den kommenden viereinhalb Jahren mit rund 2,2 Millionen Euro.

In Graduiertenkollegs arbeiten Doktoranden in einem koordinierten Forschungs- und Studienprogramm gemeinsam an einem Thema. Dabei werden sie von mehreren Hochschullehrern betreut. Das neue Kolleg, das die DFG der Universität Würzburg im Mai bewilligt hat, ist das erste deutsch-afrikanische Graduiertenkolleg überhaupt. Sein Sprecher in Würzburg ist der Virologe Axel Rethwilm, in Südafrika der Virologe Wolfgang Preiser von der Universität Stellenbosch.

An der Uni Würzburg stehen unter dem Dach des neuen Graduiertenkollegs ab Oktober Stipendien für elf naturwissenschaftliche und zwei medizinische Doktoranden zur Verfügung. Hinzu kommen in Südafrika zwölf Stipendien für Naturwissenschaftler, die dort ab Januar voraussichtlich von der National Research Foundation finanziert werden.

... mehr zu:
»HIV »Virologe »Virus

Mehrere Würzburger Arbeitsgruppen wirken an dem Projekt mit: Die Infektionsimmunologen Heidrun Moll und Joachim Morschhäuser bringen ihre Expertise über den Parasiten Leishmania und den krank machenden Pilz Candida ein. Beide Erreger haben besonders leichtes Spiel bei HIV-Infizierten, weil deren Immunabwehr geschwächt ist. Mit im Kolleg ist auch die Malaria-Expertin Gabriele Pradel. Wenn sich HIV-Patienten zusätzlich mit Malaria infizieren, wirken beide Erreger synergistisch; sie setzen den Betroffenen im Verbund also deutlich stärker zu als jeweils im Alleingang. Auch Infektionen mit Würmern und Staphylokokken sind im Zusammenhang mit HIV problematisch. Mit diesen Themen befassen sich Klaus Brehm, Matthias Frosch und Bhanu Sinha.

Manfred Lutz und Thomas Hünig, der schon seit Längerem mit Wissenschaftlern in Südafrika kooperiert, bringen zwei Projekte aus dem Bereich der Immunologie ein. Die Virologin Eleni Koutsilieri erforscht die Auswirkungen des HI-Virus auf das Gehirn - denn der Erreger bewirkt nicht nur eine Immunschwäche, sondern auch direkt eine schwere neurologische Erkrankung, bei der die Nervenzellen im Gehirn zunehmend dahinschwinden. Die Virologin Sibylle Schneider-Schaulies ergründet generell die Mechanismen, mit denen Viren das Immunsystem unterdrücken. Schließlich betreuen die Virologen Jochen Bodem und Axel Rethwilm zwei Projekte, die sich mit der Variabilität von HIV und der Entwicklung medikamentenresistenter Viren beschäftigen.

Neben diesen grundlagenorientierten Vorhaben gehört auch ein klinisches Projekt ins Programm. Verantwortlich dafür ist Hartwig Klinker, dessen Team auf dem Gebiet des therapeutischen Drug-Monitoring bei HIV-Patienten in Deutschland führend ist: Die Würzburger haben Methoden entwickelt, um die Konzentration der Anti-HIV-Medikamente im Blut zu bestimmen. Dadurch ließen sich Medikamentenkombination und Dosis den jeweiligen Erfordernissen so gut anpassen, dass die Effizienz der Therapie deutlich verbessert wurde. Das soll künftig auch den Patienten in Südafrika zu Gute kommen.

"Jede unserer Arbeitsgruppen kooperiert mit einem Forschungsteam in Südafrika", sagt Axel Rethwilm. Die Kontakte sollen, außer über Internet und E-Mail, auch persönlich stattfinden: "In unserem Budget ist viel Geld für Reisen vorgesehen, so dass häufig Besuche bei den Partnern vor Ort möglich sind."

Das Graduiertenkolleg geht auf das Jahr 2005 zurück. Damals vereinbarte eine bayerische Delegation, zu der auch Rethwilm und Klinker gehörten, in Südafrika ein gemeinsames Aktionsprogramm zur Aids-Bekämpfung mit der Region Westkap. Bayern und Westkap sind seit 1995 Partnerregionen; Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in den Bereichen Soziales, Bildung sowie wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit. "Entsprechend hat der Freistaat am Entstehen des Graduiertenkollegs auch finanziell mitgewirkt", sagt Rethwilm.

Ein Ausblick des Würzburger Virologen: "Mit rein medizinischer Forschung wird man das HIV-Problem in Südafrika nicht in den Griff bekommen." Denn die starke Verbreitung des Virus habe vor allem auch soziale Gründe: "Viele Südafrikaner in den Townships wissen nicht, ob sie in den nächsten Tagen genug Nahrung zum Überleben haben werden. Wenn es um HIV geht, denken diese Menschen nicht in einer Perspektive von mehreren Jahren voraus."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Axel Rethwilm, T (0931) 201-49554, rethwilm@vim.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: HIV Virologe Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der Suche nach Universal-Grippeimpfstoffen – Neuraminidase unterschätzt?
21.06.2018 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Organische Kristalle mit Twist und Selbstreparatur
21.06.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics