Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lemuren verraten genetische Fitness über Geruch

25.06.2008
Männchen mit komplexerem Duftgemisch bieten bessere Anlagen

Bei Lemuren geht der Geruch offenbar Hand in Hand mit der Vielfalt ihrer genetischen Anlagen, berichten Forscher der australischen Duke University in der Fachzeitschrift Molecular Ecology.

Die Zusammensetzung des chemischen Geruchscocktails spiegle die genetischen Qualitäten der Männchen und damit ihre Eignung als Fortpflanzungspartner wider. Anhand dieses olfaktorischen Etiketts könnten dann die Weibchen den vielversprechendsten Bewerber erkennen.

Darüber hinaus stellte das Team um die Biologin Christina Drea fest, dass der männliche Geruch auch Aufschluss darüber geben kann, inwieweit zwei Tiere miteinander verwandt sind. Allerdings hätten sich beide Phänomene nur während der Paarungszeit beobachten lassen, also in der Zeit, in der die Männchen untereinander in scharfer Konkurrenz stehen.

... mehr zu:
»Duftmarke

Die australischen Wissenschaftler hatten die chemische Zusammensetzung der Eigengerüche von Kattas, den wohl bekanntesten Vertretern der Lemurenfamilie, mittels Gaschromatograph und Massenspektrometer analysiert. Die männliche Vertreter dieser Art besitzen Geruchsdrüsen an Handgelenken, Schultern und Genitalien, aus denen verschiedene Duftstoffe abgegeben werden. Andere Arten haben derartige Drüsen auch auf Kopf, Brust oder den Händen. Die Drüsen an den Handgelenken dienen den Tieren, um per Duftmarke ihr Territorium zu markieren oder zum Kampf mit anderen Männchen ihren Schwanz zu "parfümieren". In den Duftgemischen der männlichen Kattas konnten die Wissenschaftler rund 200 verschiedene chemische Substanzen nachweisen. Je vielfältiger der Genpool der Tiere war, desto komplexer seien auch die duftenden Botschaften ausgefallen. Zudem zeigte sich, dass je weniger die Männchen miteinander verwandt war, sich auch ihr Duft umso deutlicher unterschied.

Ein solches duftenden Namensschild zu tragen, das genetische Fitness und Abstammung verrät, sei wahrscheinlich von Vorteil, wenn es darum ginge, Inzucht zu vermeiden oder Konflikten mit engen Verwandten aus dem Weg zu gehen, meint Drea. Diese Annahmen gelte es aber weiter zu prüfen. Der Duft der männlichen Lemuren spreche aber nicht nur Bände, er sei überdies auch schwierig zu produzieren. Wenn ein Lemur nämlich krank oder sozialem Stress ausgesetzt ist, verändere sich sein Duft dramatisch. "Wenn er seine Duftsignale verliert, dann höchstwahrscheinlich, weil er genetisch weniger fit ist", sagt Drea. "Und seine sexuellen und sozialen Partner können das wahrnehmen."

Der Evolutionsbiologe Leonardo Dapporto von der Universität Florenz beschäftigte sich indes genauer mit den Duftdrüsen an den Handgelenken der Kattas. Bei seinen Untersuchungen fand er heraus, dass die Duftsekrete beider Hände sich so voneinander unterschieden wie ein Männchen von einem anderen. Warum der gleiche Drüsentyp allerdings völlig unterschiedliche Gerüche produziert, gibt dem Wissenschaftler noch Rätsel auf. "Lemuren leben in konkurrierenden Gruppen und nutzen Gerüche um ihre Territorien abzugrenzen", erklärt Dapporto. Möglicherweise würden sie die Stärke einer benachbarten Gruppe über die Anzahl verschiedener Duftmarken einschätzen, die sich an den Gebietsgrenzen finden lassen, und dann zwischen Angriff oder Rückzug entscheiden.

"Zwei Gerüche zu haben könnte ein Trick sein, um falsche Signale bezüglich der Gruppengröße zu senden", vermutet Dapporto. Dies würde sich dann in eine ganze Reihe von Wahrnehmungstäuschungen einreihen, die Tiere zur Einschüchterung ihrer Artgenossen anwenden. So bringen Pandabären per Handstand ihre Duftmarken hoch über dem Grund an während Kaninchenkauze bei drohender Gefahr das Rasseln von Klapperschlangen imitieren.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.duke.edu
http://www.unifi.it

Weitere Berichte zu: Duftmarke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geheimnis um die Langlebigkeit von Bäumen enthüllt / Forscher sequenzieren das Genom der Stieleiche
20.06.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Live-Verfolgung in der Zelle: Biologische Fussfessel für Proteine
19.06.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics