Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuviel Kontakt

20.06.2008
Das Spielen der Jungtiere verursacht bei Schimpansen ein zyklisches Auftreten von Atemwegserkrankung

Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie konnten in früheren Arbeiten zeigen, dass im Taï Nationalpark (Elfenbeinküste) lebende Schimpansen durch wiederholt vom Menschen eingeschleppte Atemwegserkrankungen getötet wurden.


Forscher tragen einen Mundschutz, um das Risiko der Krankheitsübertragung vom Menschen auf die Tiere einzudämmen. Bild: Sonja Metzger, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

In einer aktuellen Studie, haben sie Daten zur Kindersterblichkeit in zwei Schimpansengruppen im Taï Nationalpark (Elfenbeinküste) aus über zwei Jahrzehnten ausgewertet. Dabei konnten sie nachweisen, dass die Sterblichkeit in zwei verschiedenen Intervallen verläuft: Im Laufe eines Jahres kommt es zu einem Höhepunkt der Sterbewelle, zu einer Zeit in der es Nahrung im Überfluss gibt und die Schimpansen am geselligsten sind. Die Kindersterblichkeit verläuft dagegen in einem etwa dreijährigen Zyklus.

"Dieser Dreijahreszyklus ist scheinbar selbst organisiert", sagt der Hauptautor der Studie, Hjalmal Kühl. "Das heißt, er wird nicht von äußeren Umweltfaktoren hervorgerufen. Durch El Niño ausgelöste Klimazyklen ermöglichen beispielsweise keine zuverlässige Voraussage für dieses Kindersterblichkeitsmuster. Es müssen also Faktoren sein wie Demografie, Entwicklungsontogenese oder das Sozialverhalten von Schimpansen."

... mehr zu:
»Krankheitsübertragung

Tatsächlich war die Ontogenese der Verspieltheit von Schimpansenjungen der Schlüssel zu diesem Dreijahreszyklus: Während neugeborene Schimpansen noch nicht sehr sozial sind, werden die Jungtiere mit zunehmendem Alter immer verspielter, wobei der Höhepunkt dieses sozialen Spiels mit etwa zwei Jahren erreicht ist. Jeder Zyklus beginnt nun mit einem Krankheitsausbruch, der eine Gruppe von Jungtieren tötet und dadurch gleichzeitig den Reproduktionszyklus der Mütter synchronisiert. Ein Jahr später gibt es dann einen geburtenstarken Jahrgang, der zwei Jahre später zum Höhepunkt des Spielalters herangewachsen ist.

"Diese sehr verspielten Jungtiere bilden eine soziale Brücke zwischen Gruppenmitgliedern, die sonst wenig direkte Interaktion betrieben hätten und schaffen somit ideale Bedingungen für einen erneuten Ausbruch in der gesamten Gruppe", sagt Yasmin Möbius, die die Spielontogenese analysierte. "Die Studie liefert eine interessante Verbindung zwischen Populationsdynamik und dem Verhalten, wie es traditionell von Primatologen erforscht wird."

Darüber hinaus ergeben sich aus der Studie aber auch wichtige Hinweise für die Erhaltung der Schimpansen, die von der Internationalen Naturschutzunion (World Conservation Union) als stark gefährdet eingestuft werden (ebenso wie die vom Aussterben bedrohten Gorillas). Affentourismus wird als eine Möglichkeit der Einnahmequelle für Regierungen und örtliche Gemeinden propagiert. Das nahe Heranführen von Touristen in die Lebensräume von Gorillas und Schimpansen stellt jedoch ein ernstzunehmendes Risiko der Krankheitsübertragung dar. "Aus unserer Analyse können wir nicht nur schließen, dass Krankheitsübertragung durch Touristen und Forscher ein größeres Problem ist," erläutert Peter Walsh, einer der Koautoren der Studie, "sondern auch, zu welchem Zeitpunkt das Risiko am größten ist und wann es folglich am effektivsten wäre, Maßnahmen, wie beispielsweise Impfungen, durchzuführen." Und Christophe Boesch, der Initiator des 1979 angelaufenen Taï Chimpanzee Projektes und Koautor der Studie ergänzt: "Wir müssen mehr Initiative zeigen und Schritte einleiten, um das Risiko der Krankheitsübertragung durch Tourismus und Forschung so gering wie möglich zu halten."

Originalveröffentlichung:

Hjalmar S. Kuehl, Caroline Elzner, Yasmin Moebius, Christophe Boesch, Peter D. Walsh
The price of play: self-organized infant mortality cycles in chimpanzees
PloS One, 17. Juni 2008

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Krankheitsübertragung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften