Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bodyguards für Bananen

02.04.2001


Björn Niere wird in den kommenden drei

Jahren Feldversuche an Bananen in Uganda durchführen.


Die Universität Bonn erforscht momentan in Uganda, ob sich bestimmte endophytische Pilze als "Bodyguards" von Bananenpflanzen eignen. Erste Kandidaten haben die Wissenschaftler schon entdeckt.

Wenn Montezuma Rache übt, hilft häufig die Einnahme von lebendigen Hefepilzen, um die Beschwerden zu beseitigen. Hefe hemmt das Wachstum von schädlichen Keimen und trägt so dazu bei, dass sich die Darmflora regeneriert. Ein gesundes Darmmilieu hindert seinerseits eindringende Krankheitserreger daran, sich zu vermehren. Auch in Pflanzen leben zahlreiche Pilze und Bakterien, sogenannte Endophyten, von denen einige Schädlingsbefall verhindern können. Die Universität Bonn erforscht momentan in Uganda, ob sich bestimmte endophytische Pilze als "Bodyguards" von Bananenpflanzen eignen. Erste Kandidaten haben die Wissenschaftler schon entdeckt.

Der Feind der Banane ist klein, unscheinbar und schwierig zu bekämpfen: Der Fadenwurm Radopholus similis schmarotzt in den Wurzeln der Bananenstaude und kann sie dadurch so sehr schädigen, dass sie ihren Halt im Boden verliert und umfällt. An seinem schändlichen Treiben lässt sich der weltweit verbreitete Wurm auch nur schwer hindern: Chemische Bekämpfungsmöglichkeiten sind aus ökologischer Sicht bedenklich und fast ausnahmslos unerschwinglich für Kleinbauern in Entwicklungsländern, die für lokale Märkte produzieren und die der verursachte Ernteausfall besonders hart trifft. Resistente Sorten sind zudem nur begrenzt verfügbar. Die Suche nach biologischen Bekämpfungsmöglichkeiten gewinnt daher sowohl unter ökonomischen als auch ökologischen Gesichtspunkten an Bedeutung.

"In der Natur werden Pflanzen von einer Vielzahl an Bakterien und Pilzen bewohnt - jede Sorte verfügt über eine Art ’Finger-abdruck’ von spezifischen Mikroorganismen", erläutert Prof. Dr. Richard Sikora vom Institut für Pflanzenkrankheiten der Universität Bonn. Und einige von ihnen scheinen lebensnotwendig zu sein: Zieht man beispielsweise Bananen im Labor unter sterilen Bedingungen heran, sind sie sehr viel anfälliger für Parasitenbefall als ihre Geschwister, die unter natürlichen Bedingungen aufgewachsen sind.

"Wir sprechen von ’biologischer Verstärkung der Pflanzengesundheit’", erläutert Sikora. Ziel der Wissenschaftler ist es, diejenigen Endophyten zu identifizieren, die ihre Mutterpflanze schützen. Mit diesen Mikroorganismen könnte man nämlich vielleicht auch andere Pflanzen "impfen", um sie so unempfindlicher für Parasitenbefall zu machen.

"Wir haben bereits mehrere Pilze isoliert, die dazu vielleicht geeignet sind", sagt Björn Niere, der am Institut für Pflanzenkrankheiten promoviert. In den nächsten drei Jahren will er nun in Uganda im Feldversuch testen, ob die Kandidaten die gewünschte Wirkung zeigen. Dazu werden die Bananenpflanzen in Gewebekultur steril herangezogen, danach in eine Lösung von Pilzsporen getaucht und einige Monate später ausgepflanzt. Auf der Plantage wird dann untersucht, ob die Pflanzen besser gedeihen als unbehandelte Stauden. Partner der Pflanzenkundler ist das International Institute of tropical Agriculture; gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Unter Feldbedingungen konnten die Stauden den Angriff einer weiteren wichtigen Nematodenart, Helicotylenchus multicinctus, noch vier Monate nach Pflanzung besser abwehren als unbehandelte Exemplare - ausreichend, um ihnen in den kritischen ersten Lebensmonaten einen wichtigen Startvorteil zu verschaffen.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Richard Sikora, Institut für Pflanzenkrankheiten der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-2439, E-Mail: rsikora@uni-bonn.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Bananen Bananenpflanzen Bodyguards Endophyten Uganda

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie