Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien stoppen bedrohliche Pilzerkrankung bei Amphibien

09.06.2008
Chytridiomykose hat in vergangenen 20 Jahren ganze Arten ausgerottet

Eine tödlich verlaufende Infektionserkrankung bedroht zunehmend Amphibienarten weltweit, die durch einen Pilz ausgelöste Chytridiomykose. Einen neuen Ansatz, wie dieser Gefahr begegnet werden kann, haben Wissenschaftler der James Madison University kürzlich auf einer Fachtagung von Mikrobiologen vorgestellt.

Ihnen zufolge könnten bestimmte probiotische Bakterien, die auf der Haut der Amphibien leben, der Schlüssel zur Eindämmung der Krankheit sein. Diese hilfreichen Keime produzieren nämlich Chemikalien, die den krankheitsauslösenden Pilz angreifen. "Wenn die Zahl der Tiere, die diese Bakterien auf der Haut tragen, in Risikopopulationen vergrößert werden kann, dann wird die Verbreitung des Pilzes gestoppt", sagt Biologin Brianna Lam. Geschehen könne diese beispielsweise mittels Waschungen in angereicherten Bädern.

Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis dringt in die oberflächliche Hautschicht der befallenen Tiere ein und ernährt sich dort vom Keratin. Die Infektion äußert sich durch Rötung und Ablösen der Haut. Die betroffenen Tiere werden dadurch stark geschwächt, sind träge und fressen nicht mehr, sodass der Tod meist nach wenigen Tagen einsetzt. Im Versuch behandelten Lam und ihre Kollegen Gebirgs-Gelbschenkelfrösche mit einer Extradosis verschiedener probiotischer Bakterienarten, deren natürlicher Wirt die Tiere sind. "In der Gruppe, die wir dem Chytridpilz ausgesetzt haben, starben zwischen 50 und 60 Prozent," berichtet Reid Harris. "Aber von denjenigen Tieren, die wir in einer Lösung mit den probiotischen Bakterien gebadet hatten, verstarb kein einziges. Und der Untersuchungsbeginn ist jetzt 140 Tage her." Die Forscher nehmen daher an, dass die Bakterien mit den untersuchten Tieren in einer Art Schutzgemeinschaft leben.

Nach den Laboruntersuchungen haben die Wissenschaftler die stark gefährdete Froschart in ihrem natürlichen Lebensraum, den Bergen der Sierra Nevada, beobachtet und entdeckten, dass einige Populationen, die von der Pilzinfektion befallen waren, überlebten, während andere starben. In denjenigen Populationen, die die Krankheit überstanden hatten, war denn auch der Anteil der Tiere höher, die die pilzbekämpfenden Bakterien mit sich trugen. Daher vermuten die Forscher, dass eine bestimmte Zahl von Individuen mit den unterstützenden Bakterien ausgestattet sein muss, damit die gesamte Population dem Pilz gegenüber bestehen kann. Diese Beobachtungen würden allerdings die Frage aufkommen lassen, warum die schützenden Bakterien nicht in genügend großen Mengen in allen Populationen vorhanden sind und ob Faktoren wie der Verlust an Lebensraum oder der Klimawandel zu ihrer Reduzierung beitragen.

Die Wissenschaftler werden den Zustand der untersuchten Populationen auch weiterhin verfolgen, um zu überprüfen ob die bakterielle Heilbehandlung dauerhaften Schutz bietet. Sollten sich ihre positiven Beobachtungen fortsetzen, wollen sie innerhalb der kommenden Jahre ein Projekt in der Wildnis starten. Allein die Eindämmung der Chytridiomykose könne das Artensterben bei den Amphibien aber nicht stoppen, betont die Gruppe, denn auch der Verlust an Lebensraum, die Umweltverschmutzung und Virusinfektionen setzen den Tieren erheblich zu.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jmu.edu
http://www.asm.org

Weitere Berichte zu: Amphibien Bakterien Chytridiomykose Population

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie