Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstgebaute Viren

30.05.2008
Für die Gentherapie konzipierte künstliche Viren schleusen Gene und Wirkstoffmoleküle effektiv in Tumorzellen

Viren sind wahre Experten darin, Erbmaterial in Zellen eines befallenen Organismus einzuschleusen. Für die Gentherapie macht man sich dies zu Nutze: Bei einer Gentherapie werden Gene in Zellen eines Patienten eingefügt, um Erbkrankheiten oder Gendefekte zu behandeln.

Koreanische Forscher haben nun ein künstliches Virus erzeugt. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, konnten sie damit nicht nur Gene, sondern auch Wirkstoffe erfolgreich ins Zellinnere von Krebszellen transportieren.

Natürliche Viren sind zwar ausgesprochen effektiv, Gene für eine Gentherapie in Zellen zu schleusen, haben jedoch den Nachteil, dass sie Immunreaktionen oder auch Krebs auslösen können. Künstliche Viren haben diese Nebenwirkungen nicht, arbeiten dafür aber nicht besonders effektiv. Der Grund liegt darin, dass die Größe und die Form der künstlichen Viren nur sehr schwer zu kontrollieren, aber entscheidend für ihre Effektivität sind. Das Forscherteam um Myongsoo Lee hat nun eine neue Strategie entwickelt, bei der die künstlichen Viren eine definierte Form und Größe beibehalten.

... mehr zu:
»Gen »Gentherapie »Tumorzelle »Virus

Die Forscher gehen von einer bandartigen Proteinstruktur aus (beta-Faltblatt) als Schablone aus. Die Proteinbänder ordnen sich in einem Selbstorganisationsprozess zu einer definierten faserförmigen Doppelschicht an, die Form und Größe vorgibt. Außen angekuppelt sind "Proteinärmchen", die kurze RNA-Helices binden und regelrecht einbetten. Ist diese RNA komplementär zu einer bestimmten Gensequenz synthetisiert, kann sie ganz spezifisch das Ablesen dieses Gens blockieren. Diese so genannten Small Interfering RNAs (siRNA) sind Grundlage einer erfolgversprechenden gentherapeutischen Methode.

Glucose-Bausteine auf der Oberfläche der künstlichen Viren sollen die Bindung des künstlichen Virus an Glucose-Transporter auf der Zelloberfläche der Zielzellen verbessern. Diese Transporter kommen bei fast allen Säugerzellen vor. Tumorzellen tragen meist besonders viele der Transporter.

Versuche mit einer menschlichen Krebszelllinie zeigten, dass die künstlichen Viren eine siRNA sehr effektiv einschleusen und das Zielgen blockieren.

Zusätzlich gelang es den Forschern, einen hydrophoben (wasserabweisenden) Farbstoff zu Demonstrationszwecken in das Proteinband der künstlichen Viren einzuschließen. Der Farbstoff wurde bis in den Zellkern der Tumorzellen transportiert. Das ist besonders interessant, weil der Zellkern der Wirkort vieler wichtiger Antitumor-Wirkstoffe ist.

Angewandte Chemie: Presseinfo 20/2008

Autor: Myongsoo Lee, Yonsei University, Seoul (Korea), http://csna.yonsei.ac.kr/professor/index.htm

Angewandte Chemie 2008, 120, No. 24, 4601-4604, doi: 10.1002/ange.200800266

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Gen Gentherapie Tumorzelle Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie