Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Meilenstein auf dem Weg zur Entschlüsselung eines ungewöhnlichen Genoms

04.07.2002


Wissenschaftlern der Abteilung Genomanalyse des Institutes für Molekulare Biotechnologie (IMB) in Jena und des Institutes für Biochemie I der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln ist es in Zusammenarbeit mit weiteren internationalen Gruppen gelungen, das größte (Chromosom 2) der sechs Chromosomen von Dictyostelium discoideum zu entschlüsseln und zu analysieren. Heute (04.07.2002) wird das Ergebnis in der renommierten Fachzeitschrift Nature publiziert (Nature 418 (2002) pp. 79-85).

Dictyostelium, eine freilebende Amöbe, ist ein Modellorganismus für die Erforschung grundlegender zell- und entwicklungsbiologischer Fragestellungen. Die Einzelzellen sind sehr beweglich und die dabei zugrunde liegenden molekularen Vorgänge sind sehr gut mit denen von Leukozyten (weißen Blutkörperchen) vergleichbar. Unter ungünstigen Lebensbedingungen entwickelt sich Dictyostelium zu einem vielzelligen und koordiniert beweglichen Organismus. Das macht ihn zum idealen Objekt, um die Grundlagen der Mehrzelligkeit zu studieren. Die Analyse des Genoms dieser Spezies bildet die Voraussetzung für weitergehende funktionelle Studien. Mit 34 Mb ist das Genom relativ klein, auf Grund seiner Zusammensetzung jedoch erheblich schwieriger zu bearbeiten als z.B. das menschliche Genom. Das Dictyostelium Genom enthält nicht nur einen - für einen niederen Eukaryoten relativ hohen - Anteil an repetitiven Elementen (so genannte Junk-DNA), sondern ist außerdem gekennzeichnet durch eine Überrepräsentation zweier der vier ’Genombausteine’: Adenin und Thymin machen fast 80 % aller Bausteine aus, Guanin und Cytosin dagegen nur knapp 20 %.

In einem von der DFG geförderten Projekt haben das IMB und das Institut für Biochemie I der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln einen Meilenstein bei der Analyse dieses interessanten Organismus erreicht. Den beiden Gruppen ist es gelungen, knapp ein Viertel des Genoms zu entschlüsseln. Damit kann ein Einblick in das Funktionieren eines Organismus erlangt werden, der sich stammesgeschichtlich vor der Entstehung der Tiere und Pilze aber nach der Evolution des Pflanzenreichs entwickelte. Die Daten aus dieser Entschlüsselung stellen eine wertvolle Ressource für viele Arbeitsgruppen weltweit dar.

Die Analysen zeigen, dass wesentliche Bestandteile der Zellmaschinerie, die in höheren Organismen vorkommen, schon in relativ einfachen Arten vorhanden sind. Unter anderem konnten die Wissenschaftler auch Gene in diesem Genom lokalisieren, die in veränderter Form beim Menschen Krankheiten auslösen. Dies eröffnet Perspektiven zum Verständnis des Krankheitsgeschehens und kann damit auch zur Entwicklung von Behandlungsmethoden führen.

Die Analyse dieses größten Chromosoms von D. discoideum ist der erste wichtige Schritt zur Entschlüsselung des gesamten Genoms. Wenn dieses Ziel im nächsten Jahr erreicht sein wird, sollen im nächsten Schritt, alle Gene dieses Organismus funktionell untersucht werden.


Kontakt:

Dr. Gernot Glöckner
Institut für Molekulare Biotechnologie
Abteilung Genomanalyse
Beutenbergstr. 11, 07745 Jena
Tel.: +49 (3641) 65 62 54
Fax: +49 (3641) 65 62 55
E-Mail: gernot@imb-jena.de

Dr. Ulrike Wagner | idw
Weitere Informationen:
http://genome.imb-jena.de/

Weitere Berichte zu: Chromosom Dictyostelium Entschlüsselung Genom Organismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie