Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BayGenetics – mit dem Heu-Bazillus ein Produktionssystem für Proteine entwickelt

20.05.2008
Bemerkenswerte Finanzierung-Idee: Founding Angel am Gründungskapital beteiligt

Eine Bayreuther Wissenschaftler-Idee ist wieder zu einer Firma geworden – und das mit einer bemerkenswerten Finanzierungsidee. Seit wenigen Tagen ist die BayGenetics GmbH (www.baygenetics.com) in das Handelregister eingetragen.

Die junge Firma entwickelt neue Technologien in den Bereichen Enzymkatalyse, Proteinsynthese, molekulare Diagnostik und bei der Impfstoffentwicklung. Der Schwerpunkt soll die Proteinproduktion mit dem Bacillus subtilis sein. Die BayGenetics GmbH soll als Dienstleister für etablierte Unternehmen der Chemie-, Biotechnologie- und Pharmaindustrie tätig sein sowie in ausgesuchten Gebieten eigene Patente aufbauen und vermarkten.

Die Köpfe hinter BayGenetics sind hauptsächlich der Mikrobiologe Dr. Markus Helfrich, ein EXIST-Gründungsstipendiat (EXIST: Bundesförderungsprogramm für Existenzgründungen aus der Wissenschaft), der Bayreuther Genetiker Professor Dr. Wolfgang Schumann als wissenschaftlicher Mentor sowie der Chemiker und Ökonom Dr. Gunter Festel, Gründer von FESTEL CAPITAL in Hünenberg (Schweiz) und Absolvent der Universität Bayreuth.

... mehr zu:
»Mikroorganismus »Protein

BayGenetics ist ein typisches Unternehmen der industriellen Biotechnologie. Darunter versteht man den Einsatz von Mikroorganismen zur Produktion von verschiedenen industriell relevanten Stoffen. In diesem Markt wird in den nächsten Jahren ein deutlicher Zuwachs erwartet.

Bei dem Mikroorganismus Bacillus subtilis, auch bekannt unter seinem Trivialnamen „Heubazillus“, handelt es sich um einen der bestuntersuchten Mikroorganismen, der in der Lage ist, langlebige Dauerformen (Sporen) zu bilden. Der Vorteil ist, dass sein Genom entschlüsselt ist, er sich leicht gentechnisch verändern lässt und verschiedene genetische Systeme etabliert sind, die zum Teil im Arbeitskreis von Professor Schumann entwickelt wurden. Außerdem ist es ein für den Menschen ungefährlicher Organismus, der bereits seit vielen Jahren in der Nahrungsmittelindustrie oder als medizinisches Präparat bei Darmerkrankungen eingesetzt wird.

Im Gegensatz zu dem Mikroorganismus Escherichia coli, der zurzeit als „Arbeitspferd“ in der Produktion von Proteinen in der Industrie eingesetzt wird, bietet der Heubazillus den Vorteil, dass er produzierte Proteine in das umgebende Medium abgeben kann. Auf diesem Gebiet wurde ein leistungsfähiges Produktionssystem für Proteine von BayGenetics entwickelt. Außerdem soll eine bereits etablierte Methode verbessert werden, die die Verankerung von Proteinen an der Oberfläche der Zellen ermöglicht. Diese können anschließend als „enzymatische“ Katalysatoren bei chemischen sowie pharmazeutischen Produktionsabläufen eingesetzt werden. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist der Einsatz von Sporen dieses Heupazillus bei der Produktion von Impfstoffen und Anwendungsmöglichkeiten bei der molekularen Diagnostik.

Bemerkenswert ist BayGenetics auch als Beispiel für ein neues Geschäftsmodell, das in Deutschland und der Schweiz bisher weitgehend unbekannt ist. Kapitalgeber Dr. Festel agiert dabei als sogenannter „Founding Angel“. Dabei werden interessante Geschäftskonzepte bereits schon vor der eigentlichen Start-up Gründung unterstützt, während sogenannte „Business Angels“ in der Regel bei schon gegründeten Unternehmen einsteigen. Das Engagement der Founding Angels erfolgt dabei grundsätzlich ohne jegliche Bezahlung gegen eine signifikante Beteiligung am Eigenkapital des neuen Unternehmens als Teil des Gründungsteams.

Ein solches Geschäftsmodell mit einem starken operativen Engagement schon vor einer Unternehmensgründung wird in Großbritannien und den USA bereits erfolgreich praktiziert. „Grundsätzlich ist es wichtig, die Fixkosten eines Start-ups so gering wie möglich zu halten, um in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben“, betont Dr. Festel. Es habe sich zudem bewährt, dass alle Gründer inklusive dem Founding Angel bei der Gründung die gleichen Anteile an Eigenkapital erhalten. Der Founding Angel soll sogar in der Lage sein, finanzielle Engpässe beim Start-up durch Finanzspritzen zu beheben.

Wichtig ist dem Finanzdienstleister, dass die Geschäftsführung sobald wie möglich an einen Vollzeit-Geschäftsführer übergeben wird. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, betont Dr. Festel, dass der Founding Angel eine Langzeitstelle sucht oder sich über das Start-up finanziell über Wasser halten möchte. Sollte dieser Eindruck entstehen, geht die Chance, schnell Investoren zu finden, gegen Null“.

Kontakt und weitere Infos bei:
Dr. Markus Helfrich
Tel. 0921/55 – 43 09
e-mail: markus.helfrich@uni-bayreuth.de
Professor Dr. Wolfgang Schumann
Tel. 0921/55 – 43 09
e-mail: w.schumann@uni-bayreuth.de
Dr. Gunter Festel
FESTEL CAPITEL
Tel.00 41 / 41 780 1643
e-mail: gunter.festel@festel.com

Kerstin Wodal | Uni Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de/presse/index.html

Weitere Berichte zu: Mikroorganismus Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie